Bayern-Triumph über Dortmund Peps Pokal

Es ist der persönliche Triumph des Josep Guardiola: Der Sieg im Pokalfinale über Borussia Dortmund hat viel mit den taktischen Änderungen des Bayern-Trainers zu tun. Mit einem Schlag dürfte die Kritik an seinem Kurs verstummen.

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Aus Berlin berichten und


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All diejenigen, die in den Vorwochen kritisch angemerkt haben, Josep Guardiolas große Schwäche sei, nicht über einen Plan B zu verfügen, haben diesmal recht behalten. Guardiola hatte nur einen Anzug auf die Dienstreise nach Berlin zum Pokalendspiel gegen Borussia Dortmund mitgebracht. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass es auch nach Pokalsiegen der Münchner die obligate Bierdusche für den Trainer geben würde.

So stand er da, völlig durchnässt bei den Fernsehinterviews und musste sich zur anschließenden Pressekonferenz die Trainingsjacke überwerfen. Das war aber auch das Einzige, das man dem Spanier an diesem Abend ankreiden konnte. Dieser Sieg, den die Bayern durch ein 2:0 in der Verlängerung eher erkämpften als erspielten, war Guardiolas Sieg. Es stand viel für ihn auf dem Spiel, er hat das Risiko gewählt, und am Ende stand er als der Triumphator da. Dieser Pokalerfolg ist Pep Guardiolas Pokalerfolg.

"Wir hatten alle das Gefühl, es müsse etwas verändert werden", fasste Sportdirektor Matthias Sammer die durchaus ungute Gemütslage vor dem Pokalspiel zusammen. Also reagierte Guardiola: Er stellte in der Abwehr eine Dreierkette auf, gab dem erst 18-jährigen Dänen Pierre-Emile Højbjerg das Vertrauen für die Startelf - und er ließ die Angriffsspitze Mario Mandzukic daheim. Und das, obwohl es genug Gelegenheiten während der 120 Minuten von Berlin gab, zu denen sich die Bayern-Fans einen echten Mittelstürmer gewünscht hätten.

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DFB-Pokalfinale: Der Triumph des Josep G.
So musste es wieder einmal Arjen Robben (107. Minute) erledigen, der Niederländer, der bei den Bayern eine überragende Saison absolviert hat und wie im Champions-League-Endspiel gegen die Borussen erneut den K.-o.-Schlag setzte. Die mit nachlassenden Kräften und Krämpfen kämpfenden Bayern setzten anschließend in der Nachspielzeit durch Thomas Müller, der sich quasi auf dem Zahnfleisch von der Mittellinie zum Tor des BVB durchdribbelte, den Schlusspunkt.

Ein letztlich verdienter Sieg, auch wenn die Bayern in der zweiten Hälfte extremes Glück hatten, als Schiedsrichter Florian Meyer ein reguläres Tor von Mats Hummels nicht anerkannte. Bayerns Verteidiger Dante hatte den Ball für nahezu alle im Stadion sichtbar hinter der Torlinie geklärt, aber Meyer ließ die Partie weiterlaufen. Eine Szene, die schon kurz nach dem Spiel für heftige Debatten sorgte. "Das Tor hätte zählen müssen", sagte BVB-Keeper Roman Weidenfeller kurz und klar. Und keiner hätte ihm widersprechen können.

Dennoch: Die Bayern kompensierten nicht nur die kurzfristigen Ausfälle von Bastian Schweinsteiger und David Alaba, sondern schafften es auch, den zu ersetzen, der im Team eigentlich als unersetzlich gilt. Kapitän Philipp Lahm musste mit einer Knöchelverletzung nach 30 Minuten aus dem Spiel. Sein WM-Einsatz ist aber laut Bayern-Mediendirektor Markus Hörwick "in keiner Weise gefährdet".

"Es war das wichtigste Trainerjahr meiner Karriere"

So war der Coach anschließend voller "Stolz und Bewunderung" für seine Mannschaft. Unter welchem Druck Guardiola gestanden hatte, war schon während des Spiels erkennbar, als der Trainer wie wild an der Seitenlinie agierte, als wolle er sein Gegenüber Jürgen Klopp darin noch übertreffen. Was eigentlich nicht zu schaffen ist.

Wie es in ihm zuletzt ausgesehen hatte, machte er anschließend zumindest ein ganz klein wenig öffentlich. "Das war das wichtigste Trainerjahr meiner Karriere", sagt der, der mit dem FC Barcelona von Titel zu Titel geeilt war und höchste Herausforderungen gemeistert hatte. Es war da schon kurz vor Mitternacht, die beste Zeit für Bekenntnisse.

Und wenn er schon Einblicke in sein Innenleben gab, machte er gleich weiter: "Mein Deutsch war und ist nicht so gut, als dass ich die Spieler wirklich von dem überzeugen konnte, was ich wollte", sagte Guardiola. Die Mannschaft sei immer "noch lange nicht da, wo ich sie hinhaben will", es sei "immer noch sehr viel Arbeit übrig".

Er habe in diesem Jahr sehr viel gelernt, "ich glaube, ich bin ein etwas besserer Trainer geworden". Dieser Abend des Pokalendspiels gibt ihm schon einmal recht.

Borussia Dortmund - Bayern München 0:2 n.V. (0:0, 0:0)
0:1 Arjen Robben (107.)
0:2 Thomas Müller (120.+3)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer - Jojic (83. Aubameyang), Sahin - Mchitarjan (60. Kirch), Reus, Großkreutz (110. Hofmann) - Lewandowski
München: Neuer - Jérôme Boateng, Martínez, Dante - Højbjerg (102. van Buyten), Lahm (31. Ribery, 109. Pizarro), Toni Kroos, Rafinha - Thomas Müller - Robben, Götze
Schiedsrichter: Florian Meyer
Zuschauer: 76.197 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - Toni Kroos, Højbjerg, Jérôme Boateng, van Buyten, Robben
Ballkontakte: 697 / 1142
Ballbesitz in Prozent: 34 / 66
Schüsse: 15 / 15
Torschüsse: 3 / 8
Gewonnene Zweikämpfe in Prozent: 49 / 51

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insgesamt 287 Beiträge
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Seite 1
nils125 18.05.2014
1. Hätte
der BVB das Tor gegeben bekommen wär das ein ganz anderer Spielverlauf gewesen.
duwi 18.05.2014
2.
Was bildet sich weidenfeller überhaupt ein? wie kann der öffentlich in einem TV Interview seinen Mitspieler (groskreuz) für einen Fehler vor dem ersten Tor kritisieren wenn er einen schlampigen Ball abwirft. wenn das ein Bayernspieler gewesen wäre, der Aufschrei der Medien wäre wieder riesig gewesen.
HaioForler 18.05.2014
3.
Zitat von sysopGetty ImagesEs ist der persönliche Triumph des Josep Guardiola: Der Sieg im Pokalfinale über Borussia Dortmund hat viel mit den taktischen Änderungen des Bayern-Trainers zu tun. Mit einem Schlag dürfte die Kritik an seinem Kurs verstummen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/dfb-pokal-bayern-sieg-im-finale-gegen-dortmund-gehoert-pep-guardiola-a-970036.html
Hört mir auf, daß Dortmund gewonnen hätte, wenn das Abseitstor gegeben worden wäre; Unsinn. Schon vor dem Finale war klar, daß man wegen dem 0:4 gegen Real kein kein System ändern muß. Von Ballbesitzfußball auf Nichtballbesitzfußball umzuschalten bringt keine Tore. Vielleicht sollte Dortmund mal sein "System in Frage stellen. Alles richtig gemacht, FCB, weiter so.
co.b.ra 18.05.2014
4. Pep unter Druck
Alsoso gestresst, wie beschrieben, sah er nicht aus. Im Gegenteil. Er wirkte doch eher ruhig und besonnen.
minga1972 18.05.2014
5. So schön...
... und wie der Artikel zu Recht festhält: verdient. Wer jetzt noch meint, es gäbe zwei gleich starke Vereine in D, der möge sich die letzten Ergebnisse ansehen: CL Finale 2:1, BL 3:0. Pokal 2:0. Das zwischenzeitliche 0:3 im "Audi Cup" aus Bayern Sicht ist so aussagekräftig wie das Vorwochenergebnis gegen Augsburg. Auf zum Marienplatz zum Double Feiern.
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