DFB-Pleite gegen Frankreich: Ärgernis Abwehr

Von und , Bremen

Die Niederlage der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Frankreich hat die hohen EM-Erwartungen gedämpft. Dabei war die Pleite kaum mehr als ein Betriebsunfall, Trainer und Spieler zeigen sich gelassen. Aber die Abwehr des DFB-Teams gibt tatsächlich Anlass zur Sorge.

DPA

Jetzt kann es nur noch eine gute Europameisterschaft für Deutschland werden. Die Generalprobe ist gründlich daneben gegangen. So wie schon vor der WM 2006, als die DFB-Elf gegen Italien verlor (1:4). Und wie vor der WM 2010, als es eine Niederlage gegen Argentinien (0:1) gab. Was folgte, waren großartige Turniere der DFB-Teams mit jeweils Platz drei als Ergebnis.

Mit der 1:2 (0:1)-Niederlage gegen die Franzosen am Mittwochabend hat sich die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw in diese Serie eingereiht. Entsprechend ruhig war die Gemütslage bei Offiziellen und Spielern nach dem Spiel in Bremen, von Panikstimmung keine Spur. Es war die erste Länderspielpleite nach zuvor zehn ungeschlagenen Partien der Nationalmannschaft.

Mittelfeldspieler Toni Kroos fand es "nicht besonders dramatisch, dass wir verloren haben". Offensivmann André Schürrle, der Sekunden vor der Halbzeit mit einer Nasenverletzung ausgewechselt werden musste, stellte fest, man solle "die Niederlage nicht überbewerten". Und Verteidiger Mats Hummels sah gar den Vorteil, dass die Mannschaft "jetzt wieder geerdet" sei: "Wenn wir hier 3:0 gewonnen hätten, hätte doch jeder gesagt, dass wir Europameister werden müssen." Das sagte nach der Partie niemand. Im Gegenteil: Schon nach 28 Spielminuten trauten sich die ersten Zuschauer im Weserstadion zu pfeifen.

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DFB-Einzelkritik: Risiko Aogo, Retter Cacau
Löw hatte ohnehin schon vorgebaut, als er in den vergangenen Tagen immer wieder betont hatte, dass "man die EM-Vorbereitung nicht von einem einzelnen Ergebnis abhängig machen" werde. So blieb der Bundestrainer auch nach dem Spiel bei seiner Linie: "Der Plan für die EM steht, ganz egal, ob wir hier verloren haben oder gewonnen hätten."

Vom Gewinnen war sein Team zuvor allerdings weit entfernt gewesen. Die Niederlage war vollkommen verdient. Auf der einen Seite wirkten die Franzosen ball- und kombinationssicherer, auf der anderen Seite agierte eine deutsche Abwehr, die dem Bundestrainer bei aller demonstrativen Gelassenheit doch Sorge bereiten muss.

Beim ersten Gegentor nach 21 Minuten hatten die Innenverteidiger Hummels und Holger Badstuber dem französischen Stürmer Olivier Giroud großzügig die Abwehrzentrale überlassen, damit der in Ruhe am chancenlosen Torwart Tim Wiese vorbei einschieben konnte. Außenverteidiger Dennis Aogo, der sich mehr schlecht als recht mühte, den verletzten Kapitän Philipp Lahm zu ersetzen, war zuvor mit einem einfachen Trick ins Leere geschickt worden.

Der Hamburger Abwehrspieler wurde auch vor dem zweiten französischen Treffer durch Florent Maouda (67.) düpiert, er wirkte zeitweise überfordert. Sieger des Abends war denn wohl neben Lahm auch der Dortmunder Linksverteidiger Marcel Schmelzer, der sich von der Bank aus ansehen konnte, wie sich sein Konkurrent Aogo selbst um seine EM-Chancen gebracht hat.

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DFB-Testspiel: Betriebsunfall in Bremen
Da zudem auch der Münchner Jérôme Boateng seine bekannten Schwächen auf der rechten Außenseite zeigte, musste Löw dann doch anmerken: "Daran müssen wir arbeiten." In einem Nebensatz fügte er noch an, dass die Abwehrarbeit ja auch in anderen Spielen "nicht das Gelbe vom Ei gewesen" sei.

Sein französischer Kollege Laurent Blanc, zufrieden mit sich und seinem Team, sprach "von einigen Schwächen der Deutschen in der Defensive, die uns vorher bekannt waren". Damit hatte er die größte Baustelle beim EM-Favoriten Deutschland benannt. Die Abwehr ist nicht titelreif - zumindest noch nicht.

"Man zieht aus solchen Spielen negative, aber auch positive Erkenntnisse", sagte Löw nach dem Abpfiff. Zu ersteren gehört sicher, dass einige der jungen Nationalspieler wie Schürrle, Kroos oder Thomas Müller zurzeit überspielt wirken. Dass Mario Gomez seine unerschütterliche Selbstsicherheit eingebüßt hat und dass man auf Leistungsträger wie Lahm und Bastian Schweinsteiger, die in Bremen verletzt gefehlt hatten, nicht so leicht verzichten kann.

Auf der anderen Seite lieferte der Mönchengladbacher Marco Reus ein ordentliches Startelf-Debüt ab, auch wenn er laut Löw "gemerkt haben dürfte, dass Frankreich ein anderer Gegner ist als ein Bundesliga-Mannschaft". Wiese bewies zudem mit mehreren starken Paraden, dass man ihn gefahrlos als Keeper anstelle von Stammtorwart Manuel Neuer einsetzen kann, wenn es notwendig sein sollte.

Die Niederlage von Bremen ist ein Dämpfer für die zuletzt fast überschwappende EM-Erwartungshaltung in Deutschland. Die ist dem Bundestrainer "ehrlich gesagt, mittlerweile total egal". Löw ist nur das Turnier wichtig. Aber das kann nach der verpatzten Generalprobe ja nur gut werden.

Deutschland - Frankreich 1:2 (0:1)
0:1 Giroud (21.)
0:2 Malouda (69.)
1:2 Cacau (90.+1)
Deutschland: Wiese - Boateng, Hummels, Badstuber (46. Höwedes), Aogo - Khedira (70. Lars Bender), Kroos - Reus (70. Cacau), Özil, Schürrle (45. Müller) - Klose (46. Gomez)
Frankreich: Lloris - Debuchy, Rami, Mexes, Abidal - M'Vila (62. Malouda), Cabaye (62. Alou Diarra) - Nasri, Valbuena (68. Amalfitano), Ribéry (46. Menez) - Giroud (76. Saha)
Schiedsrichter: Tagliavento (Italien)
Zuschauer: 37.800 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Lars Bender - Mexes

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insgesamt 58 Beiträge
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1. Abwehr
javra 01.03.2012
Der Artikel vergisst, dass, wie Müller ja auch gesagt hat, das Mittelfeld so dermaßen schlecht nach hinten gespielt hat, dass die Abwehr ziemlich alleine war...
2. Alles richtig gemacht
Johann2601 01.03.2012
"Bist du starrk, erscheine schwach...." Sunzi, China ca. 500 vCh
3. Richtiger Riecher!
Florian_Geyer 01.03.2012
Zitat von sysopDie Niederlage der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Frankreich hat die hohen EM-Erwartungen gedämpft. Dabei war die Pleite kaum mehr als ein Betriebsunfall, Trainer und Spieler zeigen sich gelassen. Aber die Abwehr des DFB-Teams gibt tatsächlich Anlass zur Sorge. DFB-Pleite gegen Frankreich: Ärgernis Abwehr - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,818533,00.html)
Ich habe mir das Spiel nicht angesehen, warum auch? Freundschaftsspiele deutscher Mannschaften öden nur noch an. Es ist doch klar, dass man nicht kämpft als ginge es um etwas und wer will schon verletzt ausscheiden und dann im Endspurt um die deutsche Meisterschaft nicht dabei sein. Wer die letzten Freundschaftsspiele Revue passieren läßt kann nur abwinken. Interessant nur, dass es immer noch Fans gibt, die Eintrittskarten für Freundschaftsspiele kaufen- rausgeworfenes Geld. Ansonsten, mein Kritik in verschiedenen Foren bleibt: Mit Löw wird die deutsche Nationalmannschaft nie einen Titel holen.
4. Bring back the Briegels?
ogniflow 01.03.2012
Jugoslawien reloaded Die Mannschaft von Herrn Löw ist in der Lage betörend schönen Fußball zu spielen ( wenn sie in Führung liegt und kontern kann ). Vergleichbar mit den ewig in Schönheit sterbenden Holländern - oder z.B. Jugoslawien von 1960-90. Gewinnen kann man auf diese Art Sympathiepunkte - ein Turnier eher nicht, denn irgendwann kommt der Moment wo man mental in der Lage sein muß ein Spiel zu drehen. Das kann diese Mannschaft dann eben nicht, da fehlt es dann doch an den viel geschmähten " deutschen Tugenden ". Meine Freunde im Ausland sind vom neuen Stil der NM begeistert - die Furcht von einer durchschnittlichen, deutschen NM besiegt zu werden, die ist verloren gegangen. Freuen wir uns auf 3,4 oder 5 schöne Spiele bei der EM - einen Titel wird es so aber niemals geben. Spieler wie Trash (!) oder Aogo in der Abwehr hätte es bei den "Rumpelfußballern" nicht gegeben - dann lieber Karl-Heinz Förster.
5. .
frubi 01.03.2012
Zitat von javraDer Artikel vergisst, dass, wie Müller ja auch gesagt hat, das Mittelfeld so dermaßen schlecht nach hinten gespielt hat, dass die Abwehr ziemlich alleine war...
Die Kompaktheit war in der 2 HZ einfach futsch. Die 1ste HZ hat mir noch gut gefallen. Danach war es ein schlechter Kick unserer Jungs. Aogo und Cacao haben meiner Meinung nach nichts in der N11 zu suchen. Reus muss mehr lernen, seine Lietsung auch auf verschiedenen Positionen abzurufen. Der war gestern auch nicht wirklich im Spiel. Man sollte sich aber nicht in die Hose machen. Rethy hat gestern zu recht die beiden Spiele gegen Italien (2006) und Argentinien (2010) angesprochen. Danach war die Turnierleistung auch sehr gut. Zudem darf man in einer solchen Gruppe durchaus scheitern. Gegen Holland und Portugal wird es richtig schwer und wenn man dann unglücklich Dritter wird, ist das noch längst kein Beinbruch.
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DFB-Kader
Tor Manuel Neuer (FC Bayern München), Tim Wiese (Werder Bremen)

Abwehr Dennis Aogo (Hamburger SV), Holger Badstuber (FC Bayern München), Jerome Boateng (FC Bayern München), Benedikt Höwedes (FC Schalke), Mats Hummels (Borussia Dortmund), Marcel Schmelzer (Borussia Dortmund), Christian Träsch (VfL Wolfsburg)

Mittelfeld Lars Bender (Bayer Leverkusen), Sven Bender (Borussia Dortmund), Sami Khedira (Real Madrid), Toni Kroos (FC Bayern München), Thomas Müller (FC Bayern München), Mesut Özil (Real Madrid), Marco Reus (Borussia Mönchengladbach), Simon Rolfes (Bayer 04 Leverkusen), André Schürrle (Bayer 04 Leverkusen)

Angriff Cacau (VfB Stuttgart), Mario Gomez (FC Bayern München), Miroslav Klose (Lazio Rom)

DFB-Spielplan 2012
Datum Gegner Wettbewerb Ergebnis
29.02 Frankreich Testspiel 1:2
26.05 Schweiz Testspiel 3:5
31.05 Israel Testspiel 2:0
09.06 Portugal EM-Vorrunde 1:0
13.06 Niederlande EM-Vorrunde 2:1
17.06 Dänemark EM-Vorrunde 2:1
22.06 Griechenl. EM-Viertelfinale 4:2
28.06 Italien EM-Halbfinale 1:2
15.08 Argentinien Testspiel 1:3
07.09 Färöer WM-Quali 3:0
11.09 Österreich WM-Quali 2:1
12.10 Irland WM-Quali 6:1
16.10 Schweden WM-Quali 4:4
14.11 Niederlande Testspiel 0:0