DFB-Gegner Färöer "Das wichtigste Spiel aller Zeiten"

Die Euphorie der Färinger vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland am Mittwoch (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Hannover ist riesengroß. Der dänische Trainer Henrik Larsen räumt seinem Team sogar Siegchancen ein und hat den Keeper mit der Pudelmütze im Kader, der einst Österreich vor der gesamten Fußball-Welt blamierte.


Hannover - Bei dem niedersächsischen Schmuddelwetter fühlen sich die Kicker der Färöer fast wie zu Hause: Sechs Grad, Wind, Nebel, Nieselregen - die besten Fußballer des "Fotboltssamband Föroya" stecken im Hotel "Fürstenhof" in Celle nur zu den Pflichtterminen die Nase vor die Tür. "Das wichtigste Spiel aller Zeiten" sei die Partie am Mittwoch in Hannover, ließ die Verbandsführung der insgesamt 6000 Insel-Fußballer schon lange vor ihrer Ankunft in Deutschland wissen. Erst vor 23 Jahren wurde der Verband gegründet, 1988 folgt die Aufnahme in den Weltverband Fifa, zwei Jahre danach in die Europäische Fußball-Union Uefa.

Trainer Henrik Larsen (M.) und Torwart-Legende Jens Martin Knudsen (l.)
DPA

Trainer Henrik Larsen (M.) und Torwart-Legende Jens Martin Knudsen (l.)

Isak Mikladal, hauptamtlicher Verbandsgeschäftsführer, sagt, dass die Partie gegen Deutschland für die Färinger "die ganz große Nummer ist". 700 Karten für das Spiel in Hannover hat er verkauft "und noch zwei in Dänemark". Man solle sich das mal vorstellen, sagt er: "700 Leute, das ist enorm, wo wir doch nur 47.000 Einwohner haben. Rechnen Sie das mal auf Deutschland um." Das hieße: 1,2 Millionen Zuschauer reisen zu einem Auswärtsspiel der deutschen Nationalmannschaft, obwohl sie ahnen, dass es eine Tracht Prügel gibt.

18 Inseln im Nordatlantik bilden die Färöer, die "Schafsinseln", die vor rund 700 Jahren zunächst von irischen Mönchen besiedelt wurden. 100.000 Schafe grasen zwischen den grünen Hügeln. Weniger als halb so viele Menschen leben im Dreieck zwischen Norwegen, Schottland und Island, die meisten von Fischfang und Tierzucht.

Nationalsport ist zwar Rudern, aber "Fußball hat die Färöer erst auf die Landkarte geschossen", ist ein Lieblingsspruch auf den Inseln. Vor allem ein kalter September-Tag im Jahr 1990 sorgte für internationales Aufsehen: Damals schlugen die Amateure der Färöer in der EM-Qualifikation die Profis aus Österreich mit 1:0. Der Holzhändler Torkil Nielsen schoss das Tor, der Gabelstaplerfahrer Jens Martin Knudsen hielt den eigenen Kasten sauber. Die Partie fand im schwedischen Landskrona statt, weil die Färöer kein taugliches Spielfeld hatten. Danach aber wurde mit einer Ladung Dynamit eine geeignete Spielfläche aus den Felsen bei Torshavn gesprengt.

Der Mann mit der Mütze als Maskottchen


Jener Knudsen, der Mann mit der Strickmütze und wohl bekanntester Fußballer der Färöer, ist in Hannover gegen Vizeweltmeister Deutschland noch immer dabei. Zwar ist der 35-Jährige nun hinter Jakup Mikkelsen, 32, nur zweite Wahl, aber sozusagen als Maskottchen weiter enorm wichtig. Bis auf Christian Hoegni Jacobsen (Vejle BK/Dänemark) und Torwart Mikkelsen (Molde FK/Norwegen) sind alle Nationalspieler in der eigenen Amateurliga aktiv.

Trainiert wird das Team vom Dänen Henrik Larsen, an den die Deutschen keine guten Erinnerungen haben. 1992 gewann er mit Dänemark das EM-Finale gegen die DFB-Auswahl unter Bundestrainer Berti Vogts. Den haben die Färinger jüngst mit Schottland wieder geärgert: Der Lehrer John Petersen schoss zwei Tore zum sensationellen 2:2.

Trotz der 0:2-Niederlage der Färöer am Samstag in Litauen ist Larsen optimistisch, Deutschland erneut ein Bein zu stellen. "Wir haben zwischen fünf und zehn Prozent Siegchancen. Wenn wir in der Abwehr gut stehen, so wie in der zweiten Halbzeit gegen Litauen, dann ist ein Unentschieden durchaus drin", sagt der frühere Torjäger.



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