Dramatischer Sieg gegen Argentinien Deutschland ist Weltmeister!

Jaaaaa! Da ist der Titel! Deutschland wird nach 1954, 1974 und 1990 zum vierten Mal Fußball-Weltmeister. Mario Götze macht das entscheidende 1:0 in der Verlängerung gegen Argentinien.

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Hamburg - Bastian Schweinsteiger konnte kaum noch stehen, geschweige denn laufen. Er schleppte sich durch die Verlängerung, eine frisch genähte Platzwunde unter dem Auge, er warf sich in jeden Zweikampf, um diese 1:0-Führung zu verteidigen. Dann erklang der Schlusspfiff. Endlich. Endlich Weltmeister! Und der Jubel brach los bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, ein Spieler warf sich auf den anderen, gemeinsam bejubelten sie den vierten WM-Titel für Deutschland.

Dann war es so weit. Kapitän Philipp Lahm stemmte den goldenen WM-Pokal im Maracanã in den Nachthimmel von Rio.

1954. 1974. 1990. 2014 - es ist der vierte Stern für Deutschland.

Ein Titel, der in einem hart geführten Finale erkämpft wurde, mit Mario Götze als einzigem Torschützen. Der Bayern-Profi erzielte in der 113. Minute das 1:0.

"Es ist unglaublich", sagte Manuel Neuer, nach dem Schlusspfiff und nachdem erste Freudentränen getrocknet waren: "Ganz Deutschland ist Weltmeister. Die Mannschaft hat es super gemacht, damit meine ich nicht nur die Spieler, sondern auch das Team drumherum. Wir feiern jetzt mindestens fünf Wochen. Irgendwann werden wir aufhören zu feiern, aber wir werden immer mit einem Grinsen aufwachen." Und Kapitän Philipp Lahm sagte: "Es ist unglaublich, was wir heute wieder geleistet haben. Wie wir geackert haben als Mannschaft."

Doch vor der Freude über den vierten Titel nach 1954, 1974 und 1990 standen 120 Minuten eines packenden, kräftezehrenden und mitunter sehr harten WM-Endspiels. Wer eine ähnlich furiose Vorstellung der deutschen Mannschaft wie beim 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien erwartet hatte, wurde enttäuscht. Der Gegner war diesmal einfach eine Klasse besser als die enttäuschenden Gastgeber. Argentinien ließ die DFB-Elf kaum zur Entfaltung kommen und konterte immer wieder gefährlich. Selten gab es in einem WM-Endspiel so viele Chancen. Auf Tore jedoch mussten die Fans lange warten.

Löw setzt auf bewährte Formation - muss aber Khedira ersetzen

Joachim Löw ließ Philipp Lahm wie schon im Viertel- und Halbfinale wieder rechts verteidigen, Miroslav Klose begann im Sturm. Mats Hummels hatte seine Knieblessur überstanden und gab den Abwehrchef. Und im Mittelfeld sollten Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira wieder das Tempo vorgeben - aber daraus wurde nichts: Eine Viertelstunde vor Anpfiff musste Khedira mit Wadenproblemen passen, für ihn rückte Christoph Kramer auf den letzten Drücker in die Startelf. Der 23-Jährige hatte bei dieser WM bisher zwölf Minuten auf dem Platz gestanden. Leider sollten im Finale nur 30 Minuten dazukommen, doch dazu später mehr.

Den ersten Torschuss der Partie gab Gonzalo Higuaín ab, aber der Stürmer vom SSC Neapel verzog aus spitzem Winkel (4. Minute). Die Chance resultierte aus einem Konter, wie fast alle argentinischen Chancen. Deutschland war von Beginn an in Dauerballbesitz, Argentinien stand tief, die DFB-Elf wurde erst 30 Meter vor dem gegnerischen Tor angegriffen.

Die erste Angriffsoption der Argentinier hieß - wie sollte es anders sein - Lionel Messi. Immer wieder riss der viermalige Weltfußballer mit seinen Sprints Lücken in die deutsche Abwehr, in der neunten Minute ließ er Hummels stehen und passte von der Grundlinie zurück, doch Jérôme Boateng konnte klären.

Kramer spielt zunächst weiter, muss dann aber raus

Khedira-Ersatz Kramer war seine mangelnde Erfahrung nicht anzumerken, mit guter Übersicht ordnete er neben Schweinsteiger das deutsche Spiel - und blieb nach 18 Minuten benommen im gegnerischen Strafraum liegen, nachdem ihm Ezequiel Garay seine Schulter gegen den Kopf gerammt hatte. Kramer konnte nach einer Behandlungspause vorerst weiterspielen, aber der nächste Schreck ließ nicht lange auf sich warten, diesmal war er jedoch spielerischer Natur.

Toni Kroos hatte bei einem Kopfballrückpass Higuaín komplett übersehen und schickte den Argentinier im Alleingang auf Neuer zu. Waren es die Nerven? Der Respekt vor dem so starken deutschen Torhüter? Auf jeden Fall verzog Higuaín von der Strafraumgrenze deutlich und vergab die Riesenchance. Nach einer halben Stunde jubelte Higuaín über das vermeintliche 1:0, doch diesmal hatte er im Abseits gestanden.

Für beide Teams ging es beim 0:0 weiter, nicht aber für Kramer. Noch immer benommen von dem Zusammenprall mit Garay musste er vom Feld geführt werden, ein erster Verdacht lautete auf Gehirnerschütterung. Löw musste umstellen: André Schürrle kam in die Partie und übernahm den linken Flügel von Özil, der ins Zentrum rückte. Dort machte Kroos den Platz frei und übernahm Kramers Position.

Keine Tore in 90 Minuten - Verlängerung bringt die Entscheidung

Die bisher so gefährlichen deutschen Standards hätten auch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte beinahe die Führung gebracht. Doch Benedikt Höwedes' Flugkopfball nach Eckstoß von Kroos landete am Pfosten.

Was immer Alejandro Sabella seinen Spielern in der Halbzeitpause sagte - die Argentinier legten furios los. Erst stand Higuaín knapp im Abseits, dann spitzelte der überragende Boateng Messi den Ball weg; doch im dritten Anlauf kam der Superstar durch, frei vor Neuer kam er zum Schuss, der wenige Zentimeter am Pfosten vorbeistrich (47.). Neuer hätte wohl keine Chance gehabt, zehn Minuten später musste der Torhüter dann vor Higuaín retten. Neuer kam zuerst an den Ball und erwischte den Gegner dann ähnlich heftig am Kopf wie in in der ersten Hälfte Garay Kramer. Doch Higuaín konnte weiterspielen.

Deutschland tat sich trotz eines deutlichen Plus an Ballbesitz weiter sehr schwer, echte Chancen herauszuspielen. In der 81. Minute fand Özil mal die Lücke und legte perfekt für Kroos auf, der aber den Ball nicht richtig traf. Es ging in die Verlängerung.

Argentiniens Keeper Sergio Romero parierte eine gute Chance von Schürrle (93.), der eingewechselte Rodrigo Palacio vergab frei vor Neuer eine noch viel bessere (97.). Viel mehr tat sich nicht, vor allem weil beide Teams am Ende ihrer Kräfte waren. Zur Erschöpfung kam vor allem bei den deutschen Spielern Schmerzen hinzu, die sie sich bei den vielen - und mitunter überharten - Fouls der Argentinier zugezogen hatten. Schweinsteiger musste nach einem ungeahndeten Faustschlag durch Sergio Agüero unterm Auge genäht werden.

Es war wohl kein Zufall, dass zwei Einwechselspieler für das lang ersehnte Tor verantwortlich waren. Schürrle sprintete die linke Außenbahn runter und flankte zu Götze. Der nahm den Ball mit der Brust an und ließ Romero mit seinem Volleyschuss keine Chance - 1:0 in der 113. Minute!

Deutschland stemmte sich in den folgenden Minuten gegen die verzweifelten Angriffe der Argentinier. Im Minutentakt blieb vor allem Schweinsteiger mit Schmerzen am Boden liegen. Schiedsrichter Nicola Rizzoli ließ mehr als zwei Minuten nachspielen, ehe der Italiener endlich abpfiff und die Deutschen jubeln durften.

Deutschland - Argentinien 1:0 (0:0) n.V.
1:0 Götze (113.)
Deutschland: Neuer - Lahm, Boateng, Hummels, Höwedes - Schweinsteiger, Kramer (ab 31. Schürrle) - Müller, Kroos, Özil (ab 120. Mertesacker - Klose (ab 88. Götze)
Argentinien: Romero - Zabaleta, Demichelis, Garay, Rojo - Biglia, Mascherano - Pérez (ab 86. Gago), Messi, Lavezzi (ab 46. Aguero) - Higuaín (ab 78. Palacio)
Schiedsrichter: Nicola Rizzoli (Italien)
Zuschauer: 74.738 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Schweinsteiger, Höwedes - Mascherano, Aguero

luk/tok



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insgesamt 159 Beiträge
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Seite 1
hdoeppert 13.07.2014
1. Hiermit entschuldige ich mich vor Jogi Löw!
Öffentlich! Sorry!
liverflukes 13.07.2014
2. Gott sei dank
ist der Sch*** eindlich vorbei... und jetzt dürfen mich ruhig alle hassen.
doofbacke 13.07.2014
3. dont cry for me Argentinia!
wir sind Weltmeister!
Masterchalk 13.07.2014
4. dafür sind wir auch
nicht mehr Papst ... Trotzdem : Glückwunsch, war ein spannendes Spiel !!
waldisonne 13.07.2014
5. Herzlichen Glückwunsch!
Unglaubliches Kampfspiel. Super gekämpft und auch belohnt. Jetzt können die ganzen Besserwisser der letzten Wochen im Forum schreiben, was ihnen an Löw und sein Team gestört hat.
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