DFB-Elf: Lehmann droht mit Rücktritt

Vor dem letzten Länderspiel des Jahres hat Jens Lehmann deutlich gemacht hat, dass er keine Lust hat, auch bei der WM 2006 die Reservistenrollen zu übernehmen. Bundestrainer Jürgen Klinsmann dagegen geht mit erstaunlichem Optimismus in die Partie in Frankreich.

Paris - "Es würde mir sehr, sehr schwer fallen, mich bei einem Turnier noch einmal auf die Bank zu setzen. Das ist mein aktuelles Gefühl, könnte aber in den nächsten Monaten keine Gültigkeit mehr haben", sagte Lehmann vor dem Spiel der DFB-Elf am Samstag in Paris gegen Frankreich (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Torwart Lehmann: "Vielleicht mein Abschiedsspiel"
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Torwart Lehmann: "Vielleicht mein Abschiedsspiel"

Der Schlussmann des FC Arsenal hatte es bei vier großen Turnieren seit 1998 nicht geschafft, die Nummer Eins zu werden. Lehmann steht zwar am Samstag im Zuge der Rotation im Tor und wird sein 28. Länderspiel bestreiten, allerdings dürfte bei der Weltmeisterschaft Oliver Kahn (FC Bayern München) gesetzt sein.

"Man muss jedem Trainer der Welt unterstellen, dass er nach bestem Gewissen und zum Wohle der Mannschaft entscheidet", erklärte Lehmann und fügt vieldeutig hinzu, "was ich sonst noch so denke, ist nicht so wichtig."

Dass Kahn in Deutschland nach wie vor die bessere Lobby hat, ist dem introvertierten Lehmann aber nach wie vor ein Dorn im Auge. "Es wäre traurig, wenn Lobbyisten oder sogenannte Experten über die Besetzung der Nationalelf entscheiden. Ich habe Klinsmann so kennengelernt, dass er sich davon in keiner Weise beinflussen lässt. Das wäre auch der erste Schritt zur Erfolglosigkeit. Als Spieler kann ich einen Trainer nur akzeptieren, wenn er seinen Worten auch Konsequenzen folgen lässt", erklärte der Schlussmann des FC Arsenal.

Im Hinblick auf die WM sieht Lehmann einen Vorteil darin, dass in der englischen Premier League im Winter durchgespielt wird, während Kahn einige Wochen Winterpause hat. Ob ihm das hilft, weiß der 36-Jährige aber selbst nicht ganz genau. "Es kann sein, dass das Spiel gegen Frankreich mein Abschiedsspiel ist. Das ist aber eine prinzipielle Einstellung von mir, so gehe ich in jedes Spiel."

Klinsmann will gegen Frankreich gewinnen

Zu den neuen Störfeuern des Herausforderers Lehmann wollte sich Klinsmann nicht äußeren. Den Bundestrainer beschäftigt vielmehr, wie man die Franzosen schlagen kann. Denn zum Jahresabschluss will Klinsmann unbedingt den ersten Sieg gegen eine sogenannte "große" Mannschaft schaffen. "Wir sind mit viel Selbstvertrauen nach Paris gekommen und wollen das Spiel gewinnen", sagte Klinsmann. Für sein Team sei diese Partie "ein wichtiger Gradmesser gegen eine Weltklassemannschaft. Ich erwarte eine sehr engagierte und gute Leistung. Das bleibt in der dreieinhalbmonatigen Pause hängen", betonte der Bundestrainer.

Größeren Druck würden er und seine Spieler nicht spüren, obwohl der letzte Sieg gegen einen Top-Gegner bereits über fünf Jahre (7. Oktober 2000, 1:0 in England) zurückliegt, versicherte Klinsmann: "Das ist kein Problem, weil wir wissen, dass wir auf dem Weg dahin sind, einen Großen zu schlagen. Sollte es diesmal nicht gelingen, dann eben bei der WM." Wie wichtig allerdings ein Erfolg am Samstag im "Stade de France" für das Selbstvertrauen und für die nötige Ruhe bis zum nächsten Länderspiel am 1. März 2006 in Italien sein würde, verdeutlichte der Nachsatz des Bundestrainers: "Der Tag wird kommen - umso früher, umso besser."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Frankreich:
Coupet/Olympique Lyon (32 Jahre/17 Länderspiele) - Sagnol/Bayern München (28/33), Thuram/ (Juventus Turin/33/109), Boumsong/Newcastle United (25/16), Gallas/FC Chelsea (28/36) - Govou/Olympique Lyon (26/19), Vieira (Juventus Turin/29/83), Makelele/FC Chelsea(33/39), Rothen/Paris Saint-Germain (27/10) - Henry/Arsenal London (28/74), Trezeguet/Juventus Turin (28/59)
Deutschland: Lehmann/Arsenal London (36/27) - Friedrich/Hertha BSC (26/31), Mertesacker/Hannover 96 (21/17), Huth/FC Chelsea (21/13), Jansen/Borussia Mönchengladbach (20/3) - Deisler/Bayern München (25/34), Frings/Werder Bremen (28/47), Ballack/Bayern München (29/60), Schweinsteiger (Bayern München (21/22) - Klose/Werder Bremen (27/49), Podolski/1. FC Köln (20/19)
Schiedsrichter: Bennett (England)

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