Erstligisten im Pokal bevorteilt Mehr Wettbewerb, bitte!

Die Auslosung der zweiten Runde des DFB-Pokals brachte kaum Spannung versprechende Partien. Zum Teil liegt dies auch an den Regularien des Deutschen Fußball-Bundes. Der könnte grundsätzlich mehr Wettbewerb zulassen, wird es vermutlich aber nicht tun.

Berliner-AK-Spieler: Der DFB-Pokal lebt von seinen Überraschungen
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Berliner-AK-Spieler: Der DFB-Pokal lebt von seinen Überraschungen

Ein Kommentar von Clemens Gerlach


Der Auftakt war brillant. Es gab in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals so viele Überraschungen wie lange nicht mehr. Sechs Erstligisten und zwei Zweitligisten scheiterten an unterklassigen Gegnern. Darunter war das schon jetzt legendäre 0:4 von 1899 Hoffenheim beim Nordost-Regionalligisten Berliner AK 07. Deutlicher hatte sich bislang kein Erstligist im Wettbewerb zwischen "Groß" und "Klein" einem vermeintlichen Underdog geschlagen geben müssen.

Die Lust auf Sensationen war also geweckt. Nach der Auslosung der zweiten Runde ist man dahingehend kuriert. Die gezogenen Partien sind zum allergrößten Teil wenig prickelnd, unter anderem gibt es nur ein erstligainternes Kräftemessen (Düsseldorf gegen Mönchengladbach). Das soll nicht als Vorwurf gegen den Löw-Assistenten Hans-Dieter Flick und die TV-Darstellerin Sophia Thomalla verstanden werden. Die beiden Los-Promis haben am Samstagabend ihr Bestes gegeben, gegen die Regularien des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) waren auch sie machtlos.

Acht Mal kommt es zum Duell zwischen einem Erst- und einem Zweitligisten, leider haben die unterklassigen Vertreter nur zwei Heimspiele zugelost bekommen. Denn laut DFB-Statuten haben nur Clubs von dritter Liga abwärts automatisch Heimrecht und bekommen einen Erst- oder Zweitligisten zugeteilt.

Erst- und Zweitligisten hingegen werden vom DFB zumindest bei der Auslosung formal als gleichwertig betrachtet und dann auch so behandelt. Deshalb wird frei gezogen. Dies führte im aktuellen Fall zu einer Häufung wirklich hanebüchener, weil weitgehend spannungsloser Pokalduelle.

Quasi-Freilose für die Erstligisten

Oder gibt es bei allem Respekt für die Leistungsfähigkeit der Zweitligisten jemanden, der ernsthaft der Ansicht ist, dass Spiele wie Bayern München gegen 1. FC Kaiserslautern oder Schalke 04 gegen SV Sandhausen auch nur ansatzweise für Unterhaltung und Abwechselung stehen oder wenigstens sportlichen Wert besitzen? FCK und SVS gehen - mit Verlaub - völlig chancenlos in diese Partien.

Zur besseren Veranschaulichung seien hier auch die anderen vier Quasi-Freilos-Begegnungen für die Erstligisten in der kommenden Runde (30./31. Oktober) genannt: Hannover gegen Dynamo Dresden, Mainz gegen Erzgebirge Aue, Wolfsburg gegen FSV Frankfurt und Stuttgart gegen St. Pauli. Das ist eine Liste des Horrors. Nur Zyniker könnten einwenden, dass es für die Zweitligisten doch auch eine schöne Erfahrung ist, einmal in einem richtig großen Stadion zu spielen.

Dass die sieben im Wettbewerb verbliebenen Dritt- und Viertligisten mit zwei Ausnahmen - Arminia Bielefeld trifft auf Leverkusen und Preußen Münster auf Augsburg -, nur wenig attraktive Zweitligisten zugelost bekommen haben, kann passieren. Für die Clubs mag es sogar ein Vorteil sein, haben sie doch in der zweiten Runde eine bessere Chance, das Achtelfinale (18./19. Dezember) zu erreichen und dann vielleicht einen Erstligisten zu erwischen.

Der DFB will Erstligisten schützen

An der Ungerechtigkeit, dass Zweit- bei Erstligisten antreten müssen, ändert dies aber nichts. Der DFB könnte es aber ändern, und zwar indem in den Pokal-Regularien festgelegt wird, dass bei einer entsprechenden Paarung der Club das Heimrecht erhält, der der niedrigeren Liga angehört.

Im Einzelfall mag auch das nicht gerecht sein. Etwa dann, wenn ein finanziell schwacher und sportlich gebeutelter Erstligist bei einem solventen und fitten Zweitligisten antreten muss. Doch dieses Argument sollte zu Gunsten von insgesamt größerer Spannung und faireren Wettbewerbs nicht so stark ins Gewicht fallen.

Dass der DFB die Regeln für die Auslosung von Spielen des Pokals ändern wird, ist leider sehr unwahrscheinlich. Dies hat Gründe. Es sind vorwiegend ökonomische. Der DFB will die Erstligisten, die Aushängeschilder des deutschen Fußballs, schützen. Deren Risiko, im Pokal früh zu scheitern, soll minimiert werden.

Denn für die Clubs hierzulande ist der DFB-Pokal sehr lukrativ, stellt dieser doch den kürzesten Weg ins internationale Geschäft dar. Nach der Saison 1998/1999 wurde der Europapokal der Pokalsieger abgeschafft. Seitdem starten die Gewinner der nationalen Pokalwettbewerbe im Uefa-Cup, der 2009 in Europa League umbenannt wurde.

Theoretisch steht der Weg nach Europa allen Pokalteilnehmern offen, praktisch nutzen diesen fast ausschließlich Erstligisten, die selbst naturgemäß kein Interesse an einer Verschärfung des Wettbewerbs zu eigenen Lasten haben. Letztmalig qualifizierte sich 2004 mit Aachen ein Zweitligist über den DFB-Pokal für den Europacup. Die Alemannia hatte zwar das Endspiel gegen Bremen verloren, kam aber dennoch in den damaligen Uefa-Pokal, weil Werder als Meister ohnehin für die Champions League qualifiziert war.

Vergangene Saison profitierte Hannover 96 von einer ähnlichen Konstellation im Finale des DFB-Pokals. Meister Dortmund und Vize Bayern München spielten gegeneinander, Hannover rückte deshalb als normalerweise nicht qualifizierter Bundesliga-Siebter in die Europa League nach. Bleibt also alles in der Familie, der erstklassigen.



insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
BastiT 26.08.2012
1. Subjektivität olé
Ich verstehe den Artikel ehrlich gesagt überhaupt nicht. Wo findet hier eine Bevorteilung der Erstligisten statt? Für mich ist die Losrunde durchaus fair. Und bei Duellen wie Bayern-Lautern (beide letztes Jahr Erstligisten), Hannover-Dresden, Mainz-Aue und Stuttgart-St. Pauli von klaren Angelegenheiten, die keine Spannung versprechen, zu schreiben, halte ich auch für Unfug. Warum wünscht sich der Autor überhaupt jetzt schon wahre Kracherduelle in Runde 2? Damit dann im Halbfinale zwei Spiele 1. gegen 3. Liga zustande kommen oder wie? Die Höhe ist für mich die Aussage des fehlenden sportlichen Wertes bei Duellen von 1. und 2.-Ligisten.
DorianH 26.08.2012
2.
Zitat von sysopDPADie Auslosung der zweiten Runde des DFB-Pokals brachte kaum Spannung versprechende Partien. Zum Teil liegt dies auch an den Regularien des Deutschen Fußball-Bundes. Der könnte grundsätzlich mehr Wettbewerb zulassen, wird es vermutlich aber nicht tun. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,852150,00.html
Früher gabs die bestmögliche und einfachste Regelung: Alles in einen Topf, und die Amateure bekamen Heimrecht. Das wars. Und dann bekamen einige Idioten den Hals nicht voll genug. Dauert nicht mehr lange, und Auf- und Abstieg wird abgeschafft. Weil, die Profiklubs müssen ja Planungssicherheit haben....
Greg84 26.08.2012
3.
Zitat von sysopDPADie Auslosung der zweiten Runde des DFB-Pokals brachte kaum Spannung versprechende Partien. Zum Teil liegt dies auch an den Regularien des Deutschen Fußball-Bundes. Der könnte grundsätzlich mehr Wettbewerb zulassen, wird es vermutlich aber nicht tun. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,852150,00.html
Rein aus Gründen der Quote aber auch nur nachvollziehbar. Die Kracher will der DFB möglichst spät haben, am besten wieder ein Finale wie in der letzten Saison: Erster gegen Zweiter der Saison. Das Finale im Jahr zuvor als Schalke gegen einen Zweitligisten spielte, war da schon deutlich leichter vorherzusehen und wie ich finde auch weniger interessant.
marthaimschnee 26.08.2012
4.
Also angesichts der Farce die sich Championsleague-"Auslosung" nennt, bringt der DFB Pokal doch regelrechte Zufallsansetzungen!
ulbrichwinklern 26.08.2012
5. nicht ganz zu Ende gedacht
Wäre die Praxis wie hier gewünscht, und es qualifiziert sich zwei mal hintereinander eine Zweitligamannschaft für Europa, fliegt schnell raus und versaut �dem DFB das Ranking, steht hier sofort ein Artikel mit der entgegengesetzten Forderung.
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