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Niederlage gegen England: Noch ist Zeit

Von und , Berlin

DPA

Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat das Prestigeduell gegen England verloren und dabei zahlreiche Mängel offenbart. Der Bundestrainer weiß jetzt, woran er bis zur EM noch zu arbeiten hat.

Zumindest die Stadionregie bewies an diesem Abend das richtige Gespür. Nach der Partie, als die Zuschauer nach der 2:3 (1:0)-Niederlage des DFB-Teams gegen England das Berliner Olympiastadion verließen, ertönte als Abschiedsmusik: "Always Look on the Bright Side of Life".

Das passt nicht nur gut zu Ostern, wie jeder weiß, der den Film "Das Leben des Brian" gesehen hat. Sondern es lenkt auch den Blick darauf, dass der Bundestrainer Joachim Löw und sein Team noch fast drei Monate Zeit zur Verfügung haben, all die Defizite abzustellen, die sich an diesem Abend in Berlin offenbarten. Und das ist wohl der positivste Aspekt, den man aus diesem Spiel ziehen konnte.

"Wir haben nicht ganz unverdient verloren", bilanzierte Löw zunächst noch sehr diplomatisch, bevor er dann in die Vollen ging: Sein Team habe "viele Möglichkeiten zugelassen, selbst dagegen haben wir wenige Chancen herausgearbeitet", die "Kombinationen und Laufwege haben nicht gestimmt, wir haben in der Vorwärtsbewegung Bälle verloren", und dem Gegner "wurden wahnsinnig viele Räume angeboten", arbeitete Löw die Mängelliste ab.

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DFB-Pleite gegen England: Schock in der Nachspielzeit
Juventus-Profi Sami Khedira erkannte "riesige Löcher bei uns im Mittelfeld", und Offensivkollege Thomas Müller stellte fest: "Wir waren nicht eingespielt genug, der eine hat Hü, der andere Hot gesagt." Und überhaupt habe man "nicht aggressiv genug gespielt, wir waren viel zu langsam".

Angesichts einer solchen Anhäufung von Selbstkritik könnte man fast vergessen, dass die deutsche Elf nach einer Stunde sogar 2:0 geführt und durch die Treffer von Toni Kroos und Mario Gómez wie der sichere Sieger ausgesehen hatte. Aber schon das war ein trügerischer Spielstand, die schnellen Engländer hatten zuvor bereits immer wieder Lücken in die deutsche Abwehr gerissen und sich lediglich bei der Chancenverwertung als gute Gäste gezeigt. Was sich in der letzten halben Stunde dann nur begrenzt änderte. Hätten die Engländer tatsächlich all ihre guten Chancen genutzt, hätten sie fünf oder sechs Tore machen können.

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Einzelkritik Deutschland: Gómez beeindruckt, Özil spielt nicht mit
Dann wäre wahrscheinlich weit größerer Katzenjammer im deutschen Lager ausgebrochen. So bleibt vor dem zweiten Testspiel am Dienstag gegen Italien in München (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) bei aller Selbstkritik die Stimmung beim Weltmeister noch relativ gelassen. "Wir bekommen es bei Testspielen irgendwie nicht richtig hin, 100 Prozent zu geben", sagt Müller. Um dann am Ende dieses Klassikers den absoluten Klassiker anzufügen: "Es bleibt dabei, dass Deutschland eine Turniermannschaft ist."

Müller hat noch eine andere Ursache aufgetan: "Vielleicht liegt es auch an dem Stadion, das wir einen Vorsprung nicht über die Zeit bringen können." Beim letzten Auftreten in Berlin hatte die DFB-Elf schließlich gar ein 4:0 gegen Schweden nicht nach Hause bringen können. Der Berlin-Fluch ist es also.

Der Schwung ist längst nicht mehr da

Verlassen sollten sich Löw und die Seinen darauf allerdings nicht. Bei aller Relativierung eines solchen Testspielresultats ist der Hinweis nicht verboten, dass die Mannschaft seit dem WM-Triumph vor zwei Jahren kaum überzeugende Auftritte hingelegt hat. In 16 Partien seit dem Finalsieg von Rio blieb man nur viermal zu null, darunter zweimal gegen den Zwerg Gibraltar, von den vergangenen vier Partien gingen drei verloren. Der Schwung, der die Löw-Elf vor allem 2010 und 2011 zu einer bewundernswerten Eleganz beflügelte, ist schon länger nicht mehr da. Aber auch die Souveränität, die 2014 an seine Stelle getreten war, ist gewichen. Das Spiel der Nationalmannschaft wirkt saturiert, und das ist eine Gefahr, die schon andere Champions ereilt hat.

Bei dem Turnier werden die derzeit verletzten Jérôme Boateng, Ilkay Gündogan und auch Bastian Schweinsteiger wahrscheinlich wieder dabei sein. Alle drei mit ihren unterschiedlichen Qualitäten wurden in Berlin vermisst. Darauf zu bauen, dass ihre Rückkehr allein schon ausreichen wird, dem Team die nötige Stabilität zu verleihen, wäre aber ein bisschen sehr blauäugig. "Ganz entscheidend für uns wird sein, eine optimale EM-Vorbereitung hinzulegen", sagt Müller. Wie vor zwei Jahren, als dort der Grundstein für den WM-Titel gelegt wurde.

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Einzelkritik England: Jamie Vardy - einfach schön!
Im Augenblick scheinen die Engländer etwas weiter zu sein, sie spielten so, wie man es von den Deutschen in den besten Löw-Tagen gekannt hat. Selbstbewusst, schnell, dynamisch, hungrig. "Es ist wunderbar, gegen den Weltmeister zu gewinnen", sagt Trainer Roy Hodgson. Und als ob er sich selbst bei zu viel Zuversicht ertappt hätte, schiebt er gleich nach: "Aber wir sollten vorsichtig sein, diesem Spiel zu viel Bedeutung beizumessen."

Womit er wohl recht hat. Mit der Leistung von Berlin würden die Deutschen mit Sicherheit kein Europameister in drei Monaten. Aber wer spricht in drei Monaten noch von diesem Märzabend?

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insgesamt 103 Beiträge
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1. Wa noch zu tun ist?
Wolfgang Porcher 27.03.2016
wozu ist denn einTrainer da ? um anschließend in Selbstkitik zu zerfliessen, oder während des Spiels zu erkennen, dass eine andere Taktik da hingehört? Auf die Frage, im Interview in der Sportschau ZDF , wer denn bei Erkennen des Mangels sein Ansprechpartner auf dem Feld ist, damit anders gespielt wird, ab sofort, kam keine Antwort . Er wechselte das Thema.
2.
scatman899 27.03.2016
Es ist wie immer... Testspiele sind ohne Wert für die Zuschauer! Keine Spannung für die Zuschauer und die Spieler weil es um nichts geht und die beste Mannschaft so gut wie nie am Start ist!
3. Das ist alles ausgebuffte Taktik,
deglaboy 27.03.2016
jetzt verlieren, Gegner in Sicherheit wiegen und dann im Turnier alle überraschen. Das hat man von den Amis gelernt. Klassische false flag Operation.
4.
johannesraabe 27.03.2016
1. Hat England als Team gespielt, das auf jeder Position schlechter besetzt war, die Deutschen nicht. 2. Ist die Nominierung von Schürrle völlig unverständlich. 3. Bei 60 ? Kartenpreisen für den Oberrang, kommen halt nur Oma und Opa ins Stadion, die keine Stimmung machen.
5. Es ist Tugend
GueMue 27.03.2016
und Kleinlichkeit zugleich, wenn man nur dannwas gibt,wenn es um was geht und nicht dsnn, wenn 80.000 bezahlt haben.
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