DFB-Pleite in der Schweiz: Vier verliert
Die Niederlage gegen die Schweiz war deutlich, kaum ein Deutscher auf dem Platz präsentierte sich in EM-Verfassung. Bundestrainer Joachim Löw muss nun vier Spieler auswählen, die zum Turnier nicht mit dürfen. Wer bei der Pleite genau zugesehen hat, kann die Namen ahnen.
Twitter ist das Paradies für Spötter. Besonders wenn eine deutsche Nationalmannschaft fünf Treffer kassiert - und dann auch noch gegen die Schweiz, gegen die der DFB zuvor 56 Jahre lang überhaupt nicht verloren hatte. Direkt nach dem Abpfiff der 3:5-Pleite von Basel am Samstagabend twitterte der Erste ironisch: "Eilmeldung: Löw nominiert 26 Spieler nach." Dann wandte sich die Kurznachrichten-Gemeinde allerdings geschlossen dem Eurovision Song Contest zu und ließ den Bundestrainer und seine an diesem Abend gedemütigte B-Mannschaft in Ruhe.
Diese Ruhe wird Löw nun auch brauchen, um die Entscheidung zu fällen, welche vier Spieler er am Dienstag nach Hause schicken muss. Basel hat ihn in dieser Frage nicht weitergebracht. Im Gegenteil: Das Testspiel hat ihm sogar noch neue Probleme beschert. Die Situation in der Innenverteidigung ist prekärer, als dies alle zuvor angenommen haben. Und auch auf den Außen in der Abwehr hat sich niemand aufgedrängt: Marcel Schmelzer auf links nicht, Benedikt Höwedes auf rechts noch viel weniger.
Um ihre Plätze im endgültigen 23er-Kader müssen allerdings weder der Schalker noch der Dortmunder Abwehrspieler bangen. Anders sieht es mit Schmelzers Teamkollegen Sven Bender und Ilkay Gündogan aus. Gündogan konnte sich am Samstag eine volle Halbzeit im defensiven Mittelfeld beweisen. Dass er sich aufgedrängt hätte, wäre eine sehr kühne Behauptung. Der 21-Jährige wollte zwar, aber in dieser deutschen Mannschaft konnte an diesem Abend außer Marco Reus niemand so recht überzeugen.
Selbst der Routinier Cacau spürt die Drucksituation
Bender hatte wie sein Zwillingsbruder Lars nur zwölf Minuten zum Vorspielen. Bei den Benders sind zwölf Minuten gerade lang genug, um die zwei auseinander zu halten. Bleibende Eindrücke konnten beide nicht hinterlassen. Wie auch?
Wenn es im Training um die Wackelkandidaten ging, war Cacaus Name auch nie besonders fern. Löws Mann für die letzten Minuten war gegen die Schweiz wieder in seiner Lieblingsrolle als Joker unterwegs. Wie die Benders wurde auch er nach 78 Minuten eingewechselt. Im Normalfall ist der Stuttgarter dann sofort hellwach und sorgt für Torgefahr. Basel war jedoch kein Normalfall. Auch Cacau merkte man die Drucksituation an: Er spielte ein, zwei Pässe ins Leere, wurde bei den wenigen verbliebenen Angriffszügen auch mal übersehen - es war kein guter Auftritt.
Ein Streichergebnis werden in jedem Fall die Torhüter liefern. Als Löw gegen die Schweizer überraschend den Mönchengladbacher Debütanten Marc-André ter Stegen von Anfang an aufbot, wurde dies zunächst als klares Signal für den ehrgeizigen Nachwuchskeeper verstanden. Nach dem Spiel und den teilweise unglücklichen fünf Gegentoren sind die Konkurrenten Tim Wiese und Ron-Robert Zieler aber wieder mit im Rennen.
"Der Junge ist jetzt natürlich geknickt, aber wir werden ihn wieder aufbauen", versuchte sich der Bundestrainer nach der Partie als Mutmacher für den Gladbacher. Löws Satz: "Seine Zeit wird kommen", spricht aber eher dagegen, dass Löw den 20-Jährigen schon jetzt nach Polen und in die Ukraine mitnimmt.
Löw ist keiner, der Überraschungen liebt
Der Bundestrainer ist niemand für die ganz große Überraschung. Das widerspricht seiner Art, die auf nachhaltige Planung setzt, auf das Reifen einer fußballerischen Idee, auf die langfristige Arbeit mit einer eingespielten Crew. Deswegen sollte auch niemand von dem kommenden Dienstag Unerwartetes erhoffen.
Das Standing des jungen Schalkers Julian Draxler, der in Basel seine ersten 28 Länderspiel-Minuten erlebte, ist in den Wochen der Vorbereitung zwar gewachsen. Dennoch: Löw wird dafür niemanden von denen opfern, auf die er seit längerem setzt. Auf den Leverkusener André Schürrle zum Beispiel. Der 21-Jährige hat zwar eine äußerst mäßige Saison bei Bayer gespielt, aber so etwas interessiert den Bundestrainer sowieso nicht.
Stattdessen kann Schürrle auf das verweisen, was Löw am meisten beeindruckt. In der Nationalelf ist er fast immer da, und wenn er mal schwächer spielt wie gegen die Schweiz, trifft er trotzdem. Sein Tor in Basel war Schürrles sechster Treffer im 13. Länderspiel.
Löw sagt: "Dieses Testspiel war kein individuelles Schaulaufen." Aber Erkenntnisse bringt selbst solch ein Spiel. Wenn man tippen sollte nach den Eindrücken von Basel, ungeschützt und ohne Vorbehalt: Das Aus trifft ter Stegen, Draxler, Sven Bender und Gündogan.
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- Sonntag, 27.05.2012 – 12:37 Uhr
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| Europameister seit 1960 | |
| Jahr | Nation |
| 2012 | Spanien |
| 2008 | Spanien |
| 2004 | Griechenland |
| 2000 | Frankreich |
| 1996 | Deutschland |
| 1992 | Dänemark |
| 1988 | Niederlande |
| 1984 | Frankreich |
| 1980 | BR Deutschland |
| 1976 | Tschechoslowakei |
| 1972 | BR Deutschland |
| 1968 | Italien |
| 1964 | Spanien |
| 1960 | Sowjetunion |
| Deutsche EM-Rekordspieler | ||
| Name | Jahre | Spiele |
| Thomas Häßler | 1992-2000 | 13 |
| Jürgen Klinsmann | 1988-1996 | 13 |
| Andreas Brehme | 1984-1992 | 12 |
| Michael Ballack | 2000-2008 | 11 |
| Lothar Matthäus | 1980-2000 | 11 |
| Jürgen Kohler | 1988-1996 | 10 |
| Matthias Sammer | 1992-1996 | 10 |
| Thomas Helmer | 1992-1996 | 9 |
| Philipp Lahm | 2004-2008 | 9 |
| Guido Buchwald | 1984-1992 | 8 |
| Torsten Frings | 2004-2008 | 8 |
| Miroslav Klose | 2004-2008 | 8 |
| Andreas Möller | 1992-1996 | 8 |
| Stefan Reuter | 1992-1996 | 8 |
| Bastian Schweinsteiger | 2004-2008 | 8 |
| Rudi Völler | 1984-1992 | 8 |
| Christian Ziege | 1996-2004 | 8 |
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