Videobeweis bei Deutschland vs. Italien Hilfe von oben

Erstmals bei einem DFB-Spiel setzt die Fifa heute den Videobeweis ein. So will der Verband Fehlentscheidungen verhindern. Viele Details sind allerdings noch unklar.

Nationalspieler Mats Hummels (r.), Schiedsrichter Viktor Kassai
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Nationalspieler Mats Hummels (r.), Schiedsrichter Viktor Kassai

Aus Mailand berichtet


Man hätte zuletzt den Eindruck gewinnen können, beim Länderspiel Italien gegen Deutschland am Dienstagabend (20.45 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD) sei lediglich von Bedeutung, dass der DFB-Tross zuvor vom Papst in Rom empfangen wurde. Tatsächlich holen sich aber auch die Schiedsrichter in dieser Partie im Mailänder San-Siro-Stadion Hilfe von oben.

Zum ersten Mal bei einer Partie mit deutscher Beteiligung testet der Weltfußballverband Fifa den Videobeweis. Hoch oben über dem Spielfeld sitzen zwei Unparteiische in einer Glaskabine, ausgestattet mit allen TV-Bildern, die das deutsche und italienische Fernsehen zu bieten haben - und greifen, wenn nötig, bei spielentscheidenden Fehlern von Schiedsrichter Artur Soares Dias aus Portugal ein.

"Wir wollen dadurch den Fußball ehrlicher machen", sagt einer, der noch aus einer Zeit kommt, in der der Fußball demnach noch etwas unehrlicher war. Marco van Basten war einer der besten Stürmer der Welt, die Hilfe von Schiedsrichtern hatte er an sich nicht nötig, heute ist er "Fifa-Direktor für technische Entwicklungen" und damit für die Einführung des Videobeweises zuständig.

Es gibt "vier Auslösungsmomente"

Man werde sich dabei allerdings "nicht jedes einzelne Foul anschauen", sagt Johannes Holzmüller, bei der Fifa van Bastens rechte Hand. Stattdessen gebe es "vier Auslösungsmomente", wie das im Fifa-Deutsch heißt, in denen die Video-Referees aktiv würden:

  • Ist ein Tor regelgerecht gefallen?
  • Ist eine Elfmeterentscheidung korrekt gewesen?
  • Wurde ein Platzverweis korrekt ausgesprochen?
  • Hat ein Spieler eine Gelbe oder Rote Karte zu Unrecht gesehen, weil ein anderer Spieler hätte bestraft werden müssen?

Man darf also nicht davon ausgehen, dass die Videoschiedsrichter in ihrer Kabine im Dauereinsatz sind. Sie müssen dennoch dem Spiel genauso konzentriert folgen wie ihr Kollege auf dem Spielfeld. Der hat allerdings stets das erste Wort. "Erst muss ein Schiedsrichter entschieden haben, dann kann sein Videoassistent eingreifen", erläutert Helmut Krug, früher deutscher Fifa-Schiedsrichter, heute als DFB-Funktionär zuständig für die Unparteiischen.

Helmut Krug, Johannes Holzmüller, Marco van Basten, Lukas Brud (v. l.)
DPA

Helmut Krug, Johannes Holzmüller, Marco van Basten, Lukas Brud (v. l.)

In Deutschland sind die Tests für die Technologie auch schon angelaufen, schließlich soll bis spätestens 2018 entschieden sein, ob der Videobeweis flächendeckend eingeführt wird. In Köln hat der DFB ein Schulungszentrum eingerichtet. Dort sitzen, so Krug, jetzt schon an jedem Bundesliga-Wochenende Schiedsrichter, die trainiert werden, die Fernsehbilder schnell und kompetent auszuwerten. Was gar nicht so leicht ist, wie Krug betont: "Auch Fernsehaufnahmen können zuweilen nicht belegen, ob ein Kontakt im Strafraum stattgefunden hat oder nicht", sagt er. Und: "Zeitlupen wirken oft eher verwirrend." Auch im Fernsehen gibt es noch mehrere Wirklichkeiten.

"Wir lernen aus jedem Spiel", sagt Holzmüller. Und das gilt auch für die Besten der Branche. Als man den Videobeweis im Länderspiel Frankreich gegen Italien vor Kurzem getestet hat, ließ sich selbst ein so renommierter Schiedsrichter wie der Niederländer Björn Kuipers irritieren. Er wartete bei einer Spielszene erst das Votum der Video-Kollegen ab, bevor er pfiff. Nach den Vorstellungen der Fifa soll es genau andersherum passieren.

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Vieles ist noch offen in Sachen Videobeweis: Wie wird das Publikum darüber informiert, dass hier plötzlich von außen eingegriffen wird? Wie viel Zeit gönnt man den Video-Referees bei ihrer Entscheidungsfindung? Sollte erst eingegriffen werden, wenn das Spiel unterbrochen ist? Was ist, wenn ein fälliger Elfmeterpfiff ausbleibt und im Gegenzug fällt ein Tor? Alles noch in der Diskussion. Nur bei einer Sache haben sich die Regelhüter schon festgelegt: Es wird nicht so kommen, dass eines der Teams den Videobeweis anfordern darf - so wie es im Hockey oder im Tennis der Fall ist.

"Wir wollen dem Schiedsrichter schließlich helfen, nicht ihn hinterfragen", sagt Lukas Brud, Geschäftsführer der für Regeländerungen im Fußball zuständigen International Football Association Board. Wenn dagegen die Teams darüber bestimmen können, wann der Beweis eingesetzt wird, fürchtet die Fifa den Kontrollverlust des Referees.

Die Hoheit über den Videobeweis, so wollen es Fifa und DFB, bleibt allein bei den Schiedsrichtern. Dem Reklamierarm der Spieler soll keine zusätzliche Macht verliehen werden.



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jens20505 15.11.2016
1. Oh man,
Kontroll- und Regulierungswahn tötet am Ende Spass, Leidenschaft und Emotionen. Ganz schlimme Entwicklung!
butlerking 15.11.2016
2. Verabschiedung auf Raten.
Die ehemals schönste Nebensache der Welt wird kaputt reguliert. Warum soll ich mir ein Spiel ankucken das keinen Raum für Diskussionen läßt. Der Fußball lebt sehr stark vom Austausch der Fan's. Über was reden Fußball "Verrückte" am Tag danach? Mir wird übel wenn ich sehe was in dieser "Welt 1000.0" ausgebrütet wird. Glück Auf.
Schwarzwälder Kirsch 15.11.2016
3. Neiiiiin
Nehmt uns doch bitte nicht das DRAMA und die stundenlagen Diskussionen und hitzigen Debatten weg.
carinanavis 15.11.2016
4. gemein
Dann haben italienische und spanische Mannschaften überhaupt keine Chance mehr! Das ewige taktische Foulen und Vortäuschen von Verletzungen wird beiden Nationen fussballerisch das Genick brechen. Später wird es immer noch genug Debatten geben. Aber die Gerechtigkeit wird siegen und das ist gut so. Arrividerci, Italia, adios Espana!
falco1001 15.11.2016
5. schon ok
Wenn das tatsächlich auf die 4 Ausnahmesituationen beschränkt bleibt, ändert sich nicht viel und das Spiel wird etwas gerechter. Auch sinken die Manipulationsmöglichkeiten bei Bestechung. Ich finde es zynisch, grobe Fehlentscheidungen zuzulassen, damit das Publikum mehr zu diskutieren hat.
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