Deutschlands Finalgegner Argentinien: Der Stärken-Zerstörer

Aus São Paulo berichtet

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Argentinien hat ein quälend schwaches Halbfinale gegen die Niederlande mit Glück für sich entschieden. Muss Deutschland vor so einem Gegner im WM-Finale Angst haben? Besser wär's.

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Immerhin gab es am Schluss doch noch etwas zu erzählen. Zum Beispiel die Geschichte von Argentiniens Torwart Sergio Romero, der 120 Minuten lang so gut wie nichts zu tun hatte und dann gleich zwei Elfmeter hielt: einen von Ron Vlaar und einen von Wesley Sneijder. Das Elfmeterschießen hatte seinen Helden, die Partie ihren Sieger. Also Ende gut, alles gut?

Auf dem Nachhauseweg von der zugigen "Arena de São Paulo" war mancher Zuschauer jedenfalls schon bereit zu vergessen, was er die Stunden zuvor erdulden musste: ein Spiel, dem nun wirklich alles fehlte, was diese Sportart zur populärsten der Welt macht. Ein Spiel, dem Tempo, Einsatz und Dynamik fehlten, das aber immerhin irgendwann zu den Akten gelegt werden konnte, denn es fand sich dann doch ein Sieger: Argentinien. Das Team, das sich im Elfmeterschießen geschickter anstellte und seine vier Schüsse vom Punkt im Tornetz unterbrachte.

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Sieg gegen die Niederlande: Jubel in Weiß und Blau
Es war das angemessen zufällige Ende einer Partie, die über weite Strecken eines WM-Halbfinals nicht würdig war und deshalb auch keinen würdigen Gewinner haben konnte - aber durchaus einen, der sich nicht dafür schämen musste, ins Finale gekommen zu sein.

Schließlich gelang es den Argentiniern ziemlich gut, die Holländer ihrer Stärken zu berauben, indem sie die Räume im Mittelfeld eng machten und im Abwehrzentrum konzentriert arbeiteten. Der angeschlagene Robin van Persie war bei Martin Demichelis und Ezequiel Garay vollkommen abgemeldet, Wesley Sneijder und Arjen Robben kamen ebenfalls kaum zum Zuge, weil sie konsequent gedoppelt wurden.

"Meine Mannschaft hat stark gearbeitet, die Spieler haben einen tollen Job gemacht", fand dann auch Argentiniens Trainer Alejandro Sabella. Es gehe im Fußball um Räume und darum, diese zuzustellen, um das Spiel des Gegners zu zerstören. "Es war sehr anstrengend für die Spieler, weil sie so viel decken mussten. Aber sie haben nie aufgegeben." Wäre ja auch noch schöner beim Stand von 0:0.

Nur drei Gegentore bis zum Finale

Aus deutscher Sicht sollte man allerdings nicht den Fehler machen, diese Defensivleistung als 90-Minuten-Fakt zu betrachten. Argentinien ist in Brasilien mit nur drei Gegentoren ins Finale gekommen. Und hat beispielsweise im Spiel gegen die Schweiz gezeigt, dass es in der Lage ist, kleinste Fehler auszunutzen - und sei es nach knapp zwei Stunden Spielzeit.

Der Fußball, den Argentinien spielt, ist wahrlich nicht schön anzusehen, aber er ist ausbalanciert; die Mannschaft gehört zu den wenigen bei diesem Turnier, die gut verteidigen und dennoch offensive Qualitäten haben. Gut möglich, dass Angel di Maria im Finale wieder mittun kann. Auch er ist ein Spieler, der ein Match allein entscheiden kann, öffentlich aber immer noch unterschätzt wird.

Vor lauter Heiligenverehrung in Sachen Lionel Messi geht auch ein weiterer Argentinier unter, der gegen die Niederlande neben Elfmeter-Töter Romero der wichtigste Spieler seiner Mannschaft war: Javier Mascherano ist offensiv wie defensiv ähnlich stark und verdiente sich die Lobeshymnen seines Trainers nach einer konzentrierten und intelligenten Partie: "Mascherano ist ein Symbol. Er ist ein Emblem. Wir waren in der Lage, durch ihn ins Halbfinale einzuziehen und nun ins Finale. Er ist ein außergewöhnlicher Spieler." War sonst noch was? Definitiv: nein!

Wenn das Gros derjenigen Menschen, die diese WM aufmerksam verfolgt haben, Deutschland im Finale deshalb als klaren Favoriten sehen, kommt das also nicht von ungefähr. Selbst wenn man das 7:1 gegen Brasilien nicht in die Wertung nimmt, hat Löws Mannschaft in diesem Turnier bewiesen, dass es individuell auf einigen Positionen klar besser besetzt ist als der Finalgegner und fußballerisch mindestens einen Schritt weiter ist.

Das könnte reichen, vorausgesetzt, Neuer und Co. machen in den kommenden Tagen nicht den Fehler, ihre Antennen allzu sehr Richtung Deutschland auszustrecken. Dort scheinen viele Menschen plötzlich zu glauben, dass nach solch einem Halbfinale nur noch ein paar Formalitäten zu klären sind, bis der vierte WM-Titel gefeiert werden kann. Ähnlich soll bis gestern die Stimmung in den Niederlanden gewesen sein, wo die Mehrheit der Fußballfreunde schon über das Finale gegen Deutschland diskutierte. Am Ende gewann Argentinien.

Niederlande - Argentinien 2:4 (0:0) n.E.
Niederlande: Cillessen - Vlaar, de Vrij, Martins Indi (ab 46. Janmaat) - Kuyt, de Jong (ab 62. Clasie), Blind - Wijnaldum, Sneijder - Robben, van Persie (ab 96. Huntelaar)
Argentinien: Romero - Zabaleta, Demichelis, Garay, Rojo - Biglia, Mascherano - Pérez (ab 81. Palacio), Messi, Lavezzi (ab 101. Rodriguez) - Higuain (ab 82. Agüero)
Schiedsrichter: Cüneyt Cakir (Türkei)
Elfmeterschießen:
Romero hält gegen Vlaar
0:1 Messi
1:1 Robben
1:2 Garay
Romero hält gegen Sneijder
1:3 Agüero
2:3 Kuyt
2:4 Maxi Rodriguez
Zuschauer (in São Paulo): 63.267
Gelbe Karten: Martins Indi, Huntelaar - Demichelis
Torschüsse: 7 / 7
Ecken: 4 / 4
Ballbesitz in Prozent: 54 / 46

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insgesamt 105 Beiträge
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1. Lebenswichtige Frage zum Finale
the_mosvik_beast 10.07.2014
In welchem Trikot bestreiten WIR dieses "Heimspiel" ,weiss oder schwarz rot quer gestreift ,wer weiss es genau ?
2.
thomas.b 10.07.2014
Argentinien ist sicher der Wunschgegner vieler, aber das wird trotzdem ne harte Nuss!
3. Weiß
cblum 10.07.2014
Zitat von the_mosvik_beastIn welchem Trikot bestreiten WIR dieses "Heimspiel" ,weiss oder schwarz rot quer gestreift ,wer weiss es genau ?
Wir haben ein "Heimspiel", da die Partie GER-ARG lautet. Also weißes Trikot.
4. Mit nur drei Gegentore ins Finale
Gottloser 10.07.2014
Wenn ich mich nicht irre, hat Deutschland auch nur vier Tore kassiert, wobei man die gegen Algerien und Brasilien eher außer acht lassen kann.
5. Die Tür schwingt in beide Richtungen
schmusel 10.07.2014
Deutschland braucht keinen Deut mehr Angst vor Argentinien zu haben als Argentinien vor Deutschland. Die treffen jetzt nömlich zum ersten mal auf eine komplette Mannschaft. Sie werden sich nicht ein drittes mal zu-Null in die Verlängerung retten können.
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1978 Argentinien Argentinien
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