DFB-Elf gewinnt Confed Cup "Die beste Mannschaft der Welt"

Erst die U21-EM, jetzt der Confed Cup: Der deutsche Fußball feiert in diesen Tagen Erfolg nach Erfolg. Für den Finalsieg über das aggressive Chile musste die junge DFB-Elf allerdings einen echten Härtetest bestehen.

DPA

Aus Sankt Petersburg berichtet


Russland ist berühmt für seine große Ballett-Tradition, das Bolschoi in Moskau und das Mariinski in Sankt Petersburg. Aber das Tänzchen, das Torwart Marc-André ter Stegen und seine Vorderleute nach dem Abpfiff des Confed-Cup-Endspiels im eigenen Strafraum aufführten, konnte sich auch sehen lassen. Auch wenn es mehr Ringelreihen als Schwanensee war. Aber in diesem Moment wäre Anmut auf Zehenspitzen auch fehl am Platze gewesen, es zählte nur, die Freude rauszulassen.

Deutschland hat das Turnier, die Generalprobe für die WM in einem Jahr gewonnen, besser gesagt erkämpft. Das 1:0 über Chile war der perfekte Härtetest für spätere Herausforderungen. "Wir haben uns in jeden Ball hineingeschmissen und toll dagegengehalten", ging es Bundestrainer Joachim Löw in diesem Moment des Erfolgs auch nicht um einen Schönheitspreis. "Jeder ist für den Anderen in die Bresche gesprungen", ergänzte sein Torwart, der nach zahlreichen starken Paraden auch noch zum Mann des Spiels gewählt geworden war.

Es war zuvor kein triumphaler Erfolg gewesen. Diese 90 Minuten gegen die angriffslustigen, giftigen Chilenen waren von der ersten Minute an Schwerarbeit. Die Südamerikaner hatten wie schon im Gruppenspiel vor zehn Tagen (1:1) versucht, die DFB-Elf von Beginn an zu überrennen, es wäre ihnen auch fast gelungen, wenn ter Stegen nicht so gut gehalten und die Chilenen nicht so schlecht gezielt hätten.

Stattdessen profitierte die Löw-Elf von einem Aussetzer des ehemaligen Hamburgers Marcelo Díaz und machte durch Lars Stindl nach 20 Minuten den entscheidenden Treffer. Hier passt es wirklich: Ein Tor aus dem Nichts.

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DFB-Erfolg beim Confed Cup: Großer Kampf, großer Jubel

"Einfach fantastisch gefightet"

Trainer und Mannschaft war es am Ende egal, konnte es auch sein. "Wir haben einfach fantastisch gefightet, gekämpft um jeden Ball, und deswegen halte ich diesen Sieg auch für verdient", kommentierte Kapitän Julian Draxler, der diesmal wirklich wie ein Spielführer voranging, im eigenen Strafraum Bälle wegköpfte und im nächsten Moment auf der Gegenseite ackerte. Spielerisch war das alles verbesserungsfähig, aber gegen die Chilenen zählten andere Qualitäten.

Dagegenhalten war das Wort des Abends. Chile hatte insgesamt viel mehr Torchancen, hatte mehr Eckbälle, mehr Ballbesitz, aber das alles zählte am Ende gegen eine vorbildlich kämpfende deutsche Mannschaft nichts.

"Es war für die jungen Spieler sicher ein magisches Spiel", sagte Löw. Es war vor allem ein Spiel, bei der die Spieler zeigen konnten, ob sie sich durchbeißen können. Die Chilenen spielten, als sie hinten lagen, extrem aggressiv, an der Grenze des Erlaubten balancierend, und manchmal darüber hinaus. Timo Werner wird ein schmerzendes Souvenir im Gesicht nach Hause mitbringen, weil er den Ellbogen von Gegenspieler Gonzalo Jara abbekam.

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Deutschland in der Einzelkritik: Kimmich im Kampfmodus

Das war auch die Szene, die den Videobeweis mal wieder ins Spiel und in die Diskussion brachte. Schiedsrichter Milorad Mazic zeigte dem Chilenen nach Begutachten der Szene nur Gelb, was im weiten Rund eher für ratloses Erstaunen sorgte. "Da hätte der Schiedsrichter schon Rot zeigen müssen", war Löw auf der Seite der Mehrheit. Fifa-Chef Gianni Infantino hatte am Samstag noch fröhlich prognostiziert, auch mit dem Videobeweis werde es weiter Debatten im Fußball geben. Jetzt weiß man, wie er es gemeint hat.

Spieler haben ihr Standing verbessert

Aber auch das konnte die Euphorie in der Mannschaft nicht aufhalten. Schon klassisch bei solchen Anlässen stürmte die Mannschaft die Pressekonferenz und spritzte mit Schampus durch die Gegend - alles musste raus.

Fünf Spiele, vier Siege, ein Unentschieden, das kann sich sehen lassen für ein Team, dem vor Beginn des Turniers keiner so richtig viel zugetraut hatte. Löw war demnach auch "megastolz auf diese Mannschaft", ein Team, aus dem einige sich jetzt berechtigte Hoffnungen machen können, auch im kommenden Sommer wieder in Sankt Petersburg, Sotschi oder Kasan spielen zu können. "Jeder Spieler, der hier war, hat jetzt ein besseres Standing als vor dem Turnier", sagte Löw.

Amtierender Weltmeister, Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Sommerspielen im Vorjahr, frisch gebackener U21-Europameister und jetzt auch noch Confed-Cup-Sieger. Der deutsche Fußball scheint sich in glänzenden Zeiten zu befinden. Joachim Löw hatte schon etwas Triumphgefühl in der Stimme, als er sagte: "Arturo Vidal hat gestern gesagt, Chile wolle die beste Mannschaft der Welt werden. Aber die beste Mannschaft der Welt ist Deutschland."

insgesamt 58 Beiträge
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Spiegelsicher 03.07.2017
1. Was für ein Wahnsinn, ...
... die "11Freunde" haben gerade gezeigt, dass Deutschland drei komplett WM-wettbewerbsfähige 18er-Kader zusammenbekommt. https://www.11freunde.de/sites/default/files/styles/large/public/19642501_10154725900138030_3056353713305065497_n.jpg?itok=rW5cCqJD Da beginnt der Wahnsinn nicht erst vor der WM 2018, sondern schon bereits vor dem nächsten Länderspiel im September. Wen lädt Löw ein, bzw. besser: Wen lädt Löw alles nicht ein, der ansonsten überall auf der Welt Stammspieler wäre?
Steve1982 03.07.2017
2. Die größte Gefahr...
..wäre Hochmut. Denn dann geht es mit der nächsten Halbfinalniederlage ganz schnell. Auch die Franzosen haben junge Spieler, die besser werden....
pefete 03.07.2017
3. Ich denke
für die Herren Müller, Boateng, Neuer usw. wird es lamgsam eng.
guka-le. 03.07.2017
4. Gratulation an die soooo junge Mannschaft
und auch ein riesiges Lob an Timo Werner! Weiter so Timo und Respekt, wie du mit den Pfeifkonzert in der Vergangenheit umgegangen bist. Schade das es kein Wurstblatt schafft ein Foto vom besten Torjäger des Turniers zu zeigen....
kirfatal 03.07.2017
5. Alles schön, allerdings...
sollte klar sein, dass 2018 alles wieder auf Null steht und ein paar andere Teams auf den Plan treten, die auch nicht schlecht kicken können ;) Die Ausgangslage war ja ideal für Löw: hätte es nicht geklappt, lägen die Argumente dafür schon in der Schublade. Aber was gegen Chile gezeigt wurde, verdient jeden Respekt!
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