Frage: Herr Löw, die deutsche Nationalmannschaft hat sich mit drei Siegen aus drei Spielen souverän als Gruppenerster für das Viertelfinale qualifiziert. Beim 2:1-Erfolg gegen Dänemark musste am Ende aber trotzdem noch mal gezittert werden, warum?
Löw: Das Spiel war schwierig, weil wir kaum etwas zu gewinnen hatten. In der ersten Halbzeit haben wir es versäumt, die Sache klar zu machen. Da hat uns bei drei, vier Situationen der Killerinstinkt gefehlt, um 3:0 oder 4:0 in Führung zu gehen. Aus dem Nichts, aus einem Standard, machten die Dänen ein Tor. Dann spielen andere Dinge eine Rolle. Wenn wir in Rückstand geraten wären, hätten wir auch mit sechs Punkten ausscheiden können.
Frage: Welche Erkenntnisse nehmen Sie mit aus dem Dänemark-Spiel?
Löw: Im Mittelfeld und hinten haben wir manchmal große Lücken gehabt. Da hätten wir die Dänen früher in den Griff bekommen müssen. Dadurch konnten sie das Spiel verschleppen. Auch die Chancenauswertung muss besser werden.
Frage: Das Gegentor fiel durch eine Standardsituation. Müssen Sie da etwas ändern?
Löw: Nein, in den vergangenen sieben, acht Jahren haben wir extrem wenige Tore nach Standards bekommen, weil unser Abwehr normalerweise im Raum gut funktioniert. Vor dem Tor wollten wir die Zuteilung für Bendtner schon korrigieren und Hummels nach hinten ziehen. Das haben wir auch reingerufen, aber es war im Spiel nicht wahrzunehmen. Zur Halbzeit haben wir es dann verändert.
Frage: Wie sehen Sie die Leistung von Lars Bender?
Löw: Lars hat sich gut eingefügt. Er gilt als Siegertyp wie sein Bruder Sven: Er hatte keine Angst, keinen überzogenen Respekt, auch wenn es eine völlig neue Aufgabe war. Als ich ihm mitgeteilt habe, dass er spielt, hat er gesagt: 'Ich freue mich'. Das sagt viel über Lars Bender.
Frage: Rückt dennoch Jérôme Boateng gegen die Griechen zurück ins Team?
Löw: Da fragen Sie mich zu viel unmittelbar nach dem Spiel. Ich möchte mich nicht zu früh in eine Richtung orientieren. Boateng hat es in den ersten zwei Spielen auch gut gemacht.
Frage: Im Viertelfinale kommt es nun zum Duell mit Griechenland. Was zeichnet die Mannschaft aus?
Löw: Die Griechen hatten in dem Turnier bisher drei Torchancen und haben drei Tore erzielt. Sie sind Meister der Effizienz. Aus vergangenen Turnieren ist ja schon bekannt, dass sie wahnsinnig gut verteidigen können. Sie werfen sich in alles, sind hartnäckig. Da beißen viele auf Granit. Für uns ist es eine gute Herausforderung, das zu lösen.
Aufgezeichnet von Jens Mende (dpa). Die Aussagen wurden aufgezeichnet bei einem Medientermin, an dem mehrere Journalisten teilgenommen haben.
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