DFB-Position Grindel bleibt E-Sport-Skeptiker

Welche Rolle soll der E-Sport im deutschen Fußball spielen? Wenn es nach dem DFB geht, dann eher eine kleine. Immerhin hat der Verband seine zuvor brüsk ablehnende Haltung etwas aufgegeben.

DFB-Präsident Reinhard Grindel
Bongarts/Getty Images

DFB-Präsident Reinhard Grindel


Der Deutsche Fußball-Bund hat seine ablehnende Haltung gegenüber E-Sport ein wenig aufgeweicht, bleibt aber bei seiner Skepsis. Engagement der Verbände wird sich nach DFB-Angaben vom Freitag aber auf fußballbezogene Spiele und Formate beschränken. "Um diese klare Abgrenzung und Ausrichtung auf die sportlich relevanten Computerspiele zu unterstreichen und missverständlichen Deutungen des Begriffs E-Sport vorzubeugen, sprechen die Fußballverbände in diesem Kontext von E-Soccer", hieß in einer Pressemitteilung des DFB nach einer Präsidiumssitzung in Frankfurt am Main.

Grindel hatte den E-Sport zuvor als "absolute Verarmung" bezeichnet und als "größte Konkurrenz" im Bemühen, Kinder in Sportvereine zu holen. "Mir war immer wichtig, auf die tatsächlichen Inhalte von E-Sport hinzuweisen und deutlich zu machen, dass wir als Verband die vor allem darunter zusammengefassten Gewaltspiele ablehnen", erklärte Grindel nun. "Wir wollen keine Spiele fördern, in denen Kinder auf andere schießen und das Ganze auch noch als Sport bezeichnet wird." Wenn dagegen fußballbezogene Spiele als Ergänzung zum Sport im Verein wirkten und über diesen Weg sogar der eine oder andere in den Verein kommen würde, fände dies Unterstützung.

Der größte Sportfachverband der Welt zeigt zudem Kompromissbereitschaft: "Voraussetzung für eine Mitgliedschaft von E-Sport-Vereinen im DFB ist zunächst die notwendige Anerkennung durch die jeweiligen Landessportbünde und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB)." Ob und wie stark sich die Regional- und Landesverbände beim E-Soccer selbst engagieren, sei ihnen selbst überlassen. Das übergeordnete gemeinsame Ziel für die Fußballverbände sei es, E-Soccer als eine Ergänzung des Vereinslebens zu betrachten, Kinder und Jugendliche aber dazu zu bewegen, aktiv Fußball zu spielen.

aha/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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jokl 20.04.2018
1. Ignoranz
Wie immer können sicht gewisse alte Menschen, nur sehr schwer an Veränderungen gewöhnen. Der E sport hat schon Ende der 90er begonnen, die Popularität einiger Spiele oder auch Spieler, ist mittlerweile auch nicht mehr nur ein Ding für Szenekenner. Auf der Welt gibt es Millionen von Spielern, darunter halt auch viele, die gerne anderen zusehen, um was zu lernen, weil es einfach Spaß macht, was auch immer der Grund ist, er unterscheidet sich kaum von dem Grund, die Schlafwagenbundesliga zu gucken. Die Gefechte in LoL, CS-GO und Co. sind sicher spannender und ausgeglichener als die Europäischen Top Ligen im Fußball!
shmubu 20.04.2018
2. Computerspielen im Fussbalbund?
Die Anerkennung von "e-soccer" als Dreingabe zum "richtigen" Fussball ist das Gegenteil der Anerkennung von E-Sports als eigenständigen, echten Sport. Ich bin kein Computerspieler, aber wenn Kegeln und Schach als Sport durchgehen, spricht für mich nichts gegen Computerspielen als Sport. Warum das irgendetwas mit dem DFB zu tun haben soll oder warum dessen Haltung dazu von Relevanz sein sollte, ist mir aber unklar.
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