Südkoreas Torhüter Jo Hyeon Woo One-Save-Wonder

Jo Hyeon Woo zählt in Südkoreas Nationalmannschaft zu den großen Gewinnern. Trotz der Niederlagen in der Vorrunde konnte der 26-Jährige überzeugen. In seiner Heimat hat er ganz andere Probleme.

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Marcus Berg ist ein erfahrener Stürmer. In Europa spielte er unter anderem für den Hamburger SV, die PSV Eindhoven und Panathinaikos Athen. Für die schwedische Nationalmannschaft trifft er seit 2008 - mehr oder weniger - regelmäßig. Beim WM-Auftakt gegen Südkorea blieb der mittlerweile 31-Jährige allerdings erfolglos - trotz einer unglaublichen Chance.

In der ersten Hälfte kombinierten sich die favorisierten Schweden ins gegnerische Drittel. Ein Zuspiel von rechts erreichte den in der Mitte völlig freistehenden Berg. Eine seiner leichteren Übungen. Eigentlich. Denn sein Schuss aus fünf Metern wurde zur Überraschung aller von Jo Hyeon Woo pariert.

Jo Hyeon- wer?

Der Torhüter zählt zu den wenigen positiven Überraschungen in der südkoreanischen Nationalmannschaft. Der eigentliche Star, Tottenhams Son Heung Min, ist in der Offensive häufig auf sich allein gestellt und konnte die Niederlagen trotz seines sehenswerten Treffers gegen Mexiko nicht verhindern.

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Südkoreas Torwart-Hoffnung: Reflex!

Dass Südkorea wie schon vor vier Jahren in der Vorrunde vor dem Aus steht, liegt nicht an Jo. Der 26-Jährige tut alles, um seinen Gegnern das Spiel so schwer wie möglich zu machen. Bei den Niederlagen gegen Schweden (0:1) und Mexiko (1:2) ließen seine Vorderleute 28 Torschüsse zu, er rettete teils spektakulär und hielt sein Team lange im Spiel.

So auch beim Schuss von Andrés Guardado: Der mexikanische Kapitän zielte aus kurzer Distanz druckvoll Richtung Winkel, doch Jo klärte den Ball reflexartig zur Ecke. Die Außenseiterrolle, in der sich Südkorea, der 57. der Fifa-Weltrangliste, befindet, scheint vor allem Jo zu liegen. Womöglich auch, weil er sie aus seinem beruflichen Alltag kennt.

Südkoreas Torhüter des Jahres 2017

Jo spielt in Südkoreas K-League für den FC Daegu. Das Team liegt in der aktuellen Saison mit sieben Punkten aus 14 Spielen abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz. Lediglich ein Spiel wurde gewonnen, die Mannschaft kassierte die meisten Gegentore. Auch in der vergangenen Spielzeit enttäuschte Daegu und verpasste die Playoffs. Trotz der 52 Gegentreffer und einer negativen Tordifferenz wurde Jo im Anschluss erstmals zum besten Torhüter seines Landes gewählt. Erst danach schaffte er den Sprung ins Nationalteam.

Bei der diesjährigen WM galt er hinter Kim Seung Gyu, der gemeinsam mit Lukas Podolski für den japanischen Klub Vissel Kobe spielt, und Kim Jin Hyeon als klare Nummer drei im Kader. Doch Trainer Shin Tae Yong entschloss sich, Jo eine Chance zu geben. Möglicherweise hatte den Coach die Erfolgsquote des 1,89 Meter großen Keepers überzeugt: Viermal lief er vor dem Turnierstart für den WM-Vierten von 2002 auf, zweimal spielte er zu null, gegen Serbien (1:1), Nordkorea (1:0) Japan (4:1) und Honduras (2:0) blieb er ungeschlagen.

Der Hype um seine Person zeigt sich auch in den sozialen Netzwerken: Bei Twitter loben Fans Jos Reflexe und Agilität auf dem Platz, manche prophezeien ihm eine Zukunft in Europa und bringen seinen Namen unter anderem als Nachfolger für Loris Karius beim FC Liverpool ins Gespräch. Videos, versehen mit dem Titel "Save of the day" (zu deutsch: Parade des Tages), finden sich auf US-amerikanischen, schwedischen und chinesischen Internetseiten.

Eine sportliche Zukunft scheint in Europa allerdings fast ausgeschlossen. Jo wäre der erste asiatische Torhüter, der sich dauerhaft bei einem europäischen Klub durchsetzen würde. Selbst Lee Woon Jae, der zwischen 1994 und 2010 132 Länderspiele für Südkorea absolvierte, schaffte nicht den Sprung in die besten Ligen der Welt.

Schon öfter wuchsen Torhüter während Weltmeisterschaften über sich hinaus. Kolumbiens René Higuita und Argentiniens Sergio Goycochea 1990 zum Beispiel - oder auch Mexikos Guillermo Ochoa 2014. Allen blieb der große Durchbruch anschließend verwehrt.

Gegen Deutschland (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF) bekommt Jo noch einmal die Chance, sich der Weltöffentlichkeit zu präsentieren, ehe das Team höchstwahrscheinlich zurück nach Südkorea fliegen muss. Dort geht es für ihn wieder um Punkte in der K-League.

Seinem Team droht der Abstieg in die zweite Liga.



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
der Guru 27.06.2018
1. Keylor Navas,
wer ist das? Fehlt im Fazit, wohl weil es nach der letzten WM bei Real Madrid spielte
labellen 27.06.2018
2. klare Rechnung:
als Keeper einer schlechteren Mannschaft hat er einfach mehr Einsatzpraxis wie andere Kollegen.
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