DFB-Niederlage gegen Frankreich Wer nur soll ein Tor schießen?

Mit einer ordentlichen Leistung gegen den Weltmeister hat sich Joachim Löw erst einmal eine Atempause verschafft. Dass eine knappe Niederlage schon als Erfolg gilt, zeigt allerdings den Kursverfall des Teams.

Aus Paris berichtet


Es gibt bei der Nationalmannschaft einen Lieblingssatz. Am Dienstagabend nach der 1:2-Niederlage von Paris führte ihn fast jeder im Mund, Trainer, Spieler, sogar der DFB-Präsident. Es ist der Satz: "Wir haben uns nicht belohnt."

Der Satz wabert im Grunde schon durch das gesamte DFB-Länderspieljahr und soll ungefähr so viel besagen: Wir spielen gut, wir haben Chancen, aber am Ende verlieren wir dann doch. Mit diesem Satz hat sich die Mannschaft schon so manche Niederlage in diesem verflixten Länderspieljahr schöngeredet, gegen die Franzosen hatte er dagegen ausnahmsweise mal seine Berechtigung.

Der Bundestrainer hatte nach der Partie, "viele gute Gründe, ermutigt zu sein". Und einer der Gründe dürfte aus seiner persönlichen Sicht sein, dass nach einer so knappen Niederlage beim Weltmeister nicht mehr so intensiv über seinen Job diskutiert wird wie vor dem Spiel. Einige Medien hatten sogar schon von Löws Endspiel geschrieben. Das wäre aber wohl nur denkbar gewesen, wenn sich die DFB-Auswahl eine fürchterliche Klatsche eingehandelt hätte.

Die Jungspund-Fraktion nutzte ihre Chance

Das wurde es nicht - auch weil Löw ganz gegen seine Gewohnheiten die Mannschaft auf zahlreichen Positionen gegenüber dem desaströsen Niederlande-Spiel vom Samstag verändert hatte. Fünf Wechsel in der Startelf, und das in einem zumindest relativ relevanten Pflichtspiel - so eine Maßnahme hätte man Löw fast nicht mehr zugetraut.

Endlich, so muss man es ja formulieren, bekam City-Angreifer Leroy Sané seine Startelfchance. Auch Serge Gnabry und Thilo Kehrer, zwei weitere Vertreter der Jungspund-Fraktion, durften von Beginn an spielen - und alle drei Personalien zahlten sich zunächst aus.

Die erste Halbzeit gehörte zumindest zum Besten, das man seit Langem von diesem Team gesehen hatte. "Die Mannschaft hat ihr Herz in die Hand genommen", sagte Löw. Schnelle Konter, eine stabile Deckungsformation und sichere Kombinationen aus dem Mittelfeld heraus - das gab es eine gefühlte Ewigkeit nicht. Ein Problem blieb allerdings nach wie vor ungelöst: Wer soll in dieser Mannschaft ein Tor schießen?

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DFB-Niederlage gegen Frankreich: Mutig gespielt, erneut verloren

Timo Werner und Leroy Sané sind keine Torjäger, das wurde an dem Abend von Paris überdeutlich. Die Konter wurden schlampig abgeschlossen, im Strafraum war die Herrlichkeit meistens vorbei. So musste schon ein umstrittener Elfmeter zur Führung herhalten. Toni Kroos zitterte ihn zur Führung ins Tor.

Neun Tore hat die Mannschaft in elf Spielen in diesem Jahr erzielt, in den sechs Pflichtspielen des Jahres blieb das Team viermal ohne Treffer. Wenn das nur im Ansatz so weitergeht, wird der Satz: "Wir haben uns nicht belohnt" noch in das DFB-Vereinslogo eingewebt.

Von liebgewonnenen Gewohnheiten getrennt

Eine Niederlage gegen die Franzosen wird jetzt schon als Erfolg angesehen. Das kann man als Indiz werten, wie sehr der Aktienkurs der Nationalmannschaft vom Weltmeister bis zum möglichen Nations-League-Absteiger innerhalb von vier Monaten gefallen ist. Andererseits war dieser Abend nach dem Auftritt von Amsterdam zumindest ein sportlicher Fortschritt.

Ein Fortschritt, den Löw zudem dadurch erreichte, dass er über seinen Schatten gesprungen ist. Thomas Müller und Jonas Hector ließ er draußen, zwei bewährte Stammkräfte, die aber nur noch wenig zum Erfolg dieser Mannschaft beitragen. Löw fällt es bekanntermaßen schwer, sich von den Getreuen im Team zu trennen. Jetzt ging es jedoch auch um seinen Job. Da muss er auch von liebgewordenen Gewohnheiten lassen.

"Wir waren keinesfalls schlechter als die Franzosen", sagte Gnabry nach dem Spiel, und aus Sicht von Kapitän Manuel Neuer habe die Elf das Spiel gar "im Griff gehabt". Das mag für die erste Halbzeit gelten. In der zweiten Hälfte sah man allerdings auch, was dieser Mannschaft fehlt. Als die Équipe Tricolore den Druck erhöhte, wurde das DFB-Team zaghaft, ängstlicher und ängstlicher, es ging nur noch darum, möglichst Tore zu verhindern. Und der Status dieser Mannschaft ist derzeit so, dass dies dann auch nicht gelingt. Antoine Griezmann drehte die Partie mit seinen Toren - dass der Siegtreffer ebenfalls durch einen Elfmeter fiel, den nicht jeder Schiedsrichter pfeift, schloss den Kreis dieses Spiels.

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DFB-Team in der Einzelkritik: Zwischen Bewunderung und Verzweiflung

Löw hat jetzt vier Wochen Zeit bis zum letzten Länderspielzyklus des Jahres. Das schlechteste DFB-Jahr seiner Geschichte ist es mit sechs Niederlagen jetzt bereits. Die Diskussionen um den Kurs dieser Mannschaft, um den Trainer und das richtige Personal sind seit Dienstag etwas abgeebbt. Beendet sind sie noch lange nicht.

Frankreich - Deutschland 2:1 (0:1)
0:1 Kroos (14./Handelfmeter)
1:1 Griezmann (62.) 2:1 Griezmann
(80./Foulelfmeter)
Frankreich: Lloris - Pavard, Varane, Kimpembe, Hernandez - Pogba, Kanté (90.+4 N'Zonzi) - Mbappé (86. Dembelé), Griezmann (90.+1 Ndombelé), Matuidi - Giroud
Deutschland
: Neuer - Kehrer, Süle, Hummels - Ginter (84. Brandt), Kimmich, Schulz - Kroos - Gnabry (88. Müller), Werner, Sané (75. Draxler)
Schiedsrichter: Milorad Mazic (Serbien)
Gelbe Karten: - / Ginter
Zuschauer: 75.000



insgesamt 88 Beiträge
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Papazaca 17.10.2018
1. Provokante und richtige Überschrift. ABER ...
sie greift zu kurz. Ja, es gibt ein Problem, es fehlt ein Knipser im deutschen Team. Aber hier hatten wir es mit einem nicht eingespielten Team zu tun. Wie sollen Spieler 100% harmonieren, die so selten oder noch nie zusammengespielt haben? Wenn Löw so weitermacht (Jahre zu spät), wird sich auch das Torproblem lösen lassen. Das war das beste Spiel einer deutschen Mannschaft in 2018. Aber durch diesen viel zu späte Neuanfang lassen sich nicht alle Probleme in einem Spiel lösen, besonders nicht gegen einen Weltmeister Frankreich. Das Spiel gestern war der lang erwartete Umbruch. Löw muß jetzt konsequent weitermachen, dann wird sich auch das Problem der fehlenden Tore lösen lassen. Wenn Löw aber wieder in seinen "Thomas Müller-Modus" zurückfallen sollte, muß er entlassen werden. Er hatte inzwischen genug Chancen, in jedem normalen Unternehmen wäre er schon lange entlassen worden.
Ralf1234 17.10.2018
2.
Mein Eindruck war, dass dei Franzosen in der ersen Hälfte mit angezogener Handbremse gespielt haben. Nach der Pause haben sie ernst gemacht und vorbei war es mit der deutschen Herrlichkeit. Schlimmer als gegen Holland war ja auch kaum möglich.
retterdernation 17.10.2018
3. Die Franzosen ...
sind halt Sportsleute :-))) - schon beim Gruppenfoto vor dem Spiel war klar, also als die Mannschaften sich gemeinsam durchmischt, ablichten ließen - das man heute zwar gewinnen will, das aber moderat. So sah dann auch die 1.Halbzeit aus, als man die für sich ungewohnte, deutsche Formation ins Spiel kommen ließ. Das sah dann auch überraschend fein aus, was unsere verjüngte Mannschaft zeigte. In der 2. Halbzeit zogen die Franzosen das Tempo an. Immer schwerer taten sich die Deutschen da mitzuhalten. Zwangsläufig gab es dann die Gegentore. Und ja - richtige Stürmer fehlen dem Team. Wie wäre es denn mit den beiden Silver-Boys - Petersen und Selke.
CancunMM 17.10.2018
4.
Komischerweise fand ich die 2. Hz gegen die Niederlande gar nicht so schlecht. Man hat nur 2 haarsträubende Fehler (Draxler) gemacht, die zu Toren führten, wieder mal die falsche Taktik gewählt und seine Chancen nicht genutzt. Obwohl die Niederlande bei dieser Harakiritaktik Deutschlands dutzende Konterchancen hatte, haben sie relativ wenig daraus gemacht, wenn man bei 2 Toren von wenig sprechen kann, aber eine stärkere Mannschaft hätte vorher schon den Sack zugemacht. Und gestern war die die 2. Hz nicht viel besser als die Spiele davor. Frankreich reagierte in der 2. Hz und stand in der Abwehr etwas breiter und schon war es vorbei mit der Gefährlichkeit Und warum wurde Schulz so gelobt ? Wie schon bei Hertha früher verspringen ihm Bälle und das Passspiel ist schlecht. Plattenhardt wäre viel besser. Insbesondere bei dem offenviven Mittelfeld. Der kann wenigstens gefährliche Flanken schlagen. Bloß nicht wieder Hector.
eurusiii 17.10.2018
5. Klar verbessert
... zeigte sich die NM. Punkt. Schade, dass kein Elfmeterpfiff ertönte , als Giroud Hummels Handgelenk fest umgriff und fast zu Boden zog! Es war ein gutes Spiel von beiden Seiten. Ich denke gegen die Niederlande wird es eine Revanche geben. Die Jungs sind auf dem richtigen Weg.
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