Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Deutschlands Niederlage gegen England: Neue Trikots, alter Fußball

Von

Jonas Hector, Sami Khedira, Lukas Podolski Zur Großansicht
DPA

Jonas Hector, Sami Khedira, Lukas Podolski

Deutschland setzt zweieinhalb Monate vor der EM falsche Prioritäten: Gegen England war nur das Outfit modern. Der Spielstil war antiquiert, das Verhalten einiger Fans im Stadion beschämend. Alles Wichtige zum Klassiker.

Ausgangslage: Mitte Oktober 2015 qualifizierte sich Deutschland durch einen 2:1-Sieg über Georgien für die Endrunde der Europameisterschaft. Seither hatte es nur ein einziges Testspiel gegeben, und bei der Partie in Frankreich hatten die Terroranschläge von Paris alles Sportliche irrelevant werden lassen. So gesehen war das Match gegen England der erste sportliche Test für Joachim Löws Truppe nach einem halben Jahr Pause.

Atmosphäre des Abends: Der DFB überlässt bei der Vermarktung der Nationalmannschaft mittlerweile nichts dem Zufall. Eigenes Hashtag (#DieMannschaft), große professionelle Choreografie, olivgrün-schwarze Trikots bei einem Heimspiel. Aber echte Fußballatmosphäre kann man eben auch durch perfektes Marketing nicht erzwingen. Pfiffe bei der englischen Nationalhymne, peinliches Gegröle während der Schweigeminute für die Opfer von Brüssel. Und dann Stille auf den Rängen, während die 4000 englischen Fans für die Stimmung sorgten. Länderspiele sind selten Sternstunden der Fankultur. Aber Berlin war ein neuer Tiefpunkt.

Die Aufstellungen:
Deutschland: Neuer - Can, Rüdiger, Hummels, Hector - Kroos, Khedira - Müller, Özil, Reus - Gómez
England: Butland - Clyne, Cahill, Smalling, Rose - Dier, Henderson - Lallana, Alli, Welbeck - Kane

Ergebnis des Abends: 2:3 (1:0). Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Deutschland dominierte den Ballbesitz. Englands Defensive erlaubte der DFB-Elf aber kaum Kombinationen durchs Zentrum. Das Ergebnis: Viele Flanken für Mario Gómez, wie in alten Zeiten. Gómez erzielte sogar ein Tor, in der 27. Minute. Das zählte aber nicht: "Abseits" sagte Schiedsrichter Gianluca Rocchi. Kurz vor der Pause fiel dann doch die Führung für Deutschland. Nach einem schwachen Abschlag des verletzten Jack Butland (siehe unten) spielte Özil Doppelpass mit Khedira, Toni Kroos wurde nicht angegriffen. Sein Schuss aus 20 Metern schlug am kurzen Pfosten ein.

Fotostrecke

11  Bilder
DFB-Pleite gegen England: Schock in der Nachspielzeit
Pechvogel des Abends: Jack Butland. Der Keeper von Stoke City war 2012 Englands jüngster Nationaltorhüter der Geschichte. In Berlin kam er durch eine Verletzung von Stammkeeper Joe Hart zu seinem dritten Einsatz. Kurz vor der Pause verletzte er sich bei einem Abschlag. Anstatt den Ball ins Aus zu dreschen oder vor Schmerz auf den Boden zu sinken, humpelte er weiter durch den Strafraum. Und konnte das 1:0 von Kroos nicht verhindern. Anschließend musste er vom Platz getragen werden. Nationaltrainer Roy Hodgson sprach anschließend von einer Bänderverletzung im Knöchel. Gute Besserung! Fraser Forster spielte fortan im englischen Tor.

Jack Butland Zur Großansicht
REUTERS

Jack Butland

Die zweite Hälfte: War deutlich unterhaltsamer. Als Gómez mit einem Kopfball nach Flanke von Khedira das 2:0 köpfte, schien alles gelaufen. Aber England kam zurück: Harry Kane blamierte Mesut Özil mit einem brillanten Trick, bevor er zum Anschlusstreffer einschoss. Jamie Vardy, wenige Minuten auf dem Platz, glich mit einem wunderbaren Hackentrick aus. Später legte Vardy Dele Alli eine Riesenchance zur Führung auf. Die fiel aber erst in der Nachspielzeit, als Eric Dier nach einer Ecke einköpfte.

Spielweise des Abends: Mario Gómez spielte erstmals seit eineinhalb Jahren wieder für den DFB. Das zwang Deutschland zu ungewöhnlich vielen hohen Bällen in den Strafraum anstatt der gewohnten Kurzpasskombinationen. Immerhin: Khediras schönes Anspiel auf den Stürmer erbrachte durch einen Kopfball das 2:0. Aber warum tauchten Thomas Müller und Mesut Özil, zwei formstarke Weltklassespieler, völlig ab? Vielleicht macht die Präsenz eines klassischen Mittelstürmers sie schlechter? Wenn Löw doch nur einen spielstarken Stürmer zur Verfügung hätte. Wie zum Beispiel Max Kruse. Aber dessen Verhalten genügt leider nicht den hohen moralischen Ansprüchen des Deutschen Fußball-Bundes. Seine Klasse allerdings vielleicht zurzeit auch nicht.

Gute Nachricht des Abends: Körperscanner für Journalisten, Sprengstoffhunde, Sicherheitskontrollen ohne Beispiel. Aber am Ende konnten wir uns voll und ganz auf den Fußball konzentrieren. Und auf die Trikotmode.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 123 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Perfektes Marketing zieht halt nur Eventfans an!
thomas.berlin 27.03.2016
Perfektes Marketing zieht halt nur Eventfans an! Wir wurden in der Ostkurve (Steherbereich der Hertha) von den anderen Fans ermahnt, uns doch gefälligst hinzusetzten, damit man das Spiel im Sitzen verfolgen könnte. Während der Schweigeminute wurde nur "Merkel raus" von ein paar wenigen skandiert.
2. naja man darf nicht vergessen
Nonvaio01 27.03.2016
das es fuer die meisten spieler im deutschen team noch um etwas geht. Da sind die freundschafts/test spiele eher stoerend. Ich schaue mir solche spiele garnicht mehr an.
3. Kein schöner Abend
tobo5824-09 27.03.2016
Habe ich das in der "Einzelkritik" (leider kein Forum) richtig gelesen? Emre Can als RV "zeigte eine starke Partie? Nix war das, gar nix. Und Hector auf der anderen Seite nicht besser, ebenso wie Rüdiger in der IV. Wie bitte sollen denn kreative Leute wie Müller oder Reus oder Özil vorne etwas reissen, wenn von hinten heraus (Kroos' und Hummels' Bemühungen in der 1. HZ ausgenommen) kein gescheiter Spielaufbau versucht wird? Zum Publikum: Natürlich ist es beschämend, wenn deutsche Zuschauer bei der gegnerischen Hymne pfeifen oder sich nicht mal eine Schweigeminute lang benehmen kann. Peinlich finde ich aber auch, wenn ca. 68.000 deutsche "Fans" es nicht hinkriegen, ca. 4.000 Engländern zu zeigen, wo Bartel den Most holt und ihre Mannschaft allein lassen. Ein trauriges Resultat der DFB-Politik, lieber auf ein Event- und Familienpublikum zu setzen statt Preise zu machen, die auch stadionerfahrene Bundesligafans zu zahlen bereit sind.
4.
nurEinGast 27.03.2016
Hab mir nicht alles angetan. Nachdem ich das erste mal eingenickt bin, hab ich umgeschaltet. Bis dahin war es ein ziemlich schlechtes Spiel. Pomadig,lahm, so als ob die Spieler nur mit 80% bei der Sache wären. Dazu simple Abspielfehler, Pässe, die nicht ankamen und eine Abwehr, die vor sich hin rumpelte. Über weite Strecken war ich mir nicht sicher, ob Köln, Ingolstadt oder wirklich die Nationalmannschaft spielt. In der Form gewinnt die Nationalmannschaft bei der EM keinen Blumentopf. Was bleibt, ist für mich die Erkenntnis, dass Deutschland momentan nur eine handvoll gute Spieler in der Nationalmannschaft hat. Ebenso hat man den Abschied von Lahm und Mertesacker bis heute nicht annähernd kompensieren können, die Verletzung von Boateng hat das schmerzhaft deutlich gezeigt.
5. Die Pfiffe bei der Nationalhymne gehören sich nicht
dancar 27.03.2016
Einige der Zuschauer hatten ein schlechtes Elternhaus weil bei der Hymne des Gegners zu pfeifen gehört sich nicht. Und bei einer der schönen Hymnen der Welt schon garnicht.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Top-Torjäger: Klose holt Gerd Müller ein
Deutsche Rekord-Nationalspieler
Name Jahre Spiele
Lothar Matthäus 1980-2000 150
Miroslav Klose 2001-2014 137
Lukas Podolski seit 2004 129
Bastian Schweinsteiger seit 2004 119
Philipp Lahm 2004-2014 113
Jürgen Klinsmann 1987-1998 108
Jürgen Kohler 1986-1998 105
Hans-Jürgen Dörner 1969-1985 105
Joachim Streich 1969-1984 105
Per Mertesacker 2004-2014 104
Franz Beckenbauer 1965-1977 103
Jürgen Croy 1967-1981 102
Thomas Häßler 1988-2000 101
Ulf Kirsten 1985-2000 100
Quelle: DFB

Fotostrecke
DFB-Trikot: Von Schnürkragen bis EKG

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: