DFB-Sieg über Schottland Müller the Braveheart

Der Weltmeister zeigte sich anfällig gegen starke Schotten, aber am Ende hat Deutschland zum Auftakt der EM-Qualifikation doch wieder gewonnen. Weil auf Thomas Müller und seine Tore einfach Verlass ist.

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Aus Dortmund berichtet


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Länderspiele gegen Schottland sind ein Fest. Weil die schottischen Fans ungefähr vier Stunden vor dem Anpfiff anfangen zu singen und damit noch weitermachen, wenn der Schiedsrichter bereits abgepfiffen hat. Sie singen ihre alten schottischen Heldenlieder, und weil sie so faire Sportsleute sind, werden sie vielleicht künftig auch ein Heldenlied für einen Deutschen schreiben.

Es war Thomas Müller, der die EM-Qualifikationspartie gegen die Schotten mit seinen Toren, mit seinem Willen, mit seinem Einsatz entschied. Wieder einmal war Müller der Matchwinner.

Der Münchner erzielte beide Treffer beim mühevollen 2:1-Erfolg der DFB-Elf, es waren seine Tore 23 und 24 im Nationaltrikot. Er hat damit Lothar Matthäus überholt, der fast hundert Länderspiele mehr als Müller absolviert hat. Mit dem legendären Richard Hofmann ist er gleichgezogen. Nur 15 Spieler haben in der langen DFB-Geschichte öfter getroffen als er.

Müller macht auch die wichtigen Tore

Dabei ist es aber nicht nur die Zahl der Treffer, es ist vor allem die Bedeutung der Tore, die ihn für die Nationalmannschaft und den Bundestrainer so ungeheuer wertvoll macht. Als das Spiel Mitte der zweiten Hälfte auf der Kippe zu stehen schien, als die Schotten nach dem 1:1-Ausgleich ihre Chance witterten, da schlug Müller nach einem Eckball gnadenlos zum Siegtor zu. "Diese Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, dieser Hunger nach Treffern macht ihn so besonders", sagt Joachim Löw. Dass dem Treffer ein Foulspiel von Benedikt Höwedes vorausging, das der norwegische Schiedsrichter wie manches andere übersah, ist allerdings ein kleiner Schönheitsfehler des Treffers.

Dafür war beim ersten Tor nach 18 Minuten alles regulär, wieder ein typisches Müller-Tor. Der Münchner stieg zum Luftduell hoch und verwertete eine Flanke von Sebastian Rudy mit dem Hinterkopf zum 1:0. Was nicht nur den schottischen Trainer Gordon Strachan Bewunderung abrang: "Müller ist eine außergewöhnliche Maschine. Der kann wahrscheinlich 2,50 Meter hoch springen". Gegen solche Spieler "kann man in solchen Szenen nichts machen", so Strachan.

"Zu diesem Kopfball wollte ich unbedingt hin, und dann sieht es natürlich auch gut aus", kommentierte Müller seinen Treffer selbst. An mangelndem Selbstbewusstsein hat der 24-Jährige noch nie gelitten.

"Heute zählte nur der Sieg"

Von diesem Selbstvertrauen hätten einige seiner Mitspieler gerne etwas vertragen können. Gerade in der zweiten Hälfte verflachte die Partie aus Sicht des DFB, die Passspiele wurden immer zögerlicher, das Abwehrverhalten zaghafter. Das neue Außenverteidiger-Duo aus Erik Durm (links) und dem Hoffenheimer Sebastian Rudy (rechts), den Löw zur Überraschung aller aufgeboten hatte, bekam die schnellen schottischen Stürmer immer weniger in den Griff.

"Heute zählte nur der Sieg, das war die einzige Erwartung, die ich an meine Mannschaft hatte", sagte Löw anschließend. Und Torwart Manuel Neuer, der wieder ausreichend Gelegenheit zu seinen Ausflügen außerhalb des Strafraums bekam, ergänzte: "Wir haben unsere Pflicht erfüllt. Wie wir es gemacht haben, war letztlich egal." Tatsächlich hat der Weltmeister an Schwung eingebüßt, und das liegt nicht nur daran, dass mit Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Mats Hummels und Mesut Özil vier Stammkräfte verletzungsbedingt fehlten. Vor allem Hummels im Abwehrzentrum wird denn doch dringlicher vermisst. Aber auch diejenigen, die auf dem Platz standen, wie Stürmer André Schürrle oder sein Kompagnon Mario Götze, haben noch nicht wieder in die Spur gefunden.

"Einige Spieler haben noch nicht wieder ihren Rhythmus", sagte Löw, und dass dies im Oktober, wenn die schwere Auswärtspartie in Polen ansteht, schon wieder anders sein werde. Umso wichtiger sei es gewesen, mit einem Sieg zu starten, "von daher bin ich absolut zufrieden".

Eine Zufriedenheit, die durch die erneute Verletzung von Marco Reus allerdings getrübt werden könnte. Der Dortmunder knickte in der vorletzten Minute der Spielzeit nach einer gegnerischen Attacke um, blieb liegen und musste vom Platz geführt werden. "Es ist wohl derselbe Knöchel betroffen wie bei seiner Verletzung vor der WM", sagte Löw, allerdings sehe es derzeit so aus, "als ob es nicht diesmal nicht so schlimm ist". Im Juni, kurz vor der WM, hatte Reus sich einen Bänderriss zugezogen und war fast acht Wochen ausgefallen.

Ohne Khedira, möglicherweise ohne Reus - so wird Löw das Polenspiel am 11. Oktober angehen müssen. "Es wird wohl noch ein halbes Jahr so gehen, dass wir uns ein bisschen durchschleppen müssen", sagt der Bundestrainer. Umso wichtiger, Braveheart Thomas Müller im Team zu wissen.

Deutschland - Schottland 2:1 (1:0)
1:0 Müller (18.)
1:1 Anya (66.)
2:1 Müller (70.)
Deutschland: Neuer - Rudy, Höwedes, Boateng, Durm - Kramer, Kroos - Müller, Reus (90.+2 Ginter), Schürrle (83. Podolski) - Götze
Schottland: Marshall - Hutton, Hanley, R. Martin, Whittaker - D. Fletcher (58. McArthur), Mulgrew - Anya, Morrison, Bannan (58. S. Fletcher) - Naismith (82. Maloney)
Schiedsrichter: Moen (Norwegen)
Zuschauer (in Dortmund): 60.209
Gelb-Rote Karte: Mulgrew (90.+3) wegen unsportlichen Verhaltens
Gelbe Karten: Durm, Müller - Hanley, Morrison

insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
caone 08.09.2014
1. bitte korrektur
wow. bitte korrektur lesen. z.t. krasse fehler. lhedita? welcher deutsche nationalspieler heißt so? auf grund der buchstabenpositionen auf der tastatur vermute ich einen anderen spieler.
CancunMM 08.09.2014
2.
Starke Schotten ? Naja. Sehr bieder waren die und das Problem war, das wir nicht besonders stark waren. Habe eigentlich keine Veränderung gegenüber dem Argentinienspiel gesehen.
godot75 08.09.2014
3. Götze?
Der hat in der Nationalmannschaft noch nie funktioniert!? Warum spielt der immer wieder?
hastdunichtgesehen 08.09.2014
4. Der Betrugsweltmeister
Der Betrugsweltmeister macht dort weiter wo er bei der WM aufgehört hat. Es werden keine Fouls wiederholt und der Moderator geht auch nicht darauf ein. Gegen Deutschland hätte mindestens ein Elfmeter und eine rote Karte gegeben werden müssen. Das ist so erbärmlich.
didoma 08.09.2014
5. Wieso Betrugsweltmeister?
Es sind schon viel offensichtlicher durch "Betrug" bzw. unfairen Verhalten Weltmeister geworden. Mir war vor dem Spiel schon klar das es schwer wird gegen die Schotten. Es war gut das wir gegen sie am Anfang gespielt haben und dann gegen Polen. Weil so sehen die Spieler das es kein selbstläufer ist als wenn wir gegen Gibraltar gespielt hätten. Auch das Spiel gegen Argentinien war richtig und wichtig
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