Vor dem Spiel gegen Schweden Team beim TÜV

Das Gruppenspiel gegen die Schweden wird für die deutsche Nationalmannschaft zur ganz großen Herausforderung. Die Haltung von Trainer und Team ist entschlossen, fast trotzig. Was ist mit der Aufstellung?

Mario Gomez (l.) und Antonio Rüdiger
imago/ Moritz Müller

Mario Gomez (l.) und Antonio Rüdiger

Aus Sotschi berichtet


In diesen Tagen ist viel von der Körpersprache die Rede gewesen, wenn über die Nationalmannschaft und ihre schwache Leistung gegen Mexiko diskutiert wurde.

Das Argument wird insbesondere gegen Mittelfeldspieler Mesut Özil gerne angewendet, seit Jahren bereits, eigentlich kann man es schon nicht mehr hören. Es ist kein Wort, das der Bundestrainer normalerweise in seinen Analysen benutzt.

Doch vor der wichtigen Partie gegen Schweden am Abend (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD) hat Joachim Löw diesen Ball aufgenommen, seine Mannschaft werde "eine ganz andere Energie und Körpersprache an den Tag legen" als zum WM-Auftakt. Er sprach von "Hingabe und Leidenschaft", und davon, dass "Power die Grundvoraussetzung" gegen die Skandinavier sei.

Energie, Hingabe, Power, Leidenschaft - das sind die Eigenschaften, die der Mannschaft zuletzt abgesprochen wurden. Löw hat offenbar bei der Kritik der vergangenen Tage genau hingehört, die Botschaft lautet: Es geht vor allem um die Einstellung, weniger um die Aufstellung.

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"Da ist schon einiges auf uns eingeprasselt, das war schon ein Brett", sagt Stürmer Mario Gomez, Löw fand "vor allem die ersten Tage dieser Woche nicht so einfach", lange waren Trainer und Team der Nationalmannschaft nicht dermaßen in der Defensive wie seit dem Sonntag von Moskau.

Es hat gedauert, "bis wir den Kopf wieder hochgenommen haben", sagt Gomez, jetzt allerdings scheint das der Fall zu sein. Schließlich wartet in der Arena in Sotschi der nächste schwer zu bespielende Gegner, und da muss die Fehleranalyse irgendwann auch übergehen in die Spielvorbereitung. Die Partie gegen die Schweden wird so eine Art TÜV für den Weltmeister, vieles steht am Abend auf dem Prüfstand: Die spielerische Qualität genauso wie der Umgang mit einer so ungewohnten Drucksituation. Diese Partie wird aus vielerlei Gründen das interessanteste Länderspiel, das diese Mannschaft seit Jahren zu absolvieren hat.

Ein Spiel, das Löw wahrscheinlich ohne Mats Hummels angehen muss, der Probleme mit dem Halswirbel hat, das ist eine Schwächung der Abwehr, aber dramatisch ist es auch nicht: Mit Niklas Süle und Antonio Rüdiger hat Löw zwei starke Innenverteidiger in der Hinterhand.

Der von allen geforderte Marco Reus dürfte zudem spielen, möglicherweise muss Julian Draxler für ihn weichen. Aber auch Timo Werner steht als Sturmspitze zur Debatte, gegen die abwehrstarken Schweden kann man sich auch den zuletzt auf dem Platz fast unsichtbaren, aber unbestritten cleveren Thomas Müller in der Spitze vorstellen.

Es werden so oder so wohl eher leichte Korrekturen, die Löw beim Personal vornehmen wird. Der Bundestrainer hat zwar zuletzt viel einstecken müssen, aber an seiner Linie hat das nichts geändert oder daran, dass er "Zweifel an unserer eigenen Spielweise bekommen" habe. "Mein grundsätzliches Vertrauen in die Spieler ist doch durch diese eine Partie nicht in die Brüche gegangen." Ohnehin könne er nicht ganz begreifen, "wie man nach einem Spiel plötzlich alles in Frage stellt".

Es geht um Grundsätzlicheres als ums Ausscheiden oder Weiterkommen

DFB-Manager Oliver Bierhoff hat vor ein paar Tagen ähnlich gesprochen. Ein Ausscheiden aus der Vorrunde sei "natürlich ein Misserfolg", aber es würde doch die 14 Jahre Löw/Bierhoff beim DFB nicht diskreditieren: "Sind wir dadurch etwa plötzlich kein Weltmeister mehr?"

Es geht gegen die Schweden ganz offensichtlich auch um Grundsätzlicheres als um Weiterkommen oder Ausscheiden. In den vergangenen Tagen haben einige Medien schon damit angefangen, eine Bilanz der Trainerschaft Joachim Löws zu ziehen. Es hat teilweise schon Züge einer Abrechnung angenommen. Das ist möglicherweise noch etwas vorzeitig. Bei einem Erfolg am Abend wird man dann wieder über einen denkbaren Gruppensieg reden.

Bei Mario Gomez klingt daher fast ein bisschen Trotz mit, wenn er sagt: "Wir sind immer noch eine starke Mannschaft mit viel Qualität." Gegen die Schweden können und müssen sie es beweisen.



insgesamt 8 Beiträge
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transsib_reisen 23.06.2018
1. heutige Elf
Im KICKER soeben gefunden: Neuer - Kimmich, J. Boateng, Rüdiger, J. Hector - Khedira, T. Kroos - T. Müller, Özil, Brandt - Gomez Ohne unsere besten Angreifer REUS und WERNER?! Wenn wir rausfliegen mit dieser Katastrophenaufstellung, kann Löw gehen.
mausi Worseck 23.06.2018
2. Gestern hatte Spiegel einen guten Artikel! (neben anderen guten)
"Das Herz fehlt" von Peter Ahrens. Dieser Artikel trifft zumindest im Ansatz die wahren Probleme dieser Mannschaft! Sehr lesenswert! Der Zustand der Mannschaft ist seit 5 Wochen nicht mehr von Aufstellungen und Laufwegen oder Dreier-oder Viererketten abhänig! Siehe Österreich, SaudiArabien, Mexiko. Wir alle sollten in der Tiefe Nachdenken: über die Rundumvermarktung durch einen Bierhoff; über das seltsame Marketinggehabe um "Die Mannschaft"; über die fehlenden 12. Männer und Frauen; über Fahnen und Rückspiegelüberzieher die wie Blei in den Regalen liegen; über fehlende Fans die eine Mannschaft tragen, mit ihr leiden, sie stützen, mit ihr feiern; über Wahlkampf-Helfer eines fremden Autokraten; über den Ruf an die Fans "RUHE jetzt!" Es geht seit 5 Wochen nicht mehr um die bessere Aufstellung - es geht um die "Nationalmannschaft". Herr Bierhoff kann mit seiner "Die Mannschaft" gerne um die Welt tingeln und Geld machen. Wir wollen wieder eine Nationalmannschaft - wir wollen mit ihr leiden und mit ihr feiern!
Freidenker10 23.06.2018
3.
Egal wie die WM auch ausgehen mag, ein Umbruch danach ist unumgänglich und hier sehe ich die Schwierigkeiten bei langjährigen Trainern: Die Gefälligkeiten sammeln sich und der Mut auch verdiente Spieler aufs Altenteil zu schicken schwindet. Auch Löws Abneigung gegen aufmüpfige Spieler rächt sich, denn die sind dann auch auf dem Spielfeld aufmüpfig und marschieren voraus. Mitläufer tun das eben nicht und davon haben wir mehr als genug! Aber vielleicht wird es eben auch mal Zeit für einen neuen unverbrauchten Trainer bei dem sich alle wieder neu beweisen müssen und die Gefälligkeiten von damals nichts mehr zählen!
matthiasdaun 23.06.2018
4. nostalgische Verklärung
Das Gerede um die "gute alte Zeit", als man noch mit der "Nationalmannschaft" mitfieberte geht mir auf die Nerven, da es versteckte ausländerfeindliche Gedanken aufweist. Die Aktion von Gündogan und Özil war dämlich, doch die Menschen, die sich am meisten aufgeregt haben, nehmen einfach in Kauf, dass wir wieder offene Rassisten in unserem Parlament haben. Da frage ich mich, was schlimmer ist. Mittlerweile werden die AFD -Wähler als arme Schweine dargestellt, die nicht gehört werden, aber dass vielleich ein Özil und Gündogan jahrelang von unserer Gesellschaft als Menschen zweiter Klasse behandelt wurden und sie deshalb eine enge Beziehung zu ihrem Land aufrechterhielten, wird übersehen. Wenn einer nicht mit der Mannschaft fiebert, weil sie nicht mehr das deutsche "Kämpferherz" zeigt, soll sich mal den Rumpelfußball vor 16 Jahren ansehen. Natürlich war die Vorstellung letzten Sonntag blutleer und langsam, doch diese deutschen Mannschaften gab es schon öfter in der Vergangenheit. Die Weltmeister bei der WM 1994 spielten wie ein satter Kater, selbtsgefällig und arrogant. Die Europameister bei der WM 1982 waren eine Katastrophe, haben gesoffen, ein Spiel verschoben und waren so arrogant, dass sie sich nicht einmal den Gegner Algerien angeschaut haben. Die Vizeweltmeister bei der EM 2004 verloren gegen die B Elf von Tschechien und schaften kein Tor gegen Lettland,. Man könnte diese Liste einfach fortsetzen. Der Unterschied ist nur, dass die "kleinen" Fußballnationen so aufgeholt haben, dass man sich nicht mehr durchmogeln kann, wie es einige deutsche Teams in früheren Turnieren gemacht haben. Italien und die Niederlande bekamen es zu spüren, Brasilien quälte sich gegen "Costa Rica", Portugal gegen Marokko, Argentinien holte nur ein Unentschieden gegen Island, Frankreich benötigte Glück gegen Australien, die Liste könnte so fortgesetzt werden. Diese deutsche Nationalmannschaft mit Özil, Boateng, Gündogan etc. hatte stets mit spielerischer Klasse, und auch etwas Glück, seit 2006 das Halbfinale erreicht. Viele Nationen wären auf diese Bilanz stolz. Es sind z.T. die gleichen Spieler wie vor 8 Jahren. Warum soll jetzt was fehlen? Sie haben schlecht gespielt. Punkt.
markus.pfeiffer@gmx.com 23.06.2018
5. Abschlusstraining
Zitat von transsib_reisenIm KICKER soeben gefunden: Neuer - Kimmich, J. Boateng, Rüdiger, J. Hector - Khedira, T. Kroos - T. Müller, Özil, Brandt - Gomez Ohne unsere besten Angreifer REUS und WERNER?! Wenn wir rausfliegen mit dieser Katastrophenaufstellung, kann Löw gehen.
Das war im Abschlusstraining die erste Mannschaft (steht seit gestern Nachmittag im Kicker), aufgrund derer der Kicker spekuliert hat, ob das tatsächlich die 11 sein wird, die aufläuft, oder ob Löw da bewusst noch nicht alle Karten auf den Tisch gelegt hat. So viel Genauigkeit hätten Sie beim Weitergeben der Info von Kicker Online haben können, bevor Sie sich über diese vermeindliche Aufstellung mokieren.
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