Deutschlands Weg ins EM-Finale: Hallo Spanien, habt ihr das gesehen?

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Todesgruppe hin oder her - Bundestrainer Löw wird das DFB-Team ins EM-Finale führen. Dank einer Tormaschine und raffinierter Taktik-Kniffe haben die Niederlande, Italien und Co. keine Chance. SPIEGEL ONLINE blickt auf ein glorreiches Turnier voraus.

EM-Siegtorschütze Klose: Finalerfolg gegen Spanien Zur Großansicht
dapd

EM-Siegtorschütze Klose: Finalerfolg gegen Spanien

Jogi Löw hat gut Lachen. "Ich möchte dieses Ergebnis nicht überbewerten", so der Bundestrainer. Die Kamera schwenkt noch einmal auf den Rasen, wo ein verzweifelter Franck Ribéry um Fassung ringt. Was war passiert an diesem 29. Februar 2012? Die DFB-Elf hatte zu einem Testspiel ins Bremer Weserstadion geladen und dabei die Franzosen filetiert. 5:1 hieß es am Ende und spätestens jetzt war klar: Deutschland ist der Top-Favorit auf den EM-Titel.

Da hilft auch Cristiano Ronaldos Gestänker vor dem EM-Auftaktspiel gegen die Löw-Elf am 9. Juni in Lemberg nichts. "Deutschland muss gegen den zweit- und drittbesten Spieler der Welt bestehen", kündigt der Real-Star an, "also gegen mich." Mesut Özil hält auf der DFB-Pressekonferenz in fließendem Spanisch dagegen: "Un Ronaldrina no hace el verano", was soviel heißt wie "ein Ronaldo macht noch keinen Sommer". Deutschland siegt dank Treffern von Özil und Sami Khedira am Ende 2:0 und zeigt sich bestens gerüstet für das Spitzenspiel der Gruppe gegen die Niederländer.

Die haben im ersten Spiel gegen Dänemark nicht nur arge Probleme mit dem "unbequemsten Gruppengegner" (Löw), sondern auch schlimmes Verletzungspech. Arjen Robben zieht sich beim ersten Sprint eine Zerrung des Schambeins zu, Torschütze Rafael van der Vaart erleidet beim Jubel über seinen späten Siegtreffer einen Hexenschuss. Einen Tag später suspendiert Bondscoach Bert van Marwijk mit Ryan Babel eine weitere Offensivkraft, weil dieser zu spät zum Auslaufen gekommen war.

Nation in Sorge um Kloses Knöchel

Dementsprechend dezimiert präsentiert sich die niederländische Offensive im zweiten Gruppenspiel am 13. Juni in Charkow. Miroslav Klose bringt Deutschland nach einer Viertelstunde in Führung und hat kurz vor der Pause bei einem Konter das 2:0 auf dem Fuß. Nigel de Jong stoppt den Stürmer allerdings kurz vor der Strafraumgrenze mit einer Blutgrätsche. Klose muss mit einer Knöchelverletzung ausgewechselt werden, de Jong mit Rot vom Feld. "Aus der Ferne ist das schwer zu sagen, aber ich denke, für Miro ist das Turnier gelaufen", unkt TV- und Knöchelexperte Michael Ballack vor Millionen geschockter Zuschauer in der Halbzeit.

Den zweiten Durchgang dominieren elf Deutsche gegen zehn Niederländer, doch in der Nachspielzeit passiert es. Nach einem bösen Stellungsfehler von Per Mertesacker trifft dessen Londoner Teamkollege Robin van Persie zum späten Ausgleich. "Dieser Rückschlag kommt genau zur richtigen Zeit", grinst Teammanager Oliver Bierhoff in die Kamera. Ob er wirklich Recht behält?

Im abschließenden Gruppenspiel gegen Dänemark, das Portugal 3:0 bezwungen hat, reicht Deutschland ein Unentschieden zum Weiterkommen. "Wir wollen den Gruppensieg", gibt Löw die Devise aus. Der Bundestrainer will damit unbedingt ein Aufeinandertreffen mit Gastgeber Polen verhindern, der die Gruppe A überraschend anführt. Seine Mannschaft versteht die Botschaft. Deutschland gewinnt 3:0 durch einen lupenreinen Hattrick von Mario Gomez, der den verletzten Klose vertritt. Morten Olsen erklärt mit dem Schlusspfiff seinen Rücktritt und verkündet, dass er ab sofort das Jugendleistungszentrum des HSV leiten wird.

Capelllo: "Werden kein spezielles Elfmeterschusstraining absolvieren"

Somit trifft Deutschland im Viertelfinale auf den Zweiten der Gruppe A: Russland; während es die Niederlande mit Polen zu tun bekommen. Rechtzeitig zur K.o.-Runde ist auch Klose wieder fit, der einen Treffer zum 3:1-Sieg gegen die Russen beisteuert. Das Spiel wird zur absoluten Götze-Gala: Der (Noch-)Dortmunder erzielt zwei Tore und bereitet Kloses Treffer vor. "Vielleicht bin ich doch nur der dritt- und viertbeste Spieler der Welt", so Cristiano Ronaldo kleinlaut nach der Partie.

Im Halbfinale kommt es zum Klassiker zwischen Deutschland und England. "Wir werden kein spezielles Elfmeterschusstraining absolvieren, weil ich nicht denke, dass es ein Elfmeterschießen geben wird", so England-Coach Fabio Capello vor dem Spiel. Und "Bernd das Brot" - wie Capello von der "Bild"-Zeitung in der üblichen Medienschlacht vor dem Duell der Giganten genannt wird - sollte mal wieder recht behalten.

Deutschland gewinnt in der regulären Spielzeit knapp aber verdient 2:1. "Den Kopfball erwisch' ich natürlich im richtigen Moment, aber die Flanke von Mario Götze war auch sensationell", freut sich Siegtorschütze Mertesacker. "Hallo Spanien, habt Ihr das gesehen", singen die knapp 20.000 deutschen Fans nach dem Triumph. Der Titelverteidiger war bereits am Vortag durch ein hart erkämpftes 1:0 über die Niederlande ins Endspiel eingezogen.

Triumph der Super Marios

Das Finale von Kiew wird in die Geschichte eingehen. Löw überrascht bei der Aufstellung nicht nur alle Experten, sondern auch sein eigenes Team. Vor Manuel Neuer hat der Bundestrainer eine Dreier-Abwehrkette, bestehend aus Jérome Boateng, Holger Badstuber und Philipp Lahm gestellt. "Kreativ-Quintett im Mittelfeld lautet der Matchplan", grinst Bierhoff kurz vor dem Anpfiff in die Kamera.

Und tatsächlich: Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger, Mario Götze, Mesut Özil und Marco Reus spielen sich in einen Rausch. Die beiden schnellen Gegentore durch David Villa sind ebenso schnell durch die "Super Marios" ("Bild") Götze und Gomez ausgeglichen, so dass es mit einem 2:2 in die Kabine geht. Auch die zweite Hälfte bietet Fußball für Feinschmecker, doch ein Tor will einfach nicht fallen. Also geht es in die Verlängerung. "Schade, dass es kein Golden Goal gibt, sonst würde ich mich warmlaufen", grinst Bierhoff in die Kamera.

Beide Mannschaften suchen auch in den verbleibenden 20 Minuten den offenen Schlagabtausch. Dann die 117. Minute, Freistoß Deutschland von halblinks. Özil schnappt sich den Ball und tritt ihn flach in den Strafraum. Kurz vor der Linie hält Klose seinen Fuß in den Strahl, Carles Puyol hatte ihn für eine Nanosekunde aus den Augen gelassen. Von Kloses Knöchel prallt der Ball unhaltbar für Iker Casillas ins Tor der Spanier.

Deutschland ist Europameister.

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Wahnsinn....
doc 123 03.12.2011
Zitat von sysopTodesgruppe hin oder her - Bundestrainer Löw wird das DFB-Team ins EM-Finale führen. Dank einer Tormaschine und raffinierter Taktik-Kniffe haben die Niederlande, Italien und Co. keine Chance. SPIEGEL ONLINE blickt auf ein glorreiches Turnier voraus. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,801489,00.html
... den mittelmäßigen Trainer Löw, der es in seiner mehrjährigen Trainerlaufbahn, trotzdem er schon mehrfach auch durchaus sehr gute Teams trainiert hat, außer einem eher lächerlichen DFB-Pokalsieg noch zu gar keinem Titel gebracht hat, derartig hochzuschreiben. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall und der wird dann analog zu zu Guttenberg umso tiefer sein. Mannschaften wie von England, insbesondere mit einem Trainer Capello, Spanien oder Italien werden den Titel der DFB-Elf schon zu verhindern wissen... Analogien zu Bayern München sind dabei durchaus erlaubt und treffend. Diese müssten auf Grund des überlegenen Spielermaterials zumindest jedes Jahr Deutscher Meister werden. Werden diese aber nicht, da häufig genug mittelmäßig Trainer oder andere Umstände dies verhindern.
2. Wie es Barcelona so schön macht: mal den Ball flach halten!
kanalpirogel 03.12.2011
Klar, so ernst kann dieser Artikel hier nicht gemeint sein. Aber auch bei den seriöseren Artikeln tut Spiegel Online derzeit so, als sei Deutschland schon Europameister. Das nervt. Überheblichkeit hat noch keinem gutgetan. Diese Gruppe muss man erst mal überstehen. Es gibt keine Garantie, dass Deutschland weiterhin immer gegen Topteams Glanzleistungen abliefert und sich nur mal gegen schwächere Gegner hie und da einen Aussetzer leistet. Die Vorrunden der letzten großen Turniere waren immer Zitterpartien mit viel Licht und Schatten. Also warum nicht mal ein bisschen den Ball flach halten? Ja, diese Mannschaft ist ein Topfavorit und kann sich in einen wahren Rausch spielen. Aber gewonnen ist noch nichts!
3. Huch huch, wir haben alle so große Angst
dongiovanni25 03.12.2011
...Mensch, dass sich der SPIEGEL gerade so peinlich gibt in seinen Schlagzeilen... Holland, Italien & Co. zittern schon ganz mächtig - warum hier nach der Gruppenauslosung Italien genannt wird, ist mir schleierhaft... Geht es also darum, sich nicht mit Spanien Portugal und Dänemark zu messen, sondern mit Italien plötzlich?? Den Spanienern wollte man doch nacheifern... Mir kommt es so vor, als müsste nun ganz Deutschland laut pfeifen im Walde...um die Angst zu verscheuchen. Ja, toller Sieg gegen die Niederlande, die eigentlich gar nicht auf dem Platz, oder willens war, richtig Paroli zu bieten. Wie viel wetten wir, dass die Holländer bei der EM janz anders auftreten. Darf ich auch mal für den SPIEGEL hier schreiben? Den so einen Text bekomme ich auch noch zusammen, eigentlich, viel sachlicher... ForzAzzurri
4. titel
mm71 03.12.2011
Die Leistungsdichte bei einer EM ist hoch genug, dass alle möglichen Überraschungen vorstellbar sind, Stichwort Griechenland. Dennoch: Portugal und Dänemark sollten keim Problem sein, Holland ist zumindest schlagbar. Ich denke auch, nach den Leistungen dieses Jahres sollten sich eher die anderen Sorgen machen. Großer Vorteil für D ist, dass die Mannschaft inzwischen nicht mehr von 1-2 Spielern abhängig ist, sondern durchaus Ausfälle verkraften kann, zu denen es im Laufe eines Turniers immer kommt.
5. Was um alles in der Welt...
Mentar 03.12.2011
...reitet den SPIEGEL, solche Artikel zu schreiben? Das Einzige, was passieren kann, ist, dass wir uns noch mehr blamieren, wenn es nicht klappen sollte. Siehe das Geschreibsel der Damenmannschaft vor der WM, und die war definitiv noch aussichtsreicher. Ernsthaft, bitte Schluss mit diesem Blödsinn.
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