DFB-Sieg über Italien Ein Länderspiel als Götze-Dienst

Der DFB-Elf gelingt endlich wieder ein Erfolg über Italien, dazu souverän herausgespielt und in der Höhe verdient. Dennoch stand anderes im Vordergrund. Das Länderspiel war vor allem ein Mario-Götze-Aufbauprogramm.

REUTERS

Von und , München


4:1 gegen Italien, der erste Sieg seit 21 Jahren gegen den Angstgegner. Dazu als späte Rache das Ergebnis von Florenz von 2006 exakt umgedreht, als Deutschland, damals trainiert von Jürgen Klinsmann und Joachim Löw, vor der WM im eigenen Lande den Azzurri 1:4 unterlag und damit eine kleine Staatskrise heraufbeschwor. Es hätte also Anlass genug gegeben für ein gewisses Triumphgefühl beim Bundestrainer. Aber Joachim Löw tat an diesem Abend von München alles, um die Euphorie möglichst kleinzuhalten.

"Ich war schon ganz zufrieden, wir haben vieles besser gemacht als zuvor gegen England", bilanzierte Löw so emotional, als sage er gerade die aktuellen Verkehrsnachrichten durch. Tatsächlich zeigte sich seine Elf gegenüber der 2:3-Niederlage gegen die Engländer stark formverbessert, man habe "es geschafft, die Konzentration 90 Minuten lang hochzuhalten und die Disziplin zu wahren". Aber all dies geschah auch gegen einen überraschend schwachen Gegner, der den Deutschen gewaltige Räume auf dem Platz gönnte, auf Pressing weitgehend verzichtete und offenbar unbedingt beweisen wollte, dass Italiener auch mal ungenügend verteidigen können.

Joachim Löw, Mesut Özil: "Schon ganz zufrieden"
DPA

Joachim Löw, Mesut Özil: "Schon ganz zufrieden"

All dies wusste Löw in seiner Analyse der Partie einzuordnen. So wenig er die Niederlage gegen England dramatisierte, so wenig stand ihm der Sinn, den Sieg von München hoch aufzuhängen. "Das Spiel war gut, mehr aber auch nicht", sekundierte ihm Toni Kroos, einer der Stärksten am Dienstag. Dass die deutsche Elf von München nur wenig mit der Mannschaft zu tun hat, die im Juni ihr erstes Turnierspiel absolvieren wird, kommt hinzu. Ohne die EM-Startelf-Kandidaten Manuel Neuer, Jérome Boateng, Sami Khedira, Ilkay Gündogan, Bastian Schweinsteiger und Mario Gomez so souverän aufzuspielen, dürfte der Bundestrainer dennoch mit Befriedigung registriert haben. Aber anderes war wichtiger.

Götze war der Gewinner des Abends

So hatte dieser Testspielabend vor allem eine große Aufgabe zu erfüllen, und die gelang mit Bravour: einem Spieler wieder zu Selbstvertrauen zu verhelfen, dem dies in den vergangenen Monaten gründlich abhandengekommen war. Ein Mario-Götze-Aufbauprogramm.

Mario Götze: "Wie eine Befreiung"
AP

Mario Götze: "Wie eine Befreiung"

Der 23-Jährige war so etwas wie der Gewinner des Abends. Den Treffer zum 2:0 erzielte er selbst, dazu auch noch mit dem Kopf, einem Körperteil, das Götze sonst eher wenig zum Toreschießen nutzt. Auch sonst zeigte er eine ordentliche Leistung, war eifrig und agil und durfte diesmal sogar 61 Minuten bis zu seiner Auswechslung durchspielen - das sind immerhin sieben Minuten mehr, als ihm der Bayern-Trainer Josep Guardiola in diesem Jahr in der Liga bisher an Spielpraxis zugestanden hat.

"Dieses Gefühl habe ich lange vermisst", sagte Götze und gestattete ungewohnt offen für seine Verhältnisse Einblicke in sein Innenleben. "Nach so einer langen Zeit wieder zu spielen, ist für mich wie eine Befreiung." Jeder Spieler brauche Vertrauen, und der Bundestrainer habe ihm dies geschenkt, fügte er noch an. Man kann, man muss das wahrscheinlich sogar als Seitenhieb auf Guardiola verstehen.

Fotostrecke

12  Bilder
Testsieg gegen Italien: Das Wunderkind jubelt wieder
Scholl kann sich Stichelei nicht verkneifen

Seitenhiebe kamen allerdings auch noch aus einer anderen Richtung. ARD-Experte und Bayern-Intimus Mehmet Scholl konnte es sich nicht verkneifen, zu sticheln, Götze müsse bei den Bayern auch "mehr trainieren". Eine Äußerung, die in der Mannschaft anschließend gar nicht gut ankam. "Mario muss mehr spielen, nicht mehr trainieren", versuchte Toni Kroos zu korrigieren. Schließlich kenne er "kaum jemanden, der mehr trainiert als der Mario".

Und Thomas Müller, der vor heimischer Kulisse erstmals als DFB-Kapitän auflaufen durfte, versuchte sich denn auch gleich väterlich in der Rolle des Mannschaftsführers: "Mario hat in den vergangenen Wochen genug zu lesen und zu hören bekommen." Allerdings sei Götze "ein positiver Mensch, der lässt sich nicht unterkriegen, und nur das zählt".

Für Löw zählt allerdings auch die Leistung seiner Offensivkraft. Er weiß, dass er bei der EM einen selbstbewussten, an sich glaubenden Götze braucht. Und baut ihn daher jetzt schon Richtung Europameisterschaft auf: "Mario hat sich diesen Einsatz redlich verdient und erarbeitet", er habe, auch das ein kleiner Querverweise in Richtung Mehmet Scholl, "im Training sogar Zusatzschichten hingelegt". Jetzt gehe es darum, "Selbstvertrauen aufzubauen in den kommenden Wochen".

Und wie das gehen soll, das sagt Götze selbst: "Ich muss meinen Rhythmus finden, und das kann ich nur, wenn ich spiele." Die Appelle gehen an Guardiola.

Die Einzelkritik der deutschen Kicker:

Die Einzelkritik der Italiener:

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 91 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
citi2010 30.03.2016
1. Kevin Trapp
Es sieht so aus, als ob Kevin Trapp die ideale #2 hinter Neuer wäre. An Ter Stegen nagt seine Halbtagstätigkeit bei Barca. Leno hat auch immer wieder Klapse drin.
pb-sonntag 30.03.2016
2. Es sieht so aus ...
... als bekäme Götze in der Löw-11 sein Gnadenbrot und bedankt sich höflich, denn bei den Bayern scheint seine Zeit abgelaufen. Und, wie sieht die Zukunft des ehemaligen Weltmeisters aus? Bankdrücken bei den Bayern, zurück zum BVB, oder doch zu Klopp auf die Insel? Wirkliches Interesse hat wohl nur Löw.
viceman 30.03.2016
3. was für ein hype
um den kleinen dicken? es ist schon erstaunlich, mit welchem aufwand -oder ist es sauregurkenzeit - hier der typ großgeschrieben wird. besser ist klop holt ihn auf die insel, das gejammer im tv ist ja kaum auszuhalten...
Bueckstueck 30.03.2016
4. Oh, schau her, verkapptes Guardiola Bashing
Nein, Kroos weiss nicht wieviel Götze bei den Bayern tatsächlich trainiert. Da ist Scholl schon näher dran. Und recht hat er ja auch, wenns bei Götze nicht für 90 Minuten reicht - die Fitness dafür holt man sich im Training. Götze spielt bei seinem Brötchengeber nicht, weil er seinem Trainer keinen Anlass gibt ihn spielen zu lassen. Auch hat Scholl völlig recht wenn er sagt, dass Seelenmassage für Götze zu diesem Zeitpunkt für Guardiola keine Bedeutung mehr hat. Er will die Champions League gewinnen und ist am Ende der Saison weg - wieso soll er sich da noch mit einem begnadeten Talent und Sensibelchen beschäftigen, dem er in den drei Jahren wahrlich genug Gelegenheit zum Durchbruch gegeben hat!? Man erinnere sich an die Journallie, die immer wieder fragte weshalb Guardiola diesen Götze überhaupt spielen lässt... Ich wünsche dem Mario das es bei ihm endlich mal Klick macht und er drauf pfeiffen kann ob sein Trainer ihn hegt und pflegt oder nicht - dann steht ihm der Weg nach ganz oben weit offen. Passiert das nicht, wird er in seiner Leistungsfähigkeit immer vom Wohlwollen anderer abhängig sein und höchstwahrscheinlich als ewiges Talent ohne den grossen persönlichen Durchbruch seine Karriere dereinst mal beenden.
thomasmann 30.03.2016
5. Toll!
Gegen die zweite Mannschaft Italiens gewonnen, und kaum wechseln die am Ende einen echten Stürmerein, schon schepperts wieder. Wie es aussieht wenn der Gegner gleich zwei gute Stürmer hat, haben wir ja vor drei Tagen gesehen. Auch ob das mit den vier Torenn noch genauso gut klappt, wenn die ihre erste Dwefensive auf dem Platz haben... Zumindest eines sollte Löw gesehen haben: Das mit dem Fussball Spielen das klappt halt einfach doch besser wenn man einen Goetze statt eines Gomez aufstellt
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.