Frankfurts Halbfinalsieg gegen Schalke 30 Fouls und ein Geniestreich

Das DFB-Pokal-Halbfinale zwischen Schalke und Frankfurt war zäh. Nur ein genialer Moment und der Schiedsrichter sorgten für Aufsehen.

Luka Jovic
Bongarts/Getty Images

Luka Jovic


Die Szene des Spiels: An einem tristen Fußballabend, der von Zweikämpfen, Fouls und technischen Fehlern auf beiden Seiten geprägt war, sorgte Luka Jovic für den einzigen Lichtblick. Nach einer Ecke von links lief Jovic auf den kurzen Pfosten, sprang ab, drehte sich vom Tor weg und traf mit der rechten Hacke ins lange Eck. Zlatan Ibrahimovic wäre stolz gewesen.

Das Ergebnis: Jovics Geniestreich blieb der einzige Treffer des Tages, Schalke verlor gegen Frankfurt 0:1 (0:0). Hier geht es zur Meldung.

Die erste Hälfte: War schlimm! Jedes Team verzeichnete einen Abschluss auf das gegnerische Tor. Jovic probierte es für die Eintracht aus der Distanz (7. Minute), Guido Burgstaller hatte nach einer Ecke von Daniel Caligiuri per Kopf die einzige nennenswerte Chance für Schalke (32.). Ansonsten spielten beide Mannschaften entweder Quer- oder Fehlpässe und weckten so Erinnerungen an das legendäre Duell zwischen Portugal und Mexiko aus den Simpsons.

Die Gelbe Karte des Tages: Kurz vor dem Pausenpfiff setzte Amine Harit zu einem Sprint in Richtung Eintracht-Tor an. Für einen Moment hatte man die Hoffnung, dass sich vielleicht so etwas wie Torgefahr entwickeln könnte. Dann rutschte Harit aus und in die Beine von Marco Russ. Weil auch Schiedsrichter Robert Hartmann keine Lust mehr auf das Elend zu haben schien, zeigte er Harit die Gelbe Karte - vermutlich für grobe Unfähigkeit.

Der Experte: Die ARD vertraute wie gewohnt auf die fachliche Kompetenz von Thomas Hitzlsberger. Nun ja. Als Hitzlsberger in der Halbzeit auf das überschaubare Niveau der ersten 45 Minuten angesprochen wurde, sagte er. "Das hatte ich nicht erwartet." Vielleicht hätte er sich zur Vorbereitung mal Spiele von Schalke und Frankfurt anschauen sollen. Um seine Expertenehre zu retten, antwortete er kurz vor Wiederbeginn auf die Frage, ob das Spiel besser werden würde: "Ich fürchte nicht."

Die zweite Hälfte: Hatte zumindest mehr Drama zu bieten als die erste: Caligiuri stolperte den Ball im Strafraum zu Burgstaller, der die Führung auf dem Fuß hatte. Aber Eintracht-Keeper Lukás Hrádecký verhinderte das Gegentor mit einer starken Reaktion (67.). Das gelang Ralf Fährmann auf der anderen Seite nicht, als Jovic die Hacke auspackte (75.). In der Nachspielzeit erzielte der eingewechselte Franco Di Santo per Dropkick in den Winkel den vermeintlichen Ausgleich, doch Schiedsrichter Hartmann gab das Tor nicht, weil Di Santo den Ball zuvor mit dem linken Oberarm gestoppt haben soll.

Die Rote Karte des Tages: In der 78. Minute wurde Gelson Fernandes für Omar Mascarell eingewechselt. 33 Sekunden später trat der Schweizer Leon Goretzka im Mittelfeld auf den Knöchel. Schiedsrichter Hartmann zeigte zunächst die Gelbe Karte, entschied sich dann aber nochmal um, nachdem er Rücksprache mit dem Videoassistenten gehalten und sich die Szene in Zeitlupe angeschaut hatte. Die revidierte Entscheidung lautete: Rot gegen Fernandes.

Kovac und die Bayern: Über die Wechselposse um Niko Kovac zum FC Bayern ist eigentlich alles gesagt und noch mehr geschrieben worden. Da schmerzt es fast schon, auf die kommenden Wochen vorauszublicken. Innerhalb von 21 Tagen wird es gleich zweimal zum Duell zwischen dem Noch-Eintracht-Trainer und seinem neuen Arbeitgeber kommen - zunächst am 28. April in der Bundesliga, dann am 19. Mai im Pokalfinale von Berlin. Einige Kollegen legen sich die passenden Formulierungen von "Solche Geschichten schreibt nur der Fußball" bis "Ausgerechnet" schon mal in den Zwischenspeicher.

Fazit: Schon vor der Partie war klar, dass für das Pokalfinale nur das nächste Opfer für die Bayern gesucht wird. Wer sowohl das Münchner 6:2 gegen Leverkusen, als auch Frankfurts mühevollen Sieg gegen Schalke gesehen hat, der weiß, dass es in Berlin nur um die Höhe des Ergebnisses geht. Selbst wenn die Bayern ins Champions-League-Finale einziehen und im Endspiel des DFB-Pokals mit einer B-Elf antreten sollten, um Kräfte zu schonen, dürfte die Eintracht chancenlos sein.

Schalke 04 - Eintracht Frankfurt 0:1 (0:0)
0:1 Jovic (75.)
Schalke 04: Fährmann - Stambouli, Naldo, Kehrer (81. Teuchert) - Caligiuri, Goretzka, Bentaleb, Schöpf - Harit (88. Di Santo) - Burgstaller, Pjaca (52. Konoplyanka)
Eintracht Frankfurt: Hrádecký - Abraham, Hasebe, Russ - Wolf, Mascarell (78. Fernandes), de Guzmán, Willems (72. da Costa) - Boateng (43. Gacinovic), Jovic, Fabián
Gelbe Karten:
Harit / Mascarell, Jovic
Rote Karte: Fernandes (79.)
Schiedsrichter: Hartmann
Zuschauer: 60.000



insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
skeptikerjörg 19.04.2018
1. Zum Abgewöhnen
Bayern gegen Leverkusen gestern war Fußball - von beiden. Schalke gegen Frankfurt heute war die Verweigerung von Fußball - von beiden. Rasenschach um die Herrschaft im Mittelfeld, Kampf, Krampf und Zufall. Schade, dass Einer von Beiden in Finale kommen musste. Danke an Jovic, dass er und eine Verlängerung erspart hat.
Zeuge_Yeboahs 19.04.2018
2. Ein Prophet
Klasse, das Finale muss also gar nicht mehr gespielt werden. Wie das heutige Halbfinale ja eigentlich auch schon klar entschieden war. Einfach mal kurz die Realität der Einnahmen der Bayern seit Einführung der Champions League wahrnehmen - und vielleicht ein klein wenig einordnen, warum da jetzt frecher Weise so eine 'Gurkentruppe' im Finale steht. Grottiger Artikel, sorry.
molldur 19.04.2018
3. Puuuh, müder Kick!
Da kann man über die Bayern noch so viel schimpfen, es wird einem einfach (meist) was geboten und die Gegner sind oft extra motiviert. Dieser Kick war das Einschalten nicht wert. Weckt mich, wenns in Berlin wieder weiter geht.
chaiselongue 19.04.2018
4. Video-Schiedsrichter?
Ich bin kein Fußball Fan und weiß auch warum. Alles ist unzuverlässig bis zum Abwinken. – Der Ausgleich in der Nachspielzeit wurde nicht im Video geprüft. Warum? Es sieht auf allen Bildern (wenn man die Anatomie eines Menschen kennt) so aus, als ob er den Ball mit der linken Brust stoppt. Der Arm hat eindeutig einen Abstand zum Ball. Die Schulter wäre ja sogar auch noch in Ordnung. Ganz klare Fehlentscheidung. Verrückte Welt.
RalfHenrichs 19.04.2018
5. Das Finale wird spannend
Denn es geht um die Frage: schaffen die Bayern den höchsten Finalsieg aller Zeiten (bislang 5:0). Ich tippe auf ja.
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