DFB-Affären Nur Zwanziger bleibt ganz ruhig

Ermittlungen gegen Schiedsrichter, Entmachtung des Vizepräsidenten, der Fall Amerell schwelt weiter: All das reicht offenbar nicht aus, den DFB-Präsidenten in Alarmstimmung zu versetzen. Theo Zwanziger sagt nur: "Wir werden das meistern." 

DFL-Präsident Rauball (l.), DFB-Präsident Zwanziger: Lage wird unterschiedlich bewertet
Getty Images

DFL-Präsident Rauball (l.), DFB-Präsident Zwanziger: Lage wird unterschiedlich bewertet


Hamburg - Nach dem vorläufig gescheiterten Mediationsverfahren zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Manfred Amerell will der Verband am Donnerstag über das weitere Vorgehen beraten. "Wir müssen überlegen, ob wir Richtung Amerell überhaupt einen Gesprächsbedarf haben", sagte Vizepräsident Rolf Hocke. Für Donnerstag sei ein Treffen mit ihm, DFB-Direktor Stefan Hans und dem Rechtsabteilungsleiter Jörg Englisch geplant. Möglicherweise stoße auch Verbandspräsident Theo Zwanziger hinzu.

Hocke, Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes, hat nach dem Streit zwischen Zwanziger und Vizepräsident Rainer Koch das einflussreiche Ressort Rechts- und Satzungsfragen von Koch übernommen. Hocke ließ offen, ob der Verband auf Amerells Vorschlag einer neuen Mediation eingehen werde.

Im Dauerstreit mit dem DFB hatte der frühere Schiedsrichtersprecher Amerell am Dienstagabend den Berliner Rechtsanwalt Michael Plassmann überraschend als neuen Mediator ins Spiel gebracht - unmittelbar nachdem der DFB das Mediationsverfahren für beendet erklärt hatte.

Zwanziger nach außen demonstrativ unbeeindruckt

Zwanziger war über ein Treffen von Koch mit Amerell verärgert gewesen, da er sich nicht rechtzeitig genug informiert sah. Daraufhin entschuldigte sich Bayerns Fußballchef in einer DFB-Mitteilung und tauschte die Ressorts mit Hocke - was allgemein als eine Entmachtung Kochs gewertet wurde. "Mein Wunsch war es nicht unbedingt", sagte Hocke über den Aufgabenwechsel. Er habe aber zu Zwanziger gesagt: "Wenn ich zur Befriedung des Ganzen innerhalb des DFB dazu beitragen kann mit diesem Tausch, dann mache ich das."

Dass das Erscheinungsbild des DFB durch die Steuerhinterziehungsvorwürfe gegen Schiedsrichter, die Degradierung Kochs und den Fall Amerell derzeit verheerend ist, lässt Zwanziger nach außen demonstrativ unbeeindruckt. "Wir hatten in den vergangenen Jahren schon schwierige Situationen zu meistern, da bringt mich die aktuelle Lage auch nicht aus der Ruhe. Wir werden auch das meistern", sagte Zwanziger der "Sport Bild".

Auf die von Generalsekretär Wolfgang Niersbach beklagte schlechte Außendarstellung des DFB entgegnete Zwanziger: "Der Fußball ist nun einmal keine heile Welt. Ich kann die Aussage von Wolfgang Niersbach durchaus verstehen, aber wir haben es hier mit Unzulänglichkeiten einiger Personen zu tun und diese sorgen - gepaart mit einer gewissen Hektik in der Öffentlichkeit - eben für ein wenig Durcheinander. Dass es zu solchen Situationen kommt, daran kann ich generell nichts ändern, ich muss und kann damit leben."

Rauball zeigt sich besorgt über Schiedsrichter

Weniger gelassen sieht dies indes der Chef der Deutschen-Fußball-Liga (DFL), Reinhard Rauball. Die Turbulenzen um deutsche Schiedsrichter bereiten ihm Sorgen. "Die Steuerermittlungssache bewegt sich nun schon in einem beachtlichen Bereich", sagte der Präsident des Bundesligisten Borussia Dortmund der "Süddeutschen Zeitung".

"Die Gesamtsituation, und ich rede jetzt bewusst von mir, hat natürlich ein ungutes Gefühl hervorgerufen. Das oberste Gut des Fußballs ist die Integrität des Wettbewerbs. Alles, was diese Integrität in Frage stellt - und öffentlich wird da gerade sehr viel in Frage gestellt - schadet dem Fußball." Leider sei dies im Moment kaum zu lösen, ergänzte Rauball.

Die Ermittlungen gegen 70 Schiedsrichter - darunter Bundesliga-Unparteiische - stünden erst am Anfang. "Der Nachteil daran ist, besonders aus unserer Sicht, dass diese Verfahren zeitaufwendig sind", gab Rauball zu bedenken und sprach von einer problematischen Lage. "Erst am Ende hat man die Fakten vorliegen, die man auch aus Sicht des Verbandes bewerten kann, und dann erst können Entscheidungen gefällt werden."

Auch der Ligapräsident sprach von "vielen diskussionswürdigen Schiedsrichterleistungen" an den vergangenen beiden Spieltagen, will dies jedoch nicht in den Kontext mit den Ermittlungen stellen: "Aber wird gerade auch gegen diese Schiedsrichter ermittelt? Ich weiß es nicht, und ich denke, es verbietet sich, hier einen Generalverdacht zu erheben."

Indirekt übte Rauball Kritik an Zwanziger. Dieser hatte unmittelbar nach Bekanntwerden des Falles gesagt, er gehe davon aus, "dass bei den allermeisten Fällen eher wenig oder überhaupt nichts herauskommen wird". Rauball kann sich gut vorstellen, "dass er den Satz heute nicht mehr sagen würde".

aha/dpa/dapd



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
doc 123 09.11.2011
1. Alzheimer!
Zitat von sysopErmittlungen gegen Schiedsrichter, Entmachtung des Vizepräsidenten, der Fall Amerell schwelt weiter: All das reicht offenbar nicht aus, den DFB-Präsidenten in Alarmstimmung zu versetzen. Theo Zwanziger sagt nur: "Wir werden das meistern."* http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,796786,00.html
Klar dass dieser Typ nichts mehr mitbekommt. Einfach NUR unfassbar, dass man Zwanziger immer noch an der Spitze des größten Sportvereins weltweit weiterwurschteln lässt. Wieviel Schaden muss der eigentlich noch verbreiten, um endlich abgelöst zu werden?
bambus07 09.11.2011
2. Zwanziger
Zitat von doc 123Klar dass dieser Typ nichts mehr mitbekommt. Einfach NUR unfassbar, dass man Zwanziger immer noch an der Spitze des größten Sportvereins weltweit weiterwurschteln lässt. Wieviel Schaden muss der eigentlich noch verbreiten, um endlich abgelöst zu werden?
scheint mir der typische Beamtentyp zu sein. Den Höhepunkt seiner Karriere hat er erreicht und nun sitzt er gelassen,unbekümmert und unerschütterlich bis zum Ruhestand auf seinem Thron. Quo vadis, deutscher Fußball?
Strg+C 09.11.2011
3. Meistern?
Zitat von sysopErmittlungen gegen Schiedsrichter, Entmachtung des Vizepräsidenten, der Fall Amerell schwelt weiter: All das reicht offenbar nicht aus, den DFB-Präsidenten in Alarmstimmung zu versetzen. Theo Zwanziger sagt nur: "Wir werden das meistern."* http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,796786,00.html
Eher aussitzen. Der Blatter Sepp macht das ja international ganz vorbildlich vor, also warum soll es auch bei uns nicht funktionieren?
gelldaschaust 10.11.2011
4. Frage
...an den Autor: Wie hätte er sich denn sonst geben sollen? Aufgeregt, zappelig, nervös?? Der Artikel ist absolut inhaltsleer.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.