DFB-Pokal Stadion des Anstoßes

Gerne hätte die TuS Koblenz ihr Pokalspiel gegen Dynamo Dresden in Offenbach ausgetragen. Das wurde abgelehnt - aus Sicherheitsgründen. Jetzt spielen dort die Würzburger Kickers gegen Werder Bremen. Das wirft Fragen auf.

Stadion in Offenbach (Archivbild)
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Stadion in Offenbach (Archivbild)


Zwei Wochen vor der ersten Runde des DFB-Pokals herrscht Klarheit: Die TuS Koblenz spielt in Zwickau gegen Dynamo Dresden, die Würzburger Kickers empfangen in Offenbach den SV Werder Bremen. Der Weg dorthin war abenteuerlich - und wirft einige Fragen auf. Chronologie einer Stadionposse.

Problem 1: Im Koblenzer Stadion Oberwerth wird die Leichtathletikbahn saniert. Entgegen der Erwartung werden die Arbeiten nicht rechtzeitig zum Pokalspiel gegen Dynamo Dresden fertig. Der Verein brauchte eine alternative Spielstätte. 50 Vereine wurden kontaktiert, öffentlichkeitswirksam die sozialen Medien eingebunden. Es half nichts. (Lesen Sie mehr zur Koblenzer Stadionsuche hier.)

Problem 2: Das Würzburger Stadion am Dallenberg liegt mitten in einem Wohngebiet. Das ist prinzipiell gut für die Fans, denn sie müssen nicht jeden zweiten Samstag eine halbe Stunde auf die grüne Wiese am Stadtrand fahren. Nun finden aber einige Anwohner das mit dem Fußball nicht so gut. Sie erwirkten, dass Spiele aus Lärmschutzgründen bis spätestens 19.30 Uhr angepfiffen werden müssen. Der DFB hatte das Pokalspiel gegen Werder Bremen aber auf 20.45 Uhr terminiert.

Die einfachste Lösung wäre nun gewesen, das Spiel einfach um 75 Minuten nach vorne zu verlegen. Aber das ging nicht. "Zum einen ist die Begegnung für Sky am Samstagabend das Topspiel", sagt ein DFB-Sprecher. "Zum anderen hätten auch bei einer etwas früheren Anstoßzeit weiterhin rechtliche Unsicherheiten bestanden." Beispielsweise, wenn das Spiel bei möglicher Verlängerung mit Elfmeterschießen länger gedauert hätte.

Sogar der Würzburger Oberbürgermeister schaltete sich ein und bat in einem Brief an DFB-Präsident Reinhard Grindel um eine Verlegung. Es änderte nichts, der Termin stand. Also mussten auch die Würzburger sich nach einem alternativen Stadion in der Umgebung umschauen.

Die Lösung: Würzburg weicht für das Pokalspiel ins 120 Kilometer entfernte Offenbach aus. Dort hatten auch die Koblenzer Verantwortlichen mehrfach angefragt, allerdings eine Absage bekommen. Koblenz muss nun ins 430 Kilometer entfernte Zwickau umziehen. Das Spiel muss dafür allerdings von Samstagnachmittag auf Freitagabend verlegt werden. Hier war eine Spielverlegung möglich.

Wie kam es dazu? Das Duell zwischen Koblenz und Dresden gilt als Hochsicherheitsspiel. Deshalb gab es für das Offenbacher Stadion trotz mehrfacher Bitten keine Freigabe. "Die Polizei hat ein Veto eingelegt", sagt Stefan Blaufelder, Leiter der Koblenzer Abteilung Marketing und Kommunikation. Es habe eine klare Empfehlung der Polizei gegeben, bestätigt die Betreibergesellschaft des Stadions. Für das Spiel zwischen Würzburg und Bremen gab es kein Veto. Sie bekamen eine Zusage. "Das trägt nicht zur guten Stimmung bei uns bei", sagt Blaufelder.

Der TuS blieb am Ende nur noch die Option Zwickau. Auch eine Austragung in der Frankfurter Arena scheiterte an Sicherheitsbedenken. Dort gab es zwar eine Zusage, die Begegnung hätte allerdings wegen einer Veranstaltung am Samstag auf einen anderen Tag verlegt werden müssen. "Das hat aber die ZIS aus Sicherheitsgründen untersagt", sagt der DFB-Sprecher. Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze koordiniert die Einsätze rund um Fußballspiele. Man fürchtete etwa, dass sich An- und Abreisewege verschiedener Fangruppen überkreuzen könnten.

In Nordrhein-Westfalen sagte die Polizei gleich für das ganze Bundesland ab, weil keine ausreichenden Einsatzkräfte mehr verfügbar seien. Deshalb also Zwickau. "Es wird nicht schön, aber wir müssen das jetzt machen", sagt Blaufelder. Die erste Pokalrunde im DFB-Pokal soll ein Highlight im Kalender sein. In diesem Jahr hat sie viele Verlierer.

Ist die Panik vor den Fangruppen gerechtfertigt? In einer DFB-Mitteilung hieß es, die zahlreichen Absagen seien "unter anderem auch auf das Verhalten einiger Zuschauer beider Vereine bei Auswärtsspielen in der vergangenen Saison zurückzuführen". Als Beispiele werden in Verbandskreisen das Dresdner Auswärtsspiel in Karlsruhe und der Koblenzer Auftritt beim Rheinlandpokalfinale genannt. In Karlsruhe überliefen einige Fans den Gästeeingang und verletzten dabei Ordner. Die Mottofahrt im einheitlichen Militärlook kann man zwar schlecht finden, ein Fehlverhalten aber ist es nicht. Und auch sonst blieb es bei den meisten Dresdner Spielen in der vergangenen Saison ruhig.

Die Koblenzer zündeten in besagtem Spiel Pyrotechnik, zu schweren Ausschreitungen kam es aber nicht. Als überdurchschnittlich gewaltbereit kann man die Koblenzer Fans nicht einstufen. Und: Im Vergleich zu vielen Bundesligisten ist ihre Anzahl überschaubar. Über eine Rivalität beider Fangruppen ist ebenfalls nichts bekannt.

ehh



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
pefete 31.07.2017
1. Nur damit ich es besser verstehe.
Wer wann gegen wen spielt entscheidet SKY nicht der DFB. Ich weiß, warum mich Fussball immer weniger interssiert.
peter-11 31.07.2017
2. Verständlich
Wer möchte schon diese berüchtigten Dresdener Fans zu Besuch haben? Wenn man als Heimmannschaft dann Dynamo Dresden zugelost bekommt, ist es einfach mehr als Pech. Der ehemals gute Ruf der Stadt Dresden ist inzwischen mehr als ramponiert. Der TUS Koblenz kann einem leid tun, die Einwohner der Stadt dürften aber mit der Verlegung des Spiels weit weg zufrieden sein.
colinchapman 31.07.2017
3. nachdem ich
mehrere Spiele meiner Lieblingsmannschaft gegen Dynamo Dresden live miterleben durfte, muss ich sagen, ich kann verstehen, dass nicht jedes Stadion für die Dresdner Mannschaft bzw. deren Fans offen stehen will. Ob die Dresdner Fans auf Zwickauer Boden besser im Zaum gehalten werden können, ist zwar fraglich, aber beglückwünsche jeden Stadionbetreiber, der diese zuweilen deutlich braun angehauchten "Fans" nicht beherbergen muss.
senfwasser 31.07.2017
4. Nein..
Zitat von pefeteWer wann gegen wen spielt entscheidet SKY nicht der DFB. Ich weiß, warum mich Fussball immer weniger interssiert.
Grundsätzlich legt der DFB die Termine und Anstoßzeiten fest. Wie man dem Artikel entnehmen kann, können natürlich die Polizei oder andere Sicherheitsbehörden ihr Veto einlegen. Sky hat die Fernsehrechte, und irgendwo in diesem 500 Mio € Vertragswerk ist sicher auch eine Schadenersatzregelung festgelegt, für den Fall, dass der DFB nicht liefert. Wahrscheinlich wäre die Konventionalstrafe an Sky für den DFB einfach teurer, als das Spiel in einem Ausweichstadion stattfinden zu lassen.
lofi 31.07.2017
5.
Nummer 2 und 3: empfehle ihnen mal diesen englischsprachigen Artikel eines Mexikaners aus dem K-Block in Dresden. https://betweendistances.com/2016/12/07/away-days-dynamo-dresden-means-business/amp/ Häufig haben selbst Ausländer einen klareren Blick als Leute die ihre Ansichten wahrscheinlich von www,vorurteile.de holen.
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