DFB-Hallenpokal Keine Zukunft mehr

Der DFB-Hallen-Pokal steht vor dem Aus. Die meisten Bundesligisten schonen ihre Stars und bieten stattdessen Amateur- und Reservistenteams auf.


Mainz gegen Unterhaching: Die grauen Mäuse starten durch
AP

Mainz gegen Unterhaching: Die grauen Mäuse starten durch

Stuttgart - "Wir müssen nach dem Finale in Dortmund am Samstag und Sonntag eine klare Analyse vornehmen", zeigte sich DFB-Ligadirektor Wilfried Straub nach den negativen Erfahrungen beim Auftaktturnier am vergangenen Wochenende in Stuttgart besorgt.

Von sechs gestarteten Erstligisten waren fünf sang- und klanglos ausgeschieden. Die Spielvereinigung Unterhaching gewann das Turnier. Neben den Münchner Vorstädtern qualifizierten sich die Zweitligisten FSV Mainz 05 und SSV Reutlingen.

Auch der kommissarische DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der jüngst noch den Solidar-Gedanken innerhalb des Lizenzfußballs gepriesen hatte, war über das mangelnde Engagement der Eliteclubs sauer: "Ich habe viele gute Spieler auf der Tribüne gesehen." Dem künftigen DFB-Boss sind jedoch die Hände gebunden. "Es gibt kein Reglement, mit dem wir die Vereine zwingen können, die besten Profis auch einzusetzen. Es muss nachdenklich machen, dass nur ein Erstligist, aber zwei Zweitliga-Vertreter die Endrunde erreichten."

"Hallenfußball hat keine große Überlebenschance"

Stellvertretend für die Ablehnung der Spitzenclubs steht die Einschätzung von Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld: "Der Hallenfußball hat keine große Überlebenschance, weil die Vorbereitungszeit einfach zu kurz ist." Für Dortmund kündigte der Trainer des bereits qualifizierten Meisters ein Reserve-Team an.

Unterstützung erhält Hitzfeld von seinem Stuttgarter Kollegen Ralf Rangnick. "Hallenfußball ist eigentlich nur bis zur B-Jugend sinnvoll. Wenn zu viel Körpereinsatz im Spiel ist, macht es keinen Sinn mehr."

Doch DFB-Mann Straub sieht die Schuld bei den Clubs: "Die Liga hat sich in demokratischer Abstimmung für diese Form des Hallenturniers entschieden. Wir haben eine Bringschuld gegenüber Sponsoren, Fernsehen und vor allem den Zuschauern."

Erstligisten ist die Bundesliga-Vorbereitung wichtiger

Doch das Hauptaugenmerk der Erstliga-Vereine liegt auf der Vorbereitung für die in rund drei Wochen wieder beginnende Bundesliga. Im kommenden Jahr wird die Situation noch prekärer. Wegen der frühzeitig beginnenden WM-Endrunde in Japan und Südkorea scheint für ein "Hallen-Masters" kaum noch Platz zu sein, zumal die Bundesliga bereits am 20. Januar 2002 ihren Spielbetrieb wieder aufnimmt. Schon in dieser Saison werden die vier Hallenturniere in nur neun Tagen abgespult.

Zudem laufen die Verträge des DFB mit seinen Sponsoren und dem Fernsehen in diesem Jahr aus. Der übertragende Sender DSF hat weiterhin Interesse an einer Austragung des Turniers. "Das ist eine ganz wichtige Sache für uns", meinte DSF-Produktmanager Andreas Barth angesichts von durchschnittlich rund 1,1 Millionen Zuschauern an beiden Tagen.

Gute Einschaltquoten, unzufriedene Turnierzuschauer

"Die Halle war zu 85 Prozent ausgelastet", sagte Mayer-Vorfelder und kehrte das Interesse auch bei den Besuchern vor Ort als positiven Aspekt heraus. Doch die Zuschauer dürften bei Eintrittspreisen von bis zu 55 Mark nicht nur wegen des schwachen Niveaus enttäuscht gewesen sein.

Finanziell gelohnt dagegen hat sich der Auftritt in Stuttgart zumindest für die besten Teams. Unterhaching kassierte neben den für alle Erstligisten obligatorischen 60.000 Mark Antrittsgeld zusätzlich eine Siegprämie von 175.000 Mark. Dem Sieger beim Masters-Finale winken nochmals 60.000 Mark. Insgesamt werden in den vier Turnieren 3,785 Millionen Mark verteilt.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.