DFB-Nachwuchs Ein dritter Platz, der Hoffnung macht

Deutschlands Fußball-Junioren haben bei der EM im eigenen Land den dritten Platz erreicht. Die DFB-Auswahl gewann in Aichach das "kleine Finale" gegen Tschechien mit 3:1.


Michael Fickert (r.) setzt sich gegen seinen Gegenspieler Tomas Pesir durch
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Michael Fickert (r.) setzt sich gegen seinen Gegenspieler Tomas Pesir durch

Heilbronn/Aichach - Deutschlands Fußball-Hoffnungsträger haben mit dem dritten Platz bei der Junioren-Europameisterschaft "Unter 18 Jahren" Werbung für die zuletzt gescholtene Nachwuchs-Arbeit gemacht und den Schwarzmalern vorerst die Argumente genommen. Durch den 3:1 (0:1)-Sieg im "kleinen Finale" am Sonntag gegen Tschechien gelang der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach der erfolgreichen Qualifikation für die "U 20"-WM 2001 in Argentinien auch das beste EM-Resultat nach dem Titelgewinn 1981 und den zweiten Plätzen 1994 und 1998.

"Selbstverständlich war das auch für mich eine große Genugtuung. Nach der Niederlage gegen die Ukraine waren die Messer schon gewetzt und erste Stiche gesetzt. Aber die Mannschaft hat sich in keiner Phase beeinflussen lassen", gestand DFB-Trainer Uli Stielike nach dem erfolgreichen Abschneiden seines Teams, für das vor allem die WM-Qualifikation der große Erfolg war.

"Es ist eine große Genugtuung für einen Trainer, wenn er etwas zurückbekommt. Und für die Spieler ist die Teilnahme an der 'U 20'-WM mit Gold nicht aufzuwiegen", meinte der ehemalige Assistent von Ex-Teamchef Erich Ribbeck weiter. Nach dem EM-Desaster der deutschen Nationalelf standen die DFB-Junioren unter besonderer Beobachtung der Medien und bewährten sich mit Siegen gegen die Niederlande (3:0), Kroatien (3:2) sowie gegen die Tschechen. Dabei bewies der DFB-Nachwuchs vor 3500 Zuschauern in Aichach erneut Engagement und Charakter und bezwang die Gäste nach einer schwachen ersten Hälfte durch eine enorme Leistungssteigerung im zweiten Abschnitt. Nach Tschechiens früher Führung trafen Guiseppe Gemitit von Eintracht Frankfurt (49.), Benjamin Auer von Borussia Mönchengladbach mit einem an ihm selbst verschuldeten Foulelfmeter (64.) und Lars Jungnickel von Dynamo Dresden (69.). Auer zog in der EM-Torschützenliste mit seinem dritten Treffer mit dem bislang allein führenden Finnen Mikael Forssell gleich.

Die Freude über das Erreichte überwog den Frust nach dem verpassten Finale. "Gerade nach dem schlechten Abschneiden der A-Nationalmannschaft bei der Euro haben viele davon geredet, dass die 'U 18' in das selbe Fahrwasser geraten würde. Das war nicht der Fall, daher ziehe ich ein durchweg positives Fazit", bilanzierte Stielike weiter. Der Jahrgang 1981 machte bei den Experten auch Hoffnungen für die WM 2006 im eigenen Land. "Man sieht, dass wieder ein guter Jahrgang heranwächst, der leistungsbereit ist", lobte Ex-Weltmeister Guido Buchwald, Sportdirektor des Karlsruher SC.

"Das ist ein sehr großer Erfolg für uns, zumal uns nach dem 0:1 zum Auftakt gegen die Ukraine schon jeder abgeschrieben hatte", sagte Kapitän Michael Zepek. "Er ist umso höher einzuschätzen, wenn man sieht, dass andere große Nationen wie Italien, England oder Portugal schon in der Qualifikation gescheitert waren. Es freut mich auch besonders für Herrn Stielike, weil er in der A-Nationalelf so viel Kritik abbekommen hat." Auer machte den Erfolg an deutschen Tugenden fest: "Unser Teamgeist war Ausschlag gebend. Bei uns passt einfach alles zusammen."

Nun müssen sich die "jungen Wilden" aber in den kommenden Monaten einen Platz in ihren Vereinen erkämpfen. Diesbezüglich ist Stielike allerdings skeptisch: "Nur, wenn wir Vereinstrainer haben, die der Jugend Vertrauen entgegen bringen, verläuft nicht alles im Sande. Aber der Druck auf alle Mannschaften in der Bundesliga ist so groß, dass man wohl erstmal zufrieden sein muss, wenn die Jungs Stammspieler in der Regionalliga werden, einige vielleicht in der zweiten Liga."

Gleichwohl ist Stielike davon überzeugt, dass mehrere seiner Akteure in naher Zukunft den Sprung nach ganz oben schaffen werden: "Neun bis zehn Spieler haben das Zeug, in zwei Jahren in der Bundesliga zu spielen. Und von da zur Nationalmannschaft ist es dann nicht mehr ein so großer Schritt."



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