Deutschland gegen Frankreich Ein Länderspielklassiker - und 10.000 Plätze bleiben frei

Das Jahr der deutschen Nationalmannschaft war sportlich ein Erfolg, gegen Frankreich meldete sich sogar Mario Götze zurück. Alles gut beim DFB? Nicht, wenn es um Zuschauerzahlen geht.

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Das Götze-Protokoll: Es lief die 65. Minute. Bundestrainer Joachim Löw hatte gerade gewechselt, Mario Götze kam ins Spiel. Für den WM-Siegtorschützen von 2014 war der Einsatz das Comeback beim DFB nach fast einem Jahr Pause. Seine Einwechslung sollte sich lohnen. In der dritten Minute der Nachspielzeit ließ der BVB-Profi den Ball zu Lars Stindl prallen und der schoss den Ausgleich im Testspiel gegen Frankreich.

Das Ergebnis: 2:2 (0:1). Damit bleibt die deutsche Mannschaft im Jahr 2017 unbesiegt (zwölf Siege, drei Remis).

Erkenntnis? Trainer Löw rief vor der Partie eine Art "Fehlerkultur" aus, nach dem Motto: Es ist alles erlaubt, man würde aus jedem Fehler lernen, das sagt eigentlich auch schon alles über die sportliche Relevanz dieses Länderspiels. Was deswegen interessanter für die Verantwortlichen beim DFB sein könnte, ist ein Blick auf die Zuschauerzahlen.

Kein Zuschauermagnet: Ein Länderspielklassiker zum Jahresabschluss, in einer fußballbegeisterten Stadt wie Köln? Das sollte doch für ein ausverkauftes Stadion reichen, oder? Nicht in diesem Fall. Das Problem mag der sportliche Wert eines solchen Duells sein - und der Preis dafür: 25 bis 100 Euro pro Ticket sollte der Spaß kosten. Zu viel, fanden viele Fans, knapp 10.000 Plätze blieben gegen Frankreich frei. Damit waren von Deutschlands 15 Länderspielen im Jahr 2017 nur vier ausverkauft und nur eins davon fand vor heimischer Kulisse statt (WM-Qualifikation: Deutschland vs. Norwegen in Stuttgart).

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DFB-Elf in der Einzelkritik: Stindl, der Serienretter

Die erste Hälfte: Für Zuschauer aus Köln dürfte sich der DFB-Auftritt wie ein Heimspiel des FC, Tabellenletzter der Bundesliga, angefühlt haben. Das Spiel bestimmten die Gäste. Mehr Torschüsse, höheres Tempo und oft wurde es gefährlich, wenn einer aus dem französischen "Teufelsdreier" (Mbappé, Martial, Lacazette) an den Ball kam. Über Lacazette (Torschütze) und Martial (Vorlagengeber) fiel dann auch die französische Führung in der 34. Minute.

Frankreichs Treffer: War sehenswert! Auf der rechten Seite hatte Blaise Matuidi Platz für einen Diagonalpass an den deutschen Strafraum, Lucas Digne passte diesen per Direktabnahme weiter in die Mitte zu Martial, der umkurvte Niklas Süle und schob rüber zu Lacazette - drin. Das war definitiv ein paar Euro des hohen Eintrittsgelds wert.

Erster Höhepunkt der zweiten Hälfte: Timo Werner gilt als einer der schnellsten deutschen Stürmer überhaupt. Gegen Frankreich durfte er diese Qualität in der 56. Minute unter Beweis stellen. Mesut Özil hatte den Angreifer von RB Leipzig per Steilpass in Richtung Strafraum geschickt, Werner lief - wie gewohnt sehr schnell -, kam an den Ball und tunnelte Torwart Steve Mandanda - Ausgleich. Der Treffer war die Belohnung für eine deutsche Mannschaft, die das Risiko in der zweiten Hälfte (ein bisschen) erhöhte.

Das muss kesseln: Confed-Cup-Sieger, kein Länderspiel 2017 verloren: Für Bundestrainer Joachim Löw war das Jahr vor der WM in Russland ein erfolgreiches. Auch für Werner, der sich als einer der Gewinner des DFB-Jahres fühlen darf. Zehn Länderspiele absolvierte er und schoss sieben Treffer - das sind starke Zahlen für den 21-Jährigen, bei dem man noch nicht so richtig weiß: Ist er noch der ungeliebte RB-Profi, der vielen wegen einer Schwalbe gegen Schalke 04 in schlechter Erinnerung blieb - oder doch der kommende Publikumsliebling? Ganz sicher ist er ein Top-Kandidat auf die WM-Nominierung.

Timo Werner
Getty Images

Timo Werner

Der weitere Verlauf der zweiten Hälfte: Wenige Minuten nach einem Freistoß-Lattentreffer von Toni Kroos schockierte Lacazette die DFB-Elf erneut (71. Minute). Es gab Buhrufe, vier Minuten später pfiffen die Zuschauer in Köln wieder. Diesmal, weil Antoine Griezmann eingewechselt wurde - der Deutschland bei der EM 2016 aus dem Turnier geschossen hatte. Den Schlusspunkt setzten Götze und Stindl. Da machten sich sogar kurz die davor so leise gebliebenen Zuschauer mit Gesängen bemerkbar.

Deutschland - Frankreich 2:2 (0:1)
0:1 Lacazette (34.)
1:1 Werner (56.)
1:2 Lacazette (71.)
2:2 Stindl (90.+3)
Deutschland: Trapp - Can (83. Stindl), Hummels (46. Rüdiger), Süle, Plattenhardt - Khedira (75. Rudy), Kroos - Draxler, Gündogan (65. Götze), Özil - Werner (85. Wagner)
Frankreich: Mandanda - Jallet (64. Pavard), Varane (82. Kurzawa), Umtiti, Digne - Rabiot - Tolisso , Matuidi (64. N'Zonzi) - Mbappé , Martial - Lacazette (75. Griezmann)
Schiedsrichter: Cakir (Türkei)
Gelbe Karten: Wagner / -
Zuschauer: 36.980

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tombadil1 15.11.2017
1.
Ich sehe einfach nicht, wieso ich Geld dafür ausgeben sollte Fußball im Stadion zu sehen. Da ist es saukalt, es hat geregnet, das Essen ist schlecht und teuer.. daheim habe ich es warm, muss nach dem Spiel nicht erst noch heim fahren und sehe und erkenne auf meinem großen Fernseher dank x Wiederholungen und Aufbereitungen auch noch deutlich mehr, als von weit oben auf der Tribüne. Abgesehen davon ist mir, und das sage ich Fußball Fan, der Profifußball inzwischen zu abgehoben. Siehe championsleague ab nächster Saison. Ich habe im Free tv alle Spiele gesehen, die überragen wurden. Verschwindet der Fußball aus dem free tv, verschwindet er für mich komplett vom Fernseher. Das sehen übrigens fast alle meiner Freunde genau so. Bin mal gespannt, wie das mit dem Fußball in Deutschland so weitergeht..
steffen.ganzmann 15.11.2017
2. Nungut!
Wer geht bei dieser Schei**kälte für teuer Geld zu einem nur marginal besseren Trainingsspiel? Okay, ich gebe auch zu, Zeit meines Lebens machte ich mir noch nie gross etwas aus Fussball, ich spielte das allen Ernstes kein einziges Mal in meinem Leben, nicht einmal als Kind! Meine Familie war immer dem Handball zugetan, nur ein Onkel von mir war einige Zeit Profifussballer beim Frankfurter FC, was seinem Ruf in der Familie eher schadete - er galt immer als das schwarze Schaf unter seinen Akademikerbrüdern ...
alt-nassauer 15.11.2017
3. Mich wundert es nicht...
Mich wundert es nicht, das weniger Zuschauer dort waren... Gut einiges spricht auch gegen einen Dienstagabend im November. Es war ja auch nur ein Freundschaftsspiel! Aber Grundsätzlich gibt es wohl Verwerfungen. Es könnte zum einen daran liegen, das "Rechtes" Publikum fern bleibt oder fern gehalten wird oder Publikum das eben auf solche Auswüchse keine Lust mehr hat. Weil eben der DFB zu Nachlässig war. Andererseits könnte es auch so wie bei mir sein, das man einfach keine Lust mehr auf das Ganze hat. Nur noch große Kohle und nichts was einem an dem Sport noch wirklich erfreut. Ich bin seit 2012 mit der EM Polen/Ukraine zum Letzten mal begeistert vor dem TV sitzen geblieben. Die WM 2014 und EM 2016 habe ich mir gar nicht mehr angetan. Seit der DFB auch die Rechte an RTL vergeben hat bin ich ganz raus. Vielleicht bin ich einer der wenigen der "Virtuell" und "Medial" ausgestiegen ist. Kann aber auch sein das es mehr ehemalige Fan´s gibt, die auch nicht mehr ins Stadion gehen. Ich mache mir doch ein wenig Hoffnung, das der DFB, Fußball und de Sport Generell die Brocken um die Ohren fliegen... "Man spielt und keiner sieht mehr zu!" - Ich würde es mir so sehr wünschen...
fthies 15.11.2017
4. Es ging um nichts...
Bleiben wir auf dem Teppich bitte. Es ging um nichts was man sich nicht auch entspannt vor dem Fernseher ansehen könnte. Einmal mehr viel Rauch von der Presse um nichts!
gibmichdiekirsche 15.11.2017
5. Bitte nicht anstellen
Man stelle sich wegen der Zuschauer mal bitte nicht an, denn... 1. Es gibt erwärmenderes als ein Testspiel der deutschen NM an einem nasskalten Dienstagabend zu sehen, von dem Löw auch noch vorab sagt, das Ergebnis sei zweitrangig. 2. Die DFB-Preise sind allzu gesalzen. 3. Jeder Vereinsfan weiss, dass bei DFB-Spielen selten Stimmung aufkommt, denn mehr als "O, wie ist das schön" und "So ein Tag..." sowie Buhrufe und Pfiffe haben die meisten Besucher dieser Spiele nicht im Repertoire. Das ist überall das Gleiche, auch in "Fußballstädten" wie Köln. Dass Zuschauer in Köln ab und zu mal gepfiffen haben, kann ich übrigens teilweise sogar verstehen. Das bezog sich situationsbezogen darauf, dass "Die Mannschaft" in manchen Phasen gegen Ende der 1. HZ fast bewegungslosen Standfußball darbot. Mehmet Scholl hätte dazu vermutlich etwas von "Wundliegen" gesagt. Den meisten Vereinsfans würde in solchen Situationen sicher etwas anderes einfallen, um ihr Team anzufeuern. 4. Dass viele Fans ihrer Vereinsmannschaften auf den Veranstalter DFB aus diversen fußballpolitischen Gründen nicht eben gut zu sprechen sind, kommt hinzu. Außerdem gibt es viele Fans auch außerhalb der Ultraszenen, die mit dem windelweichen und zugleich auf Hochglanz polierten Image, das der DFB "Der Mannschaft" verordnet hat, wenig bis nix anfangen können.
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