Illustrierte WM-Höhepunkte Große Spiele, große Kunst

Der Biss von Luis Suárez, der Flugkopfball von Robin van Persie, die Dramen in der K.o.-Runde: Die Höhepunkte der WM als Illustrationen.

Von Simon Prades (Illustrationen) und


1. Spieltag: Brasilien - Kroatien 3:1 (12. Juni in São Paulo)

Simón Prades

Auftakt mit bitterem Beigeschmack: Brasilien tat sich gegen Kroatien im Eröffnungsspiel schwer und lag nach einem Eigentor sogar 0:1 zurück. Selbst nach dem 1:1 durch Neymar spielte die Seleção nicht wie ein Favorit. Brasilien brauchte Unterstützung und die kam vom japanischen Schiedsrichter Yuichi Nishimura, in Form eines Elfmeters. Fred ließ sich - kaum berührt von Dejan Lovren - im Strafraum fallen, Neymar verwandelte zum 2:1, am Ende stand ein 3:1-Sieg für Brasilien - und der Beginn einer Schiedsrichterdebatte.

1. Spieltag: Niederlande - Spanien 5:1 (13. Juni in Salvador)

Simón Prades

Freds Schwalbe war eine große Frechheit, nur 24 Stunden später lieferte Robin Van Persie ebenfalls eine Flugeinlage - diesmal war es aber ganz große Kunst. Der Niederländer erzielte mit einem eingesprungenen Kopfball-Lob den 1:1-Ausgleich im Duell mit Spanien. Es war der Auftakt zum Untergang der spanischen Mannschaft, die 1:5 verlor.

1. Spieltag: Argentinien - Bosnien-Herz. 2:1 (16. Juni in Rio de Janeiro)

Simón Prades

Lionel Messi und die argentinische Nationalmannschaft, das passte lange nicht so recht zusammen. Trainer Alejandro Sabella reagierte und bastelte dem Superstar ein Wohlfühl-Umfeld, mit anderen Worten: Er glich das Team, so gut es ging, dem FC Barcelona an, Messis natürlichem Lebensraum. Der dankte es ihm mit vier Toren, unter anderem dem 2:1-Siegtreffer im ersten Spiel gegen Bosnien-Herzegowina.

2. Spieltag: Brasilien - Mexiko 0:0 (17. Juni in Fortaleza)

Simón Prades

Mal ehrlich: Wer kannte vor dieser WM schon Guillermo Ochoa? Der mexikanische Torhüter spielte bisher in Frankreich beim AC Ajaccio, kassierte vergangene Saison 72 Gegentreffer und muss sich einen neuen Verein suchen. Als Bewerbungsvideo sollte der 28-Jährige die 90 Minuten im Spiel gegen Brasilien einschicken: Was auch auf sein Tor kam, Ochoa parierte und hielt ein 0:0 fest.

2. Spieltag: Spanien - Chile 0:2 (18. Juni in Rio de Janeiro)

Simón Prades

Sechs Jahre lang hatte Spaniens Nationalmannschaft die großen Turniere dominiert, auch vor dieser WM galt als sicher: Der Titelverteidiger ist Top-Favorit. Doch schon nach dem zweiten Gruppenspiel gegen Chile (0:2) stand fest, dass die Spanier raus sind.

2. Spieltag: Deutschland - Ghana 2:2 (21. Juni in Fortaleza)

Simón Prades

Er kann's noch: Miroslav Klose gehört in einer Fußball-Welt, die auf falsche Neuner setzt, zu einer vom Aussterben bedrohten Gattung. Doch der 36-jährige Mittelstürmer weiß, wo er Nischen zum Überleben findet - und Nischen, beziehungsweise Lücken, zum Toreschießen. Im zweiten Gruppenspiel gegen Ghana wurde Klose eingewechselt und traf kurz darauf zum 2:2-Endstand. Der 15. WM-Treffer wurde gebührend mit dem typischen Klose-Salto gefeiert.

3. Spieltag: Italien - Uruguay 0:1 (24. Juni in Natal)

Simón Prades

Da saß er im Gras, dieser Luis Suárez, der gleichermaßen Torjäger von Weltklasse und notorischer Fiesling ist, und hielt sich die Schneidezähne. Der Stürmer Uruguays hatte soeben seinen Kiefer in die Schulter seines italienischen Gegenspielers Giorgio Chiellini gerammt. Suárez sprach von einem Malheur, die Welt schüttelte den Kopf, und die Fifa sperrte den Beißer für vier Monate.

Achtelfinale: Niederlande - Mexiko 2:1 (29. Juni in Fortaleza)

Simón Prades

Arjen Robben ist ein Spieler, den man liebt, wenn man Fan vom FC Bayern oder der niederländischen Nationalmannschaft ist. Der 30-Jährige hat in München eine grandiose Saison gespielt und ist inzwischen sogar ein Mann für die wichtigen Tore. Als einigermaßen neutraler Zuschauer aber denkt man sich bei Robben oft: "Was sollte das schon wieder? Hat er das wirklich nötig?" So auch im Achtelfinale gegen Mexiko. Robben war früh in der Partie gefoult worden, bekam aber den fälligen Elfmeter nicht. In der vierten Minute der Verlängerung nutzte Robben den Fuß von Rafael Márquez als Abschussrampe, katapultierte sich in die Luft und bekam den Elfmeter. Klaas-Jan Huntelaar verwandelte zum 2:1, Mexiko war raus, und Robben hatte einige Feinde mehr.

Achtelfinale: Deutschland - Algerien 2:1 n.V. (30. Juni in Porto Alegre)

Simón Prades

Manuel Neuer spielte eine so starke WM, dass er nicht nur alles hielt, was in seine Richtung geflogen kam. Er kümmerte sich auch noch um den Spielaufbau und setzte uralte Fußball-Gesetze außer Kraft. "Wer grätscht, verliert", heißt es eigentlich. Neuer aber grätschte im Achtelfinale gegen Algerien nach einem Sprint Islam Slimani ab - und gewann (2:1 n.V.)! Geboren war "Manu, der Libero".

Achtelfinale: Belgien - USA 2:1 n.V. (1. Juli in Salvador)

Simón Prades

Ebenfalls im Achtelfinale wurde eine der ganz großen noch unbeantworteten Fragen der Menschheitsgeschichte geklärt: Was muss passieren, damit aus den USA eine fußballverrückte Nation wird? Die Antwort: Tim Howard pariert gegen Belgien 16 Schüsse, rettet sein Land bis in die Verlängerung und wird bei Wikipedia kurzzeitig zum Verteidigungsminister gemacht. "Er opferte seinen Körper, um das Team seines Landes zu schützen" drückte es sogar die "New York Times" nicht gerade unpathetisch aus.

Viertelfinale: Brasilien - Kolumbien 2:1 (4. Juli in Fortaleza)

Simón Prades

Das Drama, Teil 1: Im Viertelfinale gegen Kolumbien verlor eine Nation ihren Sohn, O Filho, Neymar Jr. Drei Minuten vor Spielende prallte Juan Zuniga mit seinem Knie gegen Neymars Rücken, der krümmte sich vor Schmerzen am Boden, weinte und musste in einer Trage vom Platz gebracht werden. Diagnose: Bruch eines Lendenwirbels und das Aus für die WM.

Halbfinale: Brasilien - Deutschland 1:7 (8. Juli in Belo Horizonte)

Simón Prades

Das Drama, Teil 2: Es muss schon etwas Gewaltiges geschehen, um den Höhepunkt einer WM vor dem Finale vorwegzunehmen. Ein 7:1 zwischen Deutschland und Gastgeber Brasilien ist so ein Ereignis, dass aller Endspiel-Spannung zum Trotz auf ewig das prägende Spiel dieser WM bleiben wird.

Finale: Deutschland - Argentinien 1:0 n.V. (13. Juli in Rio de Janeiro)

Simón Prades

Helmut Rahn, Gerd Müller, Andreas Brehme, Mario Götze: Für alle Fans der deutschen Nationalmannschaft wäre ein weiteres Schützenfest sicher beruhigender gewesen, als das Zitter-Endspiel gegen Argentinien. Für Mario Götze jedoch hatte der Verlauf auch ein Gutes: Auf ewig wird der Triumph im Maracanã mit seinem Traumtor in der 113. Minute in Verbindung gebracht werden - Flanke Schürrle, Annahme mit der Brust, Volley mit links ins lange Eck und dann der Jubel. Deutschland ist Weltmeister!

Simon Prades, Jahrgang 1985, arbeitet als Illustrator und lebt in Saarbrücken. Er ist diplomierter Grafikdesigner und lehrt an der Universität Trier. Während der WM illustrierte Prades für die Website des US-Politikmagazins "New Republic" jeweils einen Moment des Tages. Hier geht es zu allen Momenten im Blog; hier geht es zur Website des Künstlers (www.simonprades.com).

Simón Prades

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