DFB-Pokal: Null Bock auf Blamage

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Immer auf die Kleinen: Die Bundesligisten haben in Runde zwei des Pokal-Wettbewerbs gemerkt, wie angenehm es sein kann, gegen Außenseiter zu gewinnen. Am Mittwoch geht die Machtdemonstration weiter. Für Bielefeld, Kaiserslautern, St. Pauli und Co. gibt es nichts zu lachen. Ein Überblick.

Bayern-Profis Lahm (l.), Müller: Heiß aufs Achtelfinale Zur Großansicht
dapd

Bayern-Profis Lahm (l.), Müller: Heiß aufs Achtelfinale

Hamburg - Worms, ach Worms. Du warst so nah dran. Bis ins Elfmeterschießen hatte der kleine Regionalligist den 1. FC Köln gezwungen, den Zweitligisten zuvor 120 Minuten lang leidenschaftlich bekämpft. Doch dann, o Drama, versagten den Amateurspielern aus der 82.000-Einwohner-Stadt in Rheinland-Pfalz die Nerven. Kevin Wittke scheiterte an Kölns Keeper Timo Horn, Marcel Abele nagelte seinen Schuss an die Latte. Kölns Miso Brecko beendete mit seinem Elfer die Wormser Träume von der Sensation.

Am Dienstagabend war nicht viel Platz für die gute alte DFB-Pokal-Story: Kleiner düpiert Großen. Stattdessen erledigten Dortmund, Schalke und Co. in der zweiten Runde derart souverän und abgeklärt ihre Jobs, dass die Zuschauer Spannung nur in den eigenen Gesichtern spürten: Es war ziemlich kalt in Berlin und Havelse. (Herz-)Erwärmendes? Nein, nicht einmal der FC Augsburg schaffte es trotz miserabler Leistung, in Münster zu verlieren.

Am Mittwoch, liebe Anhänger der Außenseiter, geht das leider genau so weiter. Die Favoriten haben einfach keinen Bock mehr auf Blamagen. In der ersten DFB-Pokal-Runde mussten sechs Bundesligisten Abschied nehmen, darunter 1899 Hoffenheim, Werder Bremen und der Hamburger SV. Das reichte auch dem letzten Leichtfuß als Warnung. Im Achtelfinale (18./19. Dezember) dürfen deshalb wohl wieder nur die Großen mitspielen:

  • Bayern München (Bundesliga) - 1. FC Kaiserslautern (Zweite Liga): Die Mutter aller Sensationsbremsen ist der FC Bayern München anno 2012. Daran ändert auch die erste Saisonniederlage gegen Bayer Leverkusen am vergangenen Wochenende nichts, im Gegenteil. Der Rekordpokalsieger im eigenen Stadion, mit Wut im Bauch? Es gibt Schöneres für einen Außenseiter wie den 1. FC Kaiserslautern, der zudem Kapitän Albert Bunjaku ersetzen muss. Bayern-Coach Jupp Heynckes verzichtet wohl freiwillig auf einige Stammkräfte. 40-Millionen-Mann Javier Martínez steht im Mittelfeld schon als Ersatz bereit. Noch Fragen?
  • Arminia Bielefeld (Dritte Liga) - Bayer Leverkusen (Bundesliga): Es ist lange her, dass sich der Ex-Bundesligaclub DSC Arminia Bielefeld damit rühmen konnte, in irgendeiner Liga in der Spitzengruppe der Tabelle vertreten zu sein. Derzeit ist es mal wieder so weit, man ist Zweiter, wenn auch zwei Klassen unter Leverkusen. Arminias Ex-Keeper Dennis Eilhoff glaubt dennoch: "Mit den Fans im Rücken kann was gehen." Bei Bayer Leverkusen, das auf Torwart Bernd Leno verzichten muss, sieht man das naturgemäß etwas anders. "Wenn wir konsequent auftreten, sollten wir die Hürde meistern können", sagte der grippegeschwächte Innenverteidiger Philipp Wollscheid. Tendenz: Bayer-Stürmer Stefan Kießling (19 Tore im Jahr 2012) macht den Unterschied.
  • Kickers Offenbach (Dritte Liga) - Union Berlin (Zweite Liga): Es wird ein harter Gang für die Eisernen von Union Berlin. In Offenbach knickte 2010 schon Borussia Dortmund ein, 2012 erwischte es in der ersten Runde Greuther Fürth. Bei derlei Vorzeichen hilft es besonders wenig, dass der Saisonstart für Union durchwachsen verlief. Platz 12 ist weniger als man erwarten durfte. Offenbach, irgendwo im Niemandsland der Drittliga-Tabelle, darf sich da fast schon auf Augenhöhe wähnen. Eine Sensation gibt es in diesem Duell auf keinen Fall - egal wer gewinnt.
  • VfL Wolfsburg (Bundesliga) - FSV Frankfurt (Zweite Liga): Lorenz! Günther! Köstner! Jaja, in Wolfsburg herrscht eine Woche nach dem Aus von Alleinherrscher Felix Magath plötzlich Euphorie. Dafür reichte ein 4:1-Sieg bei Aufsteiger Düsseldorf - und natürlich Interimscoach Lorenz-Günther Köstner, der die eigenen Fans zu ungeahnten Song-Kompositionen inspirierte. Da wäre es blöd, wenn der FSV Frankfurt die gute Stimmung gleich wieder zunichte machen würde. Doch die Chancen darauf stehen schlecht: In Wolfsburg hat plötzlich sogar Diego wieder Lust aufs Fußballspielen.
  • VfB Stuttgart (Bundesliga) - FC St. Pauli (Zweite Liga): Die Bundesliga-Mannschaft der Stunde? Neben Mainz 05 ist da der VfB zu nennen. Stuttgart holte 10 Punkte aus den vergangenen vier Partien. Kein Ton mehr von Bruno Labbadias Wutrede. Sattdessen wieder zarte Träume von Europa. Völlig egal, dass mit St. Paulis Coach Michael Frontzeck nun ein Ex-Stuttgarter kommt? Nicht ganz: "Mit dem neuen Trainer haben sie Auftrieb bekommen. Michael Frontzeck bringt da sofort 'ne klare Handschrift rein", sagte Labbadia über den Gegner. Am Sonntag gelang St. Pauli nach einem 0:2-Rückstand noch ein furioser 3:2-Erfolg gegen Dynamo Dresden. In Stuttgart kommt die Hamburger Defensive (15 Gegentore) aber an ihre Grenzen.
  • Hannover 96 (Bundesliga) - Dynamo Dresden (Zweite Liga): Er habe "die klare Erwartung, dass wir unsere Stärken ausspielen und gegen Dynamo Dresden gewinnen", sagte Hannovers Trainer Slomka. Dazu muss sein Team allerdings konzentrierter agieren als gegen Mönchengladbach, als ein 2:0-Vorsprung noch in eine Pleite mündete. Angst muss 96 vor Dynamo trotzdem nicht haben. Mit nur neun Punkten steckt Dresden am Ende der Tabelle fest, Wendepunkt in Hannover nahezu ausgeschlossen.

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1. optional
papelbon 31.10.2012
Vor 3 Jahren war der Deutsche Sport Club noch Tabellenführer der 2. Bundesliga. So lange ist das jetzt auch noch nicht her.
2. Arminia!
derlobbyist 31.10.2012
Wenn schon Bielefeld-Bashing, dann bitte richtig recherchiert! Leverkusen wird sein blaues Wunder erleben :(
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