DFB-Hallenpokal Schleichender Tod

Bei der 14. Endrunde des DFB-Hallenpokals am Wochenende in Dortmund herrschte bei den meisten Vereinsvertretern Beerdigungsstimmung.


DFB-Hallenpokal: Wenn Spaß zur Pflichtübung wird
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DFB-Hallenpokal: Wenn Spaß zur Pflichtübung wird

Dortmund - Das einstmals als Budenzauber gefeierte Spektakel wurde von vielen Managern, Profis und Trainern nur noch als lästige Pflichtübung sowie von diversen Fans nur noch als Mogelpackung empfunden. Vehementer denn je setzen sich die Kritiker für eine Abschaffung ein. "Die Veranstaltung hat nur eine Zukunft, wenn wir eine längere Winterpause haben", sprach Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs Klartext.


Verärgerte Fans


Verlockt durch die gute Verdienstmöglichkeit von bis zu 295.000 Mark, stimmten alle 36 Vereine aus 1. und 2. Bundesliga einer diesjährigen Teilnahme zwar zu, interpretierten ihre Startverpflichtung aber auf unterschiedliche Weise. Während die meisten Zweitligisten ihre Chance auf einen für ihre Verhältnisse lukrativen Nebenverdienst witterten und ihre besten Profis einsetzten, bestimmten bei den Top-Clubs zur Verärgerung der Fans zumeist unbekannte Gesichter das Geschehen. "Ich bin schockiert", klagte Harald Strutz, Vizepräsident des neu gegründeten Ligaverbandes und Chef des FSV Mainz 05, beim Finale in der gut gefülltenWestfalenhalle, "die Bayern sind hier mit einer A-Jugend-Truppe aufgelaufen."


Eine Besserung ist nicht in Sicht. Wegen der WM in Japan und Korea im Jahr 2002 wird die Pause im kommenden Winter um eine weitere Woche kürzer ausfallen. Laut Michael Henke, der den mit seinen besten Profis im südspanischen Trainingslager weilenden Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld in Dortmund vertrat und mit seiner B-Mannschaft am ersten Tag ausschied, empfanden die Münchner die Teilnahme bereits in diesem Jahr als Höchststrafe. "Wenn wir nicht als deutscher Meister hätten teilnehmen müssen, hätten wir nicht teilnehmen können", klagte der Co-Trainer mit Verweis auf den internationalen Terminkalender, der den Profis kaum noch Zeit zur Regeneration einräumt.


"Nicht mehr zeitgemäß"


Der DFB hatte bereits mit einer Verkürzung der Hallenrunde auf nur drei Qualifikationsturniere in Stuttgart, Riesa, Hannover sowie dem Finale in Dortmund auf diese Klagen reagiert. Gleichwohl steckt der Veranstalter in einem Dilemma: Solange die Fans wie in diesem Jahr 95 Prozent der Karten kaufen und den TV-Sendern zufrieden stellende Einschaltquoten bescheren, verbietet der kaufmännische Sachverstand eine Abschaffung des Hallenfußballs. Dass Trainer Hitzfeld selbigen unlängst als "nicht mehr zeitgemäß" abqualifizierte, brachte DFB- Ligadirektor Wilfried Straub nicht zuletzt deshalb auf die Palme: "Solche Aussagen sind unnötig. Auch Herr Hitzfeld ist ein Teil des Ganzen. Es hat keinen Alleingang des DFB gegeben, schließlich haben alle Proficlubs zugestimmt."

Doch der seit Jahren als Hallenfußball-Befürworter bekannte Straub wird die Entwicklung kaum aufhalten können. Spekulationen über angeblich bestehende vertragliche Verpflichtungen für die kommende Indoor-Saison hatte Ligaverband-Präsident Werner Hackmann bereits am Donnerstag beim Turnier in Hannover dementiert: "Wir sind an keine Sponsoren- oder Fernsehverträge gebunden. So sind wir frei in unseren Entscheidungen."



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