DFB-Pokal Bayern-Blamage in Magdeburg

Für die Sensation der zweiten DFB-Pokalrunde sorgte ein Oberligist: Der 1. FC Magdeburg warf den deutschen Rekordmeister FC Bayern München mit 5:3 nach Elfmeterschießen aus dem Wettbewerb.


Einer von 11 FCM-Helden am Mittwochabend: Miroslav Dreszer
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Einer von 11 FCM-Helden am Mittwochabend: Miroslav Dreszer

Magdeburg - Bayern München kann gegen Teams aus den neuen Bundesländern in dieser Saison nicht gewinnen und hat durch seinen "Ost-Komplex" auf blamable Weise auch den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals verspielt. Im Nostalgie-Duell der zweiten Runde unterlag der deutsche Meister und Cupverteidiger dem Oberligisten 1. FC Magdeburg sensationell 2:4 im Elfmeterschießen.

Nach 90 Minuten und Verlängerung hatten die kampfstarken Gastgeber dem Starensemble von der Isar ein 1:1 (0:0) abgetrotzt. Magdeburg als einziger Europacup-Gewinner der ehemaligen DDR nahm damit 26 Jahre nach dem legendären Europacup-Vergleich beider Teams erfolgreich Revanche für das damalige Achtelfinal-Aus im Landesmeister-Wettbewerb.

Den K.o. des haushohen Favoriten im Elfmeter-Roulette besiegelte Hannemann mit dem vierten Schuss der Magdeburger nach vorherigen Fehlversuchen von Nationalspieler Jens Jeremies und Giovane Elber gegen FC-Keeper Miroslav Dreszer. Elf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit hatte der eingewechselte Bosnier Hasan Salihamidzic die Bayern noch in die Verlängerung retten können, nachdem der Senegalese Adolphus Ofodile (65.) die Gastgeber unter orkanartigem Jubel der 26.000 Zuschauer sensationell in Führung gebracht hatte.

Durchnässt: Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld
DPA

Durchnässt: Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld

Magdeburgs Coach Eberhard Vogel wollte dem zehnmaligen Pokalsieger mit Kontern begegnen. Die Taktik des früheren DDR-Auswahlstürmers wäre beinahe schon in der 23. Minute aufgegangen, als Ofodile dem Schweizer Ciriaco Sforza entwischte, den Ball allerdings aus 14 Metern über das Münchner Tor schoss. Aber auch die Gäste hatten gefährliche Szenen. Carsten Jancker sorgte mehrfach für Verwirrung, wurde aber zweimal (5. und 8.) in jeweils letzter Sekunde noch vom Ball getrennt. In der 21. Minute lenkte Dreszer einen Kopfball des Nationalspielers über die Latte. Paulo Sergio verfehlte in der 27. Minute das Tor und scheiterte 16 Minuten später mit einem Flachschuss an Dreszer.

Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld forderte zur Halbzeit von seinen Mannen eine "Tempoerhöhung" und einen "schnellen Treffer". Zwar schalteten die Münchner zunächst auch einen Gang höher, doch das erste Tor erzielten die Platzherren: Ofodile fälschte 20 Minuten nach dem Seitenwechsel den Schuss eines Teamkollegen unmittelbar vor Torhüter Oliver Kahn entscheidend ab, so dass der Ball unhaltbar über die Linie sprang. Die begeisterten Zuschauer feierten das Magdeburger Team trotz einsetzenden Regens mit Sprechchören, bis Salihamidzic die Euphorie mit seinem Flachschuss aus 14 Metern dämpfte.

"Die kämpfen wie die Wahnsinnigen", lobte Münchens Manager Uli Hoeneß den Gegner nach den regulären 90 Minuten, baute aber auf die bessere Kondition seines Teams. In der Verlängerung ließen die Kräfte der Gastgeber auch nach, dennoch schafften sie noch die erträumte Sensation.

Die insgesamt schwachen Gäste hatten vor Anpfiff allerdings kurzfristige Ausfälle zu verkraften. Die Münchener mussten auf Mehmet Scholl und Thomas Linke (beide Grippe) verzichten.

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