DFB-Triumph über Niederlande: Das war super, Mario!

Aus Charkiw berichtet Peter Ahrens

Es war ein souveräner Sieg über den Erzrivalen Niederlande - und über die Nörgler im eigenen Land. Ausgerechnet Mario Gomez und Bastian Schweinsteiger verließen den Platz als Matchwinner, nachdem sie zuletzt heftig umstritten waren. Selbst Oberkritiker Scholl gibt nun zu: "Ich bin stolz auf Mario!"

DPA

Es war schon fast Mitternacht im heißen Charkiw, da gestattete Mario Gomez der Öffentlichkeit einen ungewohnten Einblick in sein Seelenleben. Er war der Matchwinner beim so wichtigen EM-Sieg über die Niederlande gewesen, er hatte beide Tore zum 2:1-Vorrundenerfolg erzielt, aber ihn bewegte in diesem Moment viel weniger Genugtuung als Erleichterung.

"Tausende von Kilos sind mir von den Schultern gefallen", sagte der Münchner Angreifer, der nach außen oft so cool wirkt und wirken möchte. Tagelang war seine Leistung nach dem EM-Auftakt gegen Portugal Teil der öffentlichen Debatte gewesen, losgetreten durch die harsche Kritik von ARD-Experte Mehmet Scholl vor einem Millionenpublikum direkt nach der Portugal-Partie. Wie sehr Gomez das getroffen hat, das offenbarte er erst jetzt.

"Es waren drei verdammt schwierige Tage", sagte der 26-Jährige nach der Partie. Auch gegen Portugal hatte er das Spiel mit seinem Treffer zum 1:0 entschieden. Scholls Frontalangriff danach hat ihn offenbar kalt erwischt. "Da schießt du das Tor - und bekommst anschließend tagelang auf die Fresse", sagte er.

Höchstes Lob vom früheren Weltstar

Im Spiel gegen die Niederlande sei ihm "das bei manchen Situationen immer wieder durch den Kopf geschossen". Umso mehr muss ihn gefreut haben, dass ihn der ehemalige dänische Weltklassestürmer Allan Simonsen nach der Partie adelte: "Gomez hat alles, was ein Fußballer braucht." Eben genau das hatten ihm die Kritiker zuletzt abgesprochen.

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DFB vs. Niederlande: Doppelter Gomez, ideenlose Niederlande

Bundestrainer Joachim Löw habe ihm allerdings frühzeitig gesagt, "dass er das anders sieht als die Kritiker und dass er ganz alleine entscheidet, wer aufgestellt wird und wer nicht". Löw hatte zuvor schon Scholls verbale Attacken als "uninteressant für mich" abgetan. Gomez habe "zwar schon mal ab und an am Boden gelegen, aber er hat sich immer wieder selbst aus dem Tal herausgekämpft", hatte Löw über seinen Mittelstürmer gesagt. "Ich musste ihn nicht aufrichten."

Es war eine besondere Pikanterie, dass der Klassiker gegen die Niederlande ausgerechnet von jenen beiden Spielern entschieden wurde, die nach dem Portugal-Spiel am meisten in der Kritik standen. Neben Gomez gelang auch seinem Münchner Teamkollegen Bastian Schweinsteiger eindrucksvoll die Rückkehr zu alter Stärke.

Schweinsteigers Pässe knackten die holländische Abwehr

Schweinsteiger, noch gegen Portugal mit einer bestenfalls durchschnittlichen Leistung, zeigte sich auf dem Platz komplett unbeeindruckt von der Kritik in den Medien und legte eine ausgezeichnete Partie hin. Den Ideengeber der Oranjes, Wesley Sneijder, nahmen er und Nebenmann Sami Khedira weitgehend aus dem Spiel. Und an beiden deutschen Treffern war der Münchner ebenfalls maßgeblich beteiligt.

Mit zwei "Traumpässen" (Gomez) knackte Schweinsteiger die niederländische Abwehr auf, sein Mittelstürmer vollendete beide Male gekonnt. "Das sind genau die Pässe, auf die ich lauere", lobte Gomez seinen Vorarbeiter in den höchsten Tönen. Das Team hatte sich genau diese Variante im Vorfeld ausgeguckt. "Wir wussten einfach, dass die Niederländer in der Schnittstelle zwischen Innenverteidigung und defensivem Mittelfeld große Probleme haben", verriet Löw anschließend. "Bei den Toren ist das genau so aufgegangen."

Es war ein Abend, an dem vieles stimmte im deutschen Team. Auch wenn die Mannschaft in der ersten Viertelstunde und in der Schlussphase leicht ins Wanken geriet, haben "wir es vor allem defensiv schon klasse gemacht", befand der Bundestrainer. Die Innenverteidiger Holger Badstuber und Mats Hummels machten wie gegen Portugal einen extrem souveränen Eindruck, auch Außenverteidiger Philipp Lahm wusste sich zu steigern.

Der Kapitän gehörte zu denen, die nach dem Spiel offensiv die Personaldebatte um Gomez angingen. "Wir wissen, was wir an ihm haben. Das Turnier ist noch jung, und der Mario hat noch viel vor." Es war wie Balsam für den Mittelstürmer.

Kritiker Scholl ließ sich an diesem Abend übrigens nicht blicken. Per "Bild"-Zeitung erklärte er am Donnerstagmorgen: "Ich bin stolz auf Mario! Einsatz und Erfolg haben zusammengepasst."

Und Gomez selbst? Warum hat er nach seinen Treffern nicht ausgelassen gejubelt? Die Antwort gab er nach dem Spiel: "Ich rannte nach dem Tor auf die Fankurve zu, aber da war alles nur in Orange getaucht. Und da ich nicht die holländischen Anhänger provozieren wollte, habe ich wieder abgedreht."

Auch das hat Gomez an diesem Abend noch richtig gemacht.

Niederlande - Deutschland 1:2 (0:2)
0:1 Gomez (24.)
0:2 Gomez (38.)
1:2 Persie (73.)
Niederlande: Stekelenburg - van der Wiel, Heitinga, Mathijsen, Willems - Bommel (46. van der Vaart), Nigel de Jong - Robben (ab 83. Kuijt), Sneijder, Afellay (ab 46. Huntelaar) - Persie
Deutschland: Neuer - Boateng, Hummels, Badstuber, Lahm - Schweinsteiger, Khedira - Müller (ab 90.+2 Lars Bender), Özil (ab 81. Toni Kroos), Podolski - Gomez (ab 72. Klose)
Schiedsrichter: Jonas Eriksson (Schweden)
Zuschauer: 37.750
Gelbe Karten: de Jong, Willems - Boateng

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1. -.
frubi 14.06.2012
Zitat von sysopEs war ein souveräner Sieg über den Erzrivalen Niederlande - und über die Nörgler im eigenen Land. Ausgerechnet Mario Gomez und Bastian Schweinsteiger verließen den Platz als Matchwinner, nachdem sie zuletzt heftig umstritten waren. Selbst Oberkritiker Scholl gibt nun zu: "Ich bin stolz auf Mario!" Deutschland besiegt Holland bei EM: Jubel für Gomez und Schweinsteiger - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,838763,00.html)
Gomez braucht halt die Bälle. Wenn er die bekommt, macht er auch seine Tore. In der Sturmspitze gehört er zu den Top5 auf der Welt aber wenn man ihn nicht füttert, sieht es manchmal so aus, als wäre er ein Kreisklasse-Spieler. Mich hat gestern nur gestört, dass die DFB Elf nicht konsequent auf das 3:0 gegangen ist. Das wäre durchaus drin gewesen. Was ich ganz peinlich fand war dieses dämliche Protestplakat. Damit wollen sich diese Leute doch nur selber ein reines Gewissen verschaffen. Das ist Sport und ich bin froh, dass im Sport die Politik einmal außen vor ist. Ansonsten wird man ja 24/7 mit politischen Themen zugemüllt und man kann mich dafür kritisieren aber in den 90 Minuten auf dem Platz, will ich davon nichts hören. Zudem ist Timoschenko eine verurteilte Kriminelle mit faschistoiden Tendenzen. Man sollte sich mal über ihre Vergangenheit informieren und nicht auf den Hundeblick der Tochter reinfallen. Zudem setzt sich auch sonst keine Sau für die Haftbedingungen der "normalen" Gefangenen in der Ukraine ein.
2. Früherer Weltstar?
Lassehoffe 14.06.2012
Eine völlig falsche Bezeichnung für Scholl, der im Gegensatz zu Gomez international nie aufgefallen ist - ein erfolgreicher Bundesligaspieler war er, mehr nicht. Das ist auch das, was ihn so zu ärgern scheint. Nerlinger hat Recht mit seiner Kritik an Scholl - die Bayern sollten sich einen neuen Jugendtrainer suchen und die ARD einen kompetenten Co-Moderator.
3. Klose immernoch 1. Wahl
Crackpot 14.06.2012
Gomez hat in diesem Spiel 2 sehr schöne, für ihn selbst eher untypische, Tore gemacht. Trotzdem bleibt Gomez, Gomez. Und wenn der Herr Löw weiterhin darauf besteht ihn in die Startelf zu setzen und Klose erst immer nur nach 70 min einwechselt, dann wird es in dieser EM nicht gut ausgehen. Ich sehe Gomez als Spieler der die entscheidenden Tore machen kann, auch bei Bayern, aber auch zu oft war er derjenige der jeden Zweikampf verlor, jede 100% Chance verspielt und seine Pässe nie trafen. Deswegen Bremse ich mal den Optimismus und warte wieder auf das Spiel in dem Gomez mal wieder nichts gebacken bekommt und alle wieder nach Klose schreien. Und genau darum frage ich mich wieso Klose nicht von Beginn an aufläuft, da er klar der bessere Spieler ist und viel besser in den Kombinationsspiel der Nationalmannschaft findet bzw. teilweise selbst Regie führt. mfg
4. Working hard?
Gerdd 14.06.2012
Zitat von sysopEs war ein souveräner Sieg über den Erzrivalen Niederlande - und über die Nörgler im eigenen Land. Ausgerechnet Mario Gomez und Bastian Schweinsteiger verließen den Platz als Matchwinner, nachdem sie zuletzt heftig umstritten waren. Selbst Oberkritiker Scholl gibt nun zu: "Ich bin stolz auf Mario!" Deutschland besiegt Holland bei EM: Jubel für Gomez und Schweinsteiger - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,838763,00.html)
Vielleicht muß mal jemnd den Mehmet Scholl zur Seite nehmen un dihm den Unterschied erklären zwischen "Working harder" und "working smarter".
5. Einfach nur geiles Statement
saiber 14.06.2012
---Zitat--- "Ich rannte nach dem Tor auf die Fankurve zu, aber da war alles nur in Orange getaucht. Und da ich nicht die holländischen Anhänger provozieren wollte, habe ich wieder abgedreht." ---Zitatende--- Ich bin einfach nur noch angetan von diesem Statement. Einfach nur richtig und treffend. In so einer Situation auch noch die Ruhe bewahren. Das koennen nicht viele. Aber warum hat man mehr Orange als Weiss (bzw. Gruen) gesehen? Wo waren die Deutschen Fans?
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