Deutschlands Pleite gegen Mexiko Was war das denn?

Joshua Kimmich wurde schwindelig gespielt, riesige Lücken im Mittelfeld: Deutschland befindet sich bei der WM noch im Testspielmodus. Weitere Diskussionen über Özil und Sané sind nun sicher.

Ratlose deutsche Mannschaft
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Szenen des Spiels: Nach Abpfiff saß Sami Khedira auf der Ersatzbank und blickte fassungslos in Richtung Spielfeld, Torwart Guillermo Ochoa riss die Arme in die Luft und rannte zu den lauten mexikanischen Fans im Moskauer Luschniki-Stadion. Es waren die Szenen, die vor Anpfiff nur wenige für möglich gehalten hätten.

Ergebnis des Spiels: Der Titelverteidiger hat zum WM-Auftakt 0:1 (0:1) gegen Mexiko verloren - es ist eine Sensation und die erste deutsche Auftaktpleite seit 1982 (damals unterlag Deutschland gegen Algerien).

Zitat des Spiels: Das kam von Abwehrspieler Mats Hummels. "Wir haben wie gegen Saudi-Arabien gespielt, nur diesmal gegen einen besseren Gegner." Das DFB-Team offenbarte nach dem 2:1 im Testspiel vor einer Woche erneut große Probleme im Umschaltspiel und Gegenpressing. Nach der miserablen Leistung wirkt es wie ein schlechter Witz, dass eine verstärkte deutsche B-Elf vor einem Jahr 4:1 gegen Mexiko im Halbfinale des Confed Cup gewonnen hatte.

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DFB-Pleite gegen Mexiko: Der entzauberte Weltmeister

Erste Hälfte (aus Kimmich-Sicht): Wenn Deutschlands Defensive in Gefahr geriet - und das passierte häufig -, dann über die rechte Abwehrseite von Joshua Kimmich. Der Bayern-Profi kam im Zweikampf oft zu spät und stand schlecht. Fast folgerichtig fiel das 0:1 durch Hirving Lozano über Kimmichs Seite, der 23-Jährige war bei einem unnötigen Ballverlust von Khedira weit aufgerückt (35.). Zur ganzen Geschichte gehört aber auch: Kimmich spielte extrem offensiv und fiel seinem eigenen Vorwärtsdrang zum Opfer.

Erste Hälfte (aus Rest-Team-Sicht): Die DFB-Elf war aber auch im Kollektiv schwach. Khedira, Mesut Özil und Toni Kroos verloren vor der Pause 14 von 16 Zweikämpfen, dadurch geriet auch Kimmich in Bedrängnis. Es ist wohl keine Übertreibung, zu sagen, es war eine der schwächsten Leistungen eines DFB-Teams seit der EM 2004 unter Bundestrainer Rudi Völler. Damals schied die Mannschaft ohne Sieg in der Vorrunde aus. Das deutsche Highlight gegen Mexiko war ein Lattentreffer nach Freistoß von Kroos (39.).

Zweite Hälfte: Das Zusammenspiel zwischen Angriff und Abwehr stimmte weiter nicht und Khedira war nicht der erhoffte Stabilisator, eher das Gegenteil - ein Unsicherheitsfaktor. Mexiko hatte zu viel Platz für Konter und hätte seine Führung mehrfach ausbauen können. Deutschland steigerte sich erst nach den Einwechslungen von Marco Reus und Julian Brandt, der Ausgleich fiel jedoch nicht mehr.

Einwechslung des Spiels: 39 Jahre alt, zuletzt in der Schlagzeilen wegen angeblicher Verbindungen zu einem Drogenkartell, 146 Länderspiele für "El Tri" - Mexikos ewiger Rafael Márquez half in der Schlussviertelstunde, den Sieg abzusichern. Das klappte.

Koan Neuer-Problem: Nur drei Bundesligaspiele hat Manuel Neuer in der vergangenen Saison verletzungsbedingt bestritten. Es gab Zweifel an seiner Fitness, an der Belastungsfähigkeit seines kaputten Fußes. Soll der 33-Jährige mit diesen Fragezeichen wirklich in seine dritte WM als Nummer eins gehen? Nach dem Mexiko-Spiel ist klar: Die Löw-Elf hat Schwächen, aber nicht auf der Torwartposition. Neuer war einer der wenigen im Team, auf den Verlass war.

Diskussionen in drei, zwei, eins... (Teil 1): Deutschlands Auftaktpleite ist eine Steilvorlage für alle, die das DFB-Team zuletzt ohnehin kritisch gesehen haben. War es ein Fehler, Leroy Sané aus dem Kader zu streichen? Der 22-Jährige war in der abgelaufenen Saison mit 33 Torbeteiligungen einer der Stars im Meisterteam von Manchester City. Nach dem Mexiko-Spiel ist eine Antwort noch nicht möglich. Julian Draxler war auf der Sané-Position der stärkste deutsche Offensivspieler.

Diskussionen in drei, zwei, eins... (Teil 2): Hätte man auf Özil und Ilkay Gündogan nach dem Wirbel um ihr Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan verzichten sollen? Dass diese Aktion die DFB-Vorbereitung gestört hat, ist unbestritten. Torwart Neuer sagte, die Unruhe sei belastend gewesen. Die hohe sportliche Qualität der beiden steht außer Frage, Özil ist einer der Schlüsselspieler im Team und stand seit 2010 in allen der bisher 26 Turnierspielen unter Löw in der Startelf. Gegen Mexiko bot der Arsenal-Profi wie viele andere eine unauffällige Leistung. Die Niederlage an ihm festzumachen, würde an den kollektiven Problemen dieses Teams (Umschaltspiel, Gegenpressing) vorbeiführen.

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Deutschland in der Einzelkritik: Kimmich ist noch kein Lahm

Fazit des Spiels: Deutschland ist noch immer Weltmeister. Ob das nach dem 15. Juli noch gilt (dann steigt das WM-Finale), darf man infrage stellen. Deutschland wird in der Vorrunde nicht scheitern - dafür sind Schweden und Südkorea zu schwach. Allerdings würde Deutschland als Gruppenzweiter wohl auf Brasilien im Achtelfinale treffen. Die Seleção hat nach der 1:7-Pleite bei der Heim-WM vor vier Jahren noch eine offene Rechnung mit der deutschen Mannschaft. Vorher wartet am kommenden Samstag ein vorgezogenes K.-o.-Spiel gegen Schweden. Bis dahin muss Deutschland den Testspielmodus verlassen haben.

Deutschland-Mexiko 0:1 (0:1)
0:1 Lozano (35.)
Deutschland: Neuer - Kimmich, Boateng, Hummels, Plattenhardt (79. Gomez) - Khedira (60. Reus), Kroos - Müller, Özil, Draxler - Werner (86. Brandt)
Mexiko: Ochoa - Salcedo, Ayala, Moreno, Gallardo - Herrera, Guardado (74. Márquez) - Layun, Vela (58. Álvarez), Lozano (66. Jiménez) - Hernández
Schiedsrichter: Faghani (Iran)
Gelbe Karten: Müller, Hummels / Moreno, Herrera
Zuschauer: 78.000

insgesamt 114 Beiträge
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Schwarzwälder Kirsch 17.06.2018
1. Die können ja alle kicken,
sind aber massiv verunsichert und das hat man in jeder Phase des Spiels gespürt. Ohne Mut und zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Löw sollte besser einen Psychologen einschalten ansonsten ist nach der Vorrunde Schluß.
der-meister! 17.06.2018
2. Wo war der Trainer?
ein Einzelspieler wie Sané kann das Spiel auch nicht drehen, das stimmte ja von hinten bis vorne nicht. Man fühlt sich wie bei den letzten beiden Vorbereitungsspielen. Alles, was Sané angelastet würde passte hier auf fast alle anderen. Und man sollte sich mal fragen, warum es nach der Halbzeit keine Änderung im deutschen Spiel gab. Was haben die Taktiker Löw und Schneider da hinter vorgehaltener Hand besprochen? Warum fiel ihnen nichts besseres ein? Warum gab es erst so spät den Wechsel, nachdem seit 2 Spielen klar war, das etwas grundsätzlich nicht stimmt, was sich im Verlauf der ersten Halbzeit bestätigte? Erst Reus und Brandt haben das Spiel belebt. Aber 20min reichen nicht. Magier Özil war komplett blass, hat auf Bälle gewartet, die dann doch nicht zu ihm kamen, weil ein Mexikaner das Ding abgelaufen ist. Alle haben das gesehen. Aber wo war Löw?
mars55 17.06.2018
3. Das sollte für Deutschland
eine Lehre sein. Immer nur über rechts und das Spiel auf der linken Seite nicht zu machen... damit kannste nichts erreichen. Aufgeht's gegen Schweden muss es jetzt passen......
TS_Alien 17.06.2018
4.
Chancen hat es gegeben. Nur ist heute kein Tor für Deutschland gefallen. Deutschland spielt oft mäßig, gewinnt aber dann doch meistens. Heute eben nicht. Das ändert nichts daran, dass die deutsche Mannschaft viele Schwächen hatte und hat.
rddr 17.06.2018
5. Was war denn das?
Die Antwort hierauf lautet, dass es auf jeden Fall Wasser auf die Mühlen aller Löw Kritiker. Die gezeigte Leistung reicht definitiv nicht für die Titelverteidigung, an die ich aber auch nie wirklich geglaubt habe. Ich male jetzt mal rein hypothetisch den Teufel an die Wand: Die Spiele gegen Schweden und Südkorea werden auch keine Glanz und Deutschland scheidet nach der Gruppenphase aus. Wenn dieser Fall einträte, dann müssten auch personelle Konsequenzen gezogen werden. Ich denke, dann würde es Zeit für einen neuen Bundestrainer. Wie gesagt, rein hypothetisch. .....
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