Bayerns Pokalerfolg in Leverkusen Das hat mit Fußball nichts zu tun

Spannung? Wettkampfcharakter? Nicht im deutschen Fußball. Wer den jüngsten Kantersieg des FC Bayern genießen kann, dem hätte im alten Rom sicher auch das Duell Löwen gegen Christen gefallen.

Joshua Kimmich gratuliert vor den beeindruckten Leverkusenern Kevin Volland und Karim Bellarabi Thomas Müller (von links)
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Joshua Kimmich gratuliert vor den beeindruckten Leverkusenern Kevin Volland und Karim Bellarabi Thomas Müller (von links)

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Die Geschichte des Spiels: Der deutsche Vereinsfußball ist tot. Das stimmt für die Bundesliga, in der der FC Bayern gerade seine sechste Meisterschaft in Folge gefeiert hat, schon lange. Über 34 Spieltage hinweg kann kein Konkurrent mit dem teuren Münchner Kader mithalten. Aber auch im Pokal, in dem doch vermeintlich ein guter Tag reicht, um Träume wahr werden zu lassen, hat sich einiges verschoben: Scheiterten die Bayern zwischen 2000 und 2009 noch an Klubs wie Magdeburg und Alemannia Aachen, war es seit 2011 überhaupt nur noch Borussia Dortmund, das überhaupt gegen die Münchner gewinnen konnte. Auch der Tabellendritte der Bundesliga, Bayer Leverkusen, war jetzt völlig chancenlos.

Das Ergebnis: Leverkusen verlor 2:6 (1:2), Bayern steht im Finale des Pokals. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Keine 180 Sekunden waren gespielt, da führten die Bayern schon. Einen Kopfball von Thomas Müller hatte Bernd Leno noch abgewehrt. Der Nachschuss von Javi Martínez wurde von Robert Lewandowski ins Netz abgefälscht. Sechs Minuten später erhöhten die Münchner auf 2:0. Franck Ribéry war einfach links an Julian Baumgartlinger und an Lars Bender vorbeigespurtet. Dann flankte er gefühlvoll auf Lewandowski, der von der rechten Seite aus ungehindert abschließen konnte. Bayer gelang der frühe Anschlusstreffer, als Mats Hummels eine Hereingabe von Julian Brandt abfälschte und anschließend alle Bayern-Verteidiger nicht wussten, wo der Ball war. Lars Bender wusste es und köpfte ein.

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DFB-Pokal: Der Triple-Traum lebt weiter

Hashtags, ohne die man auch überlebt hätte: Fern liegt es uns, die Social-Media-Abteilungen von Fußballklubs zu kritisieren. Die Kollegen machen auch nur ihren Job. Aber der von Bayer Leverkusen kreierte Hashtag #b04rlin? Den braucht man nach dem heutigen Abend nicht mehr. Mindestens ein Jahr Zeit, in einem Ideenwettbewerb noch mal in sich zu gehen.

Die zweite Hälfte: Bayer-Trainer Heiko Herrlich stellte in der Pause auf Dreierkette um. Drei weitere Gegentore später (Müller, Thiago, Müller) war das Experiment beendet. Beeindruckend war nach dem Seitenwechsel vor allem Thiago, der das 1:3 mit einem fantastischen Schnittstellenpass einleitete und vor seinem eigenen Tor clever verzögerte, bevor er den Ball einschob. Später bereitete er auch noch das 2:6 vor, mit einem Freistoß aus der eigenen Hälfte, der genau den Fuß von Müller fand. Zwischendurch hatte Leon Bailey mit einem Freistoß auf 2:5, nun ja: "verkürzt".

Leverkusen gegen Bayern? Da geht doch was? Sechsmal hat Bayern München gegen Leverkusen im Pokal gespielt. Fünfmal kamen die Bayern weiter. Einmal setzte sich tatsächlich Bayer 04 durch. Das war 2009 im Viertelfinale. In Düsseldorf. Trainer der Bayern damals: Jürgen Klinsmann. In der Startelf der Münchner standen Massimo Oddo, Tim Borowski und Andreas Ottl. Auch das wirkt heute wie die Erinnerung an eine Zeit, als man beim Anpfiff eines Spiels noch nicht wusste, wer am Ende gewinnen würde.

Heynckes und Ancelotti: Die Legende vom großen Jupp Heynckes, der Bayern zurück in die Erfolgsspur geführt habe, hält sich hartnäckig und wird von Woche zu Woche weiterverbreitet. Dabei ist der Einzug ins Pokalfinale der erste nennenswerte Unterschied zwischen dieser Saison und der Vorsaison, der einzigen, die Carlo Ancelotti komplett verantwortete. Ja, Bayern ist unter Heynckes schon am 29. Spieltag Meister geworden - das aber nur mit drei Punkten mehr, als Ancelottis Bayern ein Jahr zuvor hatten. Ja, Heynckes steht im Halbfinale - das aber nach zwei leichten Gegnern. Jetzt erst kommt Real Madrid. An den Königlichen scheiterte Ancelotti 2017 im Viertelfinale. Nach Verlängerung. Erst wenn Heynckes es im anstehenden Halbfinale (Hinspiel 25.4., 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV ZDF) besser macht, hat er wirklich seine Vorgänger Ancelotti und Pep Guardiola überflügelt.

Bayer Leverkusen - Bayern München 2:6 (1:2)
0:1 Lewandowski (3.)
0:2 Lewandowski (9.)
1:2 Bender (16.)
1:3 Müller (52.)
1:4 Thiago (61.)
1:5 Müller (64.)
2:5 Bailey (72.)
2:6 Müller (79.)
Bayer Leverkusen: Leno - Bender, Bender, Tah, Retsos (46. Bailey) - Baumgartlinger (62. Alario), Aránguiz - Bellarabi (67. Henrichs), Havertz, Brandt - Volland
Bayern München: Ulreich - Kimmich, Boateng, Hummels, Alaba (46. Rafinha) - Martínez, Thiago (85: Süle) - Robben, Müller (80. James), Ribéry - Lewandowski
Gelbe Karten: Retsos, Aránguiz / Boateng
Schiedsrichter: Siebert
Zuschauer: 30.210



insgesamt 231 Beiträge
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Seite 1
ich-geb-auf 17.04.2018
1. was für ein blödsinniger Kommentar
Hat der Autor das Spiel gesehen oder nur das Ergebnis?? ..wahrscheinlich nur das Ergebnis! Das Spiel hat sehr wohl was mit Fussball und Wettkampfcharakter zu tun. Toller Kampf, klasse Taktike, tolle Torchancen, viele Tore und eine tolle Leverkusener Mannschaft, die durchaus ihre Chancen zum Sieg hatten (wenn Ulreich nicht weltklasse gehalten hätte 3x) Bayern war nur konsequenter vor dem Tor, so klar wie das Ergebnis war das Spiel nicht! Leverkusen war eigentlich richtig gut und hätte wohl gegen jede andere Bundesligamannschaft an diesem Abend gewonnen. Unter dem Strich war es eher ein 1:3 oder 3:5 als ein 2:6, das Ergebnis spiegelt nicht Leverkusens Leistung wider... Bayenr war einfach vor dem Tor abgezockter. Danke für den schönen Pokalabend, ein packendes Spiel mit tollen Torchancen und vielen Toren, klasse Werbung für den Fussball. Glückwunsch an Leverkusen, gegen jede andere Mannschaft wäre man nach Berlin gefahren.
lala10 17.04.2018
2.
was soll der Bericht uns sagen.Erste halbzeit ausgeglichen.das 2 zu 2 lag in der Luft.Es war bis zu dem Zeitpunkt ein sehr gutes Spiel beider Mannschaften Dann hätten die Bayern sehr schön rausgespielte Tore erzielten.Daduech wurde das Spiel entschieden und auch einseitig.Ich kann den Beitrag nicht verstehen
leonard.schmidt85 17.04.2018
3. Ziemliches Mimimi...
Nach meinem Dafürhalten betreibt der Autor ziemliches mimimi, es ist nicht die Zuständigkeit des Branchenführers für einen spannenden Wettbewerb zu sorgen. Dafür ist die Konkurrenz zuständig, und die bringt es halt nicht gebacken.
Florian M 18.04.2018
4. Peinlicher Artikel
mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen. Die anderen waren zeitweise auch nicht schlecht und es war ein sportlich fairer Wettkampf. Was hat das denn bitte mit dem zu tun was die Römer getan haben? Was hatte das damals mit Sport zu tun? Warum finden Sie es sinnvoll, diese Taten zu verharmlosen?
FalscheVereinsfarbe 18.04.2018
5. Sie kommen mir vor.....
.... wie der Wirt meiner Stammkneipe, in der ich die Spiele anschaue! Ich bin nicht für Leverkusen, nur gegen Bayern.......! Ich hatte auch Sorgen gegen Leverkusen, jetzt mache ich mir keine Sorgen mehr gegen Real, wenn der Preis für den Schiedsrichter nicht exorpitant wird! Freuen Sie sich doch einfach mal, dass wir dieses Jahr eine richtig gute, deutsche Mannschaft haben! Diese neutrale Betrachtung ist eigentlich eine Einstellungsvoraussetzung für Ihren Beruf! Wer hat sie eingestellt? Ihr Onkel?
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