Bochums Niederlage gegen München "...dann geht er liegen"

Bochum hat den FC Bayern im Pokalviertelfinale genervt. Bei Sparbeleuchtung glänzte bei den Münchnern vor allem Thomas Müller, Arjen Robben sorgte für einen Aufreger. Alles Wichtige zur Partie im Überblick.

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Die Ausgangslage: Da die eine der beiden Mannschaften der FC Bayern München war, erübrigt sich die Frage nach dem Favoriten. Der VfL Bochum ist immerhin Tabellenfünfter der zweiten Liga und noch in Reichweite der Aufstiegsränge.

Das Ergebnis: 3:0 (1:0) für Bayern München.

Die erste Hälfte: Bochum wollte die Bayern mit aggressivem Spiel überraschen - und das klappte enorm gut. Der VfL attackierte den Gegner so früh, dass Manuel Neuer bei Abstößen seine Abwehrkette nicht anspielen konnte. Alle Münchner Verteidiger waren zugestellt, Bochum setzte auf Pressing extrem. Aber auch bei Ballbesitz beeindruckte der Zweitligist, Stürmer Terodde sorgte immer wieder für Gefahr und hatte zwei richtig gute Chancen. Die Münchner hingegen zeigten eine ihrer schwächsten Halbzeiten. Doch Robert Lewandowski traf nach Vorlage von Thomas Müller zum 1:0. Und dann gab es noch einen Platzverweis und einen Elfmeter, aber dazu später mehr.

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Die zweite Hälfte: Die Taktik der Bochumer ging in Unterzahl nicht mehr auf, die Münchner konnten jetzt ihr Spiel aufziehen. Auf einem vom Dauerschneeregen aufgeweichten Platz traf Thiago nach erneuter Müller-Vorlage zum 2:0, Lewandowski machte mit der letzten Aktion des Spiels den 3:0-Sieg perfekt. Robben und Douglas Costa hatten zuvor weitere Top-Chancen vergeben.

Aufreger des Spiels: Über den Fußballer Arjen Robben lässt sich eigentlich nichts Schlechtes sagen, über den Sportsmann vielleicht schon. Der Niederländer pflegt die Marotte, den Schiedsrichtern sehr klarmachen zu wollen, wenn er gefoult wird. Vor allem im Strafraum. Dann segelt Robben spektakulär durch die Luft, mit schmerzverzerrtem Gesicht und ausgebreiteten Armen. So auch in Bochum, nach dem Foul von Simunek, das zum Elfmeter führte. "Wenn er Kontakt spürt, dann geht er liegen", sagte Robbens Landsmann und Bochums Trainer Gertjan Verbeek. In den sozialen Medien diente Robbens Aktion als Steilvorlage für Memes wie dieses:

Bestätigung des Spiels: Louis van Gaal ist aus vielen Gründen unvergessen in München. Einer davon ist seine weise Aussage: "Müller spielt immer." Der Niederländer verschonte bei seiner Rotation keinen Star, doch den Jungstar hatte van Gaal schnell als unersetzlich eingestuft. Josep Guardiola verdrängt manchmal das van Gaal'sche Gesetz, Müller war im letzten Spiel gegen Leverkusen nur Joker. Gegen Bochum spielte er aber wieder von Beginn an. Seine Bilanz: Elfmeter verschossen, aber beide Tore vorbereitet.

Déjà-vu des Spiels: Am 6. August 2007 spielte der FC Bayern in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Wacker Burghausen. Der damalige Regionalligist zwang die Münchner ins Elfmeterschießen, dort scheiterten José Ernesto Sosa und Martin Demichelis an Manuel Riemann. Damals 19 Jahre jung, inzwischen mit 27 Jahren ein Routinier, aber bei Bochum eigentlich nur Ersatz, hielt Riemann nun mal wieder einen Bayern-Elfmeter. Der gescheiterte Schütze Thomas Müller dürfte an die Partie von einst keine Erinnerung haben - er spielte damals noch in der A-Jugend des FC Bayern.

Kurzeinsatz des Spiels: Jan Simunek ersetzte in der 29. Minute den am Auge verletzten Timo Perthel - nach 14 Minuten war das Spiel für den Linksverteidiger schon wieder vorbei. Er sah für das Foul an Arjen Robben an der Strafraumgrenze die Rote Karte wegen einer Notbremse. Eine harte Entscheidung von Schiedsrichter Bastian Dankert.

Sparmaßnahme des Spiels: Für Zweitligisten ist der DFB-Pokal ein lohnendes Geschäft, vor allem wenn die Bayern kommen. Dann ist das Stadion garantiert voll. Schade nur, wenn man das schöne Geld für so schnöde Dinge wie eine hohe Stromrechnung wegen der Flutlichtkosten ausgeben muss. Zumindest ein bisschen konnten die Bochumer diesmal sparen, denn einer der vier Masten versagte den Dienst, ausgerechnet im Rewirpowerstadion, wo sich die Bochumer Stadtwerke die Namensrechte gesichert haben. Als Dreiviertel-Lichtgestalten kickten Robert Lewandowski und Co. auf dem Platz, zumindest bis zur 63. Minute. Dann ging das vierte Flutlicht an.

VfL Bochum - Bayern München 0:3 (0:1)
0:1 Lewandowski (39.)
0:2 Thiago (61.)
0:3 Lewandowski (90.)
Bochum: Riemann - Celozzi, Fabian, Bastians, Perthel (29. Simunek) - Losilla, Hoogland - Bulut, Eisfeld (46. Cacutalua), Haberer - Terodde (65. Mlapa)
München: Neuer - Lahm (75. Bernat), Kimmich, Badstuber (80. Vidal), Alaba - Alonso (64. Rafinha) - Robben, Thomas Müller, Thiago, Costa - Lewandowski
Schiedsrichter: Bastian Dankert
Zuschauer: 28.000 (ausverkauft)
Rote Karte: Simunek nach einer Notbremse (43.)
Gelbe Karte: Fabian (2) -
Besonderes Vorkommnis: Riemann hält Foulelfmeter von Thomas Müller (44.)



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 55 Beiträge
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loncaros 11.02.2016
1.
Bochum hat doch seit 50 Jahren nicht mehr gegen den FCB verloren, wenn es um was ging. Fanfreundschaft und Punktelieferant. Das Spiel musste kein Mensch sehen.
Influxx 11.02.2016
2.
Ich wage mal folgende These aufzustellen: würde Robben nicht bei jeder seiner zahlreichen Schwalben auch noch mit einem Freistoß oder Elfmeter belohnt, so wäre sein ewig erfolgreiches nach-innen-Ziehen auch nichts mehr wert. Wie viel da wohl noch vom 'großartigen sportler' bliebe?
verruca 11.02.2016
3. Sportsmann
[zitat]Über den Fußballer Arjen Robben lässt sich eigentlich nichts Schlechtes sagen, über den Sportsmann vielleicht schon.[/zitatende] Da würde mich jetzt doch interessieren, was es denn über den "Sportsmann" zu sagen gibt! Dass er etwas theatralischer als andere fällt? Naja, das macht ein Foul (oder nicht) nicht weniger zu einem Foul (oder nicht). Ein guter Schiedsrichter sieht's auch so. Dass er heute (= gestern abend) aus irgendwelchen Gründen von den Bochumer "Fans" halbherzig ausgepfiffen wurde, dann recht bald im Strafraum darniederging und daraufhin noch mehr gepfiffen wurde? Naja, er stand ohne jegliche sichtbare Schuldzuweisungen oder Proteste seinerseits wieder auf, obwohl da durchaus Kontakt vorhanden war. Zu wenig für einen Strafstoß? Jo! Wusste er! Er hat auch nicht mehr daraus gemacht. Wie hätte er sich denn sonst verhalten sollen? Dass er unstrittig strafstoßwürdig gefoult wurde und der Bösewicht dafür eine rote Karte erhalten hat? Naja, er hat die Karte weder gefordert noch ausgeteilt. Was genau werfen sie dem "Sportsmann" Arjen Robben denn hier vor?
alaba27 11.02.2016
4. Da geht er liegen
Ja ! Weil er unstrittig am Fuß getroffen wird. Vollkommen überflüssig jedoch die Regel mit der gleichzeitigen roten Karte. Was soll das ? In der Regel kann man an dieser Stelle das Spiel abbrechen. Hätte Müller getroffen - unmittelbar vor der Pause - hätte man sich die 2. Halbzeit komplett schenken können. Warum geht die FIFA nicht endlich an diese schwachsinnige Regel ? Von mir aus bei Notbremse außerhalb des Strafraums, aber bei Elfmeter keine rote Karte !
ernie68 11.02.2016
5. Was
ist mit einm Bericht über das andere Spiel am gestrigen Abend? Kommt der noch? Da hat immerhin der Dritte der Bundesliga gespielt. Aber Hauptsache Bayern.....
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