DFB-Kapitän Lahm: "Das Team braucht einen guten Trainer - und unserer ist gut"
Philipp Lahm will seinen Anspruch auf das Kapitänsamt nicht als Angriff auf Michael Ballack verstanden wissen. Er erklärte nach der Niederlage gegen Spanien aber erneut, Spielführer bleiben zu wollen - und sprach sich für Bundestrainer Joachim Löw aus.
Hamburg - Auf der Pressekonferenz am Tag nach der Halbfinalniederlage gegen Spanien hat Philipp Lahm seinen Führungsanspruch in der Nationalmannschaft bestätigt. "Das ist doch klar, dass man sein Amt behalten will, wenn man Spaß an so einer Aufgabe hat. Und ich habe Spaß daran, die Mannschaft zu führen", so Lahm. "Es wäre schlimm, wenn ich dieses Amt nicht weiter ausführen wollen würde."
Er betonte aber, dass sein dauerhafter Anspruch auf die Kapitänsbinde in der deutschen Nationalmannschaft "kein Angriff" auf Michael Ballack sei. "Es ist auch überhaupt kein Machtkampf, denn die Macht liegt nur bei einer Person, und das ist der Trainer", sagte Lahm.
Nach dem verletzungsbedingten Ausfall Ballacks war Lahm von Bundestrainer Joachim Löw zum WM-Kapitän ernannt worden. Eine dauerhafte Lösung des Problems soll nach der Weltmeisterschaft gefunden werden. Sollte Ballack das Amt zugesprochen werden, "habe ich keine Probleme damit", so Lahm. "Unser Verhältnis wird so sein wie vorher auch."
Ein weiterer möglicher Konflikt wurde unterdessen schon ohne das Zutun des Bundestrainers entschärft - die Frage nach der künftigen Nummer eins im deutschen Tor. Leverkusens Keeper René Adler, der vor der WM zum Stammtorwart der DFB-Elf erklärt worden war, sieht sich nach den starken Leistungen von Manuel Neuer bei der WM nur noch als Nummer zwei. "Manuel hat nun einen Vorsprung. Es ist okay, dass ich mich jetzt erst mal ins zweite Glied stelle. Alles andere wäre Quatsch", sagte Adler der "Bild"-Zeitung. Der 25-Jährige hatte seine Teilnahme wegen eines Rippenbruchs absagen müssen. "Man muss die Leistung von Manuel Neuer und der ganzen Mannschaft honorieren und respektieren."
Auch Lahm sprach auf der Pressekonferenz von einem sehr guten Turnier und großer Qualität in der Mannschaft. Allerdings betonte er auch die große Enttäuschung, die derzeit vorherrsche. "Nun müssen wir weiter daran arbeiten, um Titel mitspielen zu können."
Unter wessen Leitung dieses Vorhaben umgesetzt werden soll, daran ließ Lahm keinen Zweifel. "Das Team braucht einen guten Trainer - und unser Trainer ist gut." Letztlich sei dies die Entscheidung Löws und des DFB-Präsidiums. "Aber jeder weiß, was wir von ihm halten."
Co-Trainer Hans-Dieter Flick sagte zu den Gründen für die Niederlage: "Spanien hatte schnellere Passfolgen, unser Mittelfeld hatte keinen Zugriff. Und wenn wir mal in Ballbesitz waren, wurden die Angriffe nicht so abgeschlossen wie in den vorigen Spielen."
Im Spiel um Platz drei gegen Uruguay am Samstag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) überlegt das DFB-Trainerteam "dem ein oder anderen eine Belohnung zu geben, der bis jetzt nicht gespielt hat". Das hätten sich die Spieler verdient.
Anschließend kehrt das Team zunächst ins Mannschaftshotel "Velmore Grande" zurück, um dann die Heimreise nach Deutschland anzutreten. Anders als 2006 und 2008 wird es aber bei der Rückkehr keinen großen Empfang geben. Der Mannschaftsrat hatte sich zuvor gegen einen Auftritt am Brandenburger Tor in Berlin ausgesprochen, falls man nicht in das Endspiel einziehe.
jar/dpa/sid
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