DFB-Sieg beim Confed Cup Das Siegen der Anderen

Im Finale bewies die zweite Reihe des DFB-Teams endgültig, wie viel Qualität in ihr steckt. Den Sieg gegen Chile kann sich aber auch "Yogi" Löw ans Revers heften. Alles Wichtige zum Spiel.


Frage des Spiels: Würde die deutsche B-Elf, die im bisherigen Turnierverlauf für viele überraschend souverän aufgetreten war, im Endspiel gegen Südamerikameister Chile ihre finale Reifeprüfung bestehen?

Antwort: Ein klares "Ja!", sogar gedacht mit mehreren Ausrufezeichen. Zwar wurde die DFB-Auswahl in der Anfangsphase am eigenen Strafraum eingeschnürt. Doch mit der ersten gelungenen Offensivaktion ging Deutschland in Führung. Das deutsche Team (193 Länderspiele in der Startformation) präsentierte sich gegen Chile (944) reif und abgezockt. Am Ende half ein starker Torhüter. Hier geht es zum Spielbericht.

Die Aufstellungen: Joachim Löw blieb seiner Experimentierfreude abermals treu. Im fünften Spiel des Confed Cup schickte der Bundestrainer zum fünften Mal eine andere Startelf aufs Feld. In der Dreierkette durfte Shkodran Mustafi wieder mitwirken. Benjamin Henrichs musste für ihn auf die Bank. Im Angriff setzte der Bundestrainer auf den sprintstarken Timo Werner.

Die erste Hälfte: Chile ging die Partie gewohnt rasant an. Wie im Gruppenspiel (1:1) sah sich die deutsche Mannschaft zunächst einem mutigen Angriffspressing ausgesetzt. Im Gegensatz zum vorangegangenen Aufeinandertreffen überstand Deutschland die frühe Hetzjagd von "La Roja" jedoch unbeschadet. Eine erste brenzlige Doppelchance bereinigten Antonio Rüdiger und Marc-André ter Stegen in Teamarbeit (5. Minute). Anschließend parierte der Barça-Keeper zwei Fernschüsse von Eduardo Vargas (13.) und Arturo Vidal (20.). Im Gegenzug gab die deutsche Mannschaft dem Gegner deren eigene Medizin zu kosten - und stellte die Partie auf den Kopf: Das DFB-Team ging nach einer Pressingaktion am gegnerischen Sechzehner durch Lars Stindl in Führung (20.). Als Chile zunehmend Tempo herausnahm, kam die DFB-Elf zu Kontern. Einen solchen konnte Leon Goretzka aus spitzem Winkel nicht veredeln, nachdem er von Sebastian Rudy sehenswert bedient worden war (36.). Kapitän Julian Draxler verpasste aus 17 Metern das 2:0 (41.) ebenso wie Goretzka bei seinem zweiten Versuch (45.).

Die zweite Hälfte: Diesmal startete Deutschland dominanter. Der Ex-Mainzer Gonzalo Jara lenkte einen Draxler-Schuss nach einem Solo des Parisers in höchster Not zur Ecke (56.). In der Folge wurde das Spiel hektischer, die Chilenen ließen sich angesichts der deutschen Abgeklärtheit wie Jara bei einem Ellbogenstoß (63.) zu Nickeligkeiten hinreißen. Als sich die Gemüter wieder etwas beruhigt hatten, scheiterte Vidal aus dem Gewühl heraus mit einem Drehschuss an ter Stegen (75.). Bis zum Abpfiff kam Chile vier weitere Male gefährlich zum Abschluss, doch der deutsche Torhüter war jeweils auf dem Posten und verhinderte den Ausgleich.

Chiles Gonzalo Jara (l.) hält Timo Werner regelwidrig auf Distanz
AP

Chiles Gonzalo Jara (l.) hält Timo Werner regelwidrig auf Distanz

Jogi, der Yogi: Der Ausgang des Finalduells des jüngsten gegen das älteste Team des Turniers legt nahe, dass Löws Plan voll aufgegangen ist. Die Fehler der von ihm so verehrten spanischen Weltmeister von 2010 im Hinterkopf, nutzte er den Rahmen der "Mini-WM", um seinen Kader personell aufzufrischen und ihr taktische Variabilität anzutrainieren. Mit Timo Werner, Stindl und Goretzka teilen sich drei DFB-Spieler den Titel als treffsicherste Turnierschützen (je drei Tore). Niklas Süle stellte ebenfalls unter Beweis, dass er für die WM im kommenden Jahr eine ernsthafte Option sein kann. Eine Statistik kann Löw heranziehen, um auch seinen letzten verbliebenen Kritikern zu trotzen: Als Bundestrainer ist er bei seinen vergangenen fünf großen Turnieren immer mindestens ins Halbfinale eingezogen, zweimal gewann er sogar Trophäen. Wer gewinnt, hat recht. Punkt.

Erkenntnis des Turniers: Dass überhaupt belastbare Kenntnisse aus den deutschen Auftritten beim Confed Cup abgeleitet werden können, war im Vorfeld von vielen bezweifelt worden. Die wichtigste lautet: Deutschland hat gleich mehrere Spieler, die den arrivierten Weltmeistern von 2014 Druck machen können. Viele Akteure der zuvor noch belächelten "B-Elf" erbrachten den Qualitätsnachweis internationaler Reife. Im Finale konnte man ihre Fortschritte wie unterm Brennglas erkennen: Taktisch flexibel, spielerisch reif, im Angriff effizient (drei Schüsse aufs Tor im Endspiel) und mit der nötigen Wettkampfhärte ausgestattet - da scharren gleich mehrere fähige Leute in der zweiten Reihe des DFB-Kaders mit den Hufen.



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Seraphan 03.07.2017
1.
Was mir am wenigsten gefallen hat, waren die wenigen und gezielten Konter. Ich hatte dabei immer den Eindruck, dass sie nicht wirklich gewollt haben. Aber ich möchte den Erfolg nicht kleinreden. Es war ein tolles Spiel unserer Mannschaft, die einmal wieder gezeigt hat, dass man sehr, sehr vieles mit Disziplin und Kondition erreichen kann.
Jasro 03.07.2017
2. U21-Europameister, Confed-Cup-Gewinner,...
...im deutschen Fußball scheint es im Moment eine Generation von vielen hochklassigen Spielern zu geben. Gratulation aber natürlich auch an Jogi Löw, der es geschafft hat, die (angeblich) "zweite Garnitur" der deutschen Fußballnationalspieler zum Gewinn eines internationalen Titels zu führen. Jetzt aber bloß nicht auf den Lorbeeren ausruhen oder gar in Arroganz verfallen, nach dem Motto: [i|"Jetzt läuft die WM automatisch für uns."[/i] Eine solche Haltung würde sich ganz schnell rächen.
Epsola 03.07.2017
3.
Ich habe mit Jogi öfter meine Probleme, aber was man anerkennen muss und was ihn wirklich auszeichnet ist, dass er es nicht zu seinem "Zwangsumbruch" kommen lassen will, sondern mit strategischer Weitsicht für Kontinuität sorgt, von denen auch seine Nachfolger noch zerren werden. Seine Integrationsfähigkeit neue Spieler, die allzu oft erstmal belächelt, an die Stamm-Elf/Zwanzig heranzuführen ist einzigartig. So viel Glück hat kein Mensch, da steckt Kompetenz hinter.
Miere 03.07.2017
4. Glückwunsch zum Sieg und zum Titel.
Wenn man überhaupt noch was bemängeln kann, dann dieses: Es hieß ja anfangs, Löw schont die Stammspieler, indem er hier die zweite Garde einsetzt, weil die A-Mannschaft sonst bei der WM zu ausgelaugt wäre. Das ist nun leider ein Argument dagegen, diejenigen Spieler, die sich hier jetzt verausgabt haben und erfolgreich waren, in den WM-Kader zu berufen. Naja, ich nehme an, bei der großen Auswahl (inc U21) wird er eine gesunde Mischung finden können.
micheleyquem 03.07.2017
5. Verdientermassen haben die am wenigsten Schlechten gewonnen...
Angesichts der Qualiät des Fussballs den einige Vereine zeigen, darf man Nationalmannschaften nicht allzu kritisch beurteilen. Beim ersten Aufeinandertreffen letzte Woche hatten die Deutschen den Ball in der 11.Minute zum ersten Mal in der chilenischen Hälfte. Gestern war es erst in der 15ten. Von gelegentlichen Kontern und einigen absurd kläglichen Patzern abgesehen, waren die Chilenen das eindeutig überlegene und bessere Team. Aber seit Jahren kann man sehen, dass die das Toreschiessen einfach nicht können, uber 20 Schüsse aufs deutsche Tor, dabei dreimal allein von der sechs-Meter-Linie den Ball mit aller Wucht über das Tor gedroschen (einer der gegnerischen Stürmer heisst übrigens Gomez!) Empfohlen haben sich terSteegen, Kimmich und Werner, letzterer, weil er eine ganz andere Komponente ins Spiel bringt. Der Rest war, egal was die Kommentatoren sagen (die ja dafür bezahlt werden sowas zu sagen) einfach nur kläglich! Allerdings... noch schlimmer waren die Schiedsrichter, die anscheinend die Anweisung hatten das Video nur in allerseltensten Ausnahmefällen zu befragen, anstatt es, wie es sein müsste, zum Oberschiedsrichter zu machen. Mexico wurde um einen klaren Elfmeter bei Pepeps Wrestling Einlage betrogen, und Portugal bekam den Zweiten grundlos geschenkt, der ebenfalls völlig eindeutig keiner war! Und der -+Herr der das Endspiel pfiff hatte ganz ein eigenes Regelbuch in dem stand, dass ein vorsätzlicher Ellenbogenschlag ins Gesicht nur mit Gelb und nicht mit Rot zu ahnden sei, und dass das, was er zu sehen glaubte immer wichtiger zu sein habe als das, was ein Video zeigen kann. Das Problem war schon immer natürlich nie die fehlende Vidfeo-Technik, sondern der gute Wille bei den Managern des Milliarden Konzerns, der auch dieses Spektakel zwecks Geldss veranstalten liess.. Aber die Krone der Inkompetenz gebührt den ZDF Kommentatoren. Es ist unfassbar mit was für Beträgen, die UNS zwangsabgepresst werden, soviel Inkompetenz bezahlt wird! Weder Frau Neumann noch Herr Rethy scheinen sich darüber im Klaren darüber zu sein, dass wir das alles in der Zeitlupe sehen, über das sie uns wöährend dessen ihre ganz persönlichen Märchen erzählen! Wie immer beim ZDF eine Frechheit, erfreulich, um auch mal zu loben, Bartels von der ARD, der bei seinen Spielen nahezu nie falsch lag, Danke.
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