Bayern-Sieg über Wolfsburg: Unheimlich überlegen

Aus München berichtet Sebastian Winter

Beängstigend abgeklärt walzen die Bayern einen Gegner nach dem anderen nieder. Der VfL Wolfsburg war im DFB-Pokal-Halbfinale dran. Dabei sorgten die Münchner Reservisten für die Glanzlichter der Partie. Das Spiel gegen Barcelona wird nun zum ultimativen Prüfstein.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß muss es genossen haben, als die meisten der 71.000 Zuschauer in der Münchner Arena bereits nach 19 Minuten das unvermeidliche "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" anstimmten. Da hatte es gerade 1:0 für den deutschen Meister im Pokalhalbfinale gegen den VfL Wolfsburg gestanden. Später sagte Hoeneß, der ja sonst gerne über die schlechte Atmosphäre schimpft: "Die Stimmung im Stadion wird allmählich unheimlich." Er meinte das nicht negativ.

Die Euphorie der Mannschaft und ihr derzeitiger Siegeszug haben sich inzwischen sogar auf das sonst eher bräsige Münchner Publikum übertragen. Verzückt saugt es die immer neuen Pointen auf, die die Bayern aus ihrer Unterhaltungskiste zaubern. Auch beim beeindruckenden 6:1-Sieg gegen Wolfsburg.

Da war die Weltklasseleistung des kleinen Schweizers Xherdan Shaqiri, der an fast allen Toren beteiligt war. Die Wiederauferstehung von Mario Gomez, dem nach seiner Einwechslung ein Hattrick innerhalb von nur sechs Minuten gelang. Das starke Spiel von Arjen Robben. Und die Spontan-Zusage von Diego Contento, der morgens noch nichts ahnend zu Hause saß, dann einen Anruf bekam und abends den erkrankten David Alaba sehr ordentlich ersetzte. All das beeindruckt Hoeneß so sehr, dass er beinah überschwänglich sagte: "Das ist fast Perfektion."

Wolfsburg vom Sechserpack nicht einmal erschreckt

Fotostrecke

12  Bilder
Fotostrecke: Die nächste Bayern-Show
Ein kurzer Satz von Dieter Hecking zeigt die ganze Dimension der Bayern-Routine, mit der sie zurzeit die Gegner im In- und Ausland beherrschen. "Das 6:1 erschreckt uns gar nicht so sehr", sagte Wolfsburgs Trainer nach der Partie. Genau das ist das eigentlich Erschreckende an diesen Bayern: Dass die Gegner es fast schon schulterzuckend hinnehmen, wenn sie in München ein halbes Dutzend Tore kassieren.

Es passte ganz gut zum Bild der gefräßigen Übermannschaft, dass es Kapitän Philipp Lahm nach dem Erreichen des Pokalfinales auch um eines ging: "Wir haben Rekorde zu brechen in der Liga und wollen auch das nächste Spiel gewinnen." Das Samstagsspiel in Hannover sehen die Bayern zudem als gutes Training unter Wettkampfbedingungen für das Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Barcelona.

Bis dahin werden sie trotz aller Begeisterungsstürme noch ein wenig aufzuarbeiten haben in der Feinanalyse des Wolfsburg-Spiels. Vor allem in der ersten Halbzeit waren sie längst nicht so überlegen wie gewohnt, nach den beiden Führungstreffern durch Mario Mandzukic und Arjen Robben mussten sie kurz vor der Pause den unnötigen Anschlusstreffer durch Diego hinnehmen. "Wir müssen defensiv wieder besser arbeiten, da muss man gegen Barcelona hellwach sein. Das ist ein anderes Kaliber als Wolfsburg", sagte Lahm.

Selbst den Ersatzspielern gelingt bei ihren Einsätzen alles

Trainer Jupp Heynckes hatte seine Spieler in der Kabine offenbar eindringlich gewarnt, nicht so weiterzuspielen: "Ich habe gesagt, was wir ändern müssen. Wolfsburg hat uns zugesetzt, in der zweiten Halbzeit haben wir besser gearbeitet." Die Predigt hat gewirkt.

Dabei ist erstaunlich, dass selbst Ersatzspielern, die unzufrieden sein müssten, zurzeit fast alles gelingt. Shaqiri, der wegen Franck Ribérys Sperre gegen Wolfsburg dabei sein durfte, verdiente sich wegen seines grandiosen, trickreichen Spiels mit drei Vorlagen, einem selbst erzielten Tor und enormem Laufpensum das Prädikat "wertvollster Spieler".

Robben trickste sich als Vorbereiter und Schütze in die Herzen der Zuschauer zurück, und Gomez zeigte nach seiner Einwechslung in der 77. Minute, was für ein Vollstrecker er ist. "Er hat die wunderbaren Pässe traumwandlerisch verwandelt", sagte Hoeneß.

Nach dem "Trainingsspiel" am Samstag in Hannover (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wartet das Spiel der Spiele, das Champions-League-Halbfinale gegen Barcelona. Gegen den Club, der untrennbar mit dem künftigen Bayern-Trainer Pep Guardiola verbunden ist. "Bei uns sitzt gerade fast jeder Schuss. Wir brauchen dieses Selbstvertrauen auch gegen Barcelona, die sind schon noch eine Klasse besser", sagte Hoeneß. Und der Bayern-Wirbelwind Shaqiri betonte: "Wir schauen nicht links und rechts, sondern gehen unseren Weg."

Links und rechts ist auch nicht mehr viel zu sehen in der Bayern-Umlaufbahn.

Bayern München - VfL Wolfsburg 6:1 (2:1)
1:0 Mandzukic (17.)
2:0 Robben (35.)
2:1 Diego (45.)
3:1 Shaqiri (50.)
4:1 Gomez (80.)
5:1 Gomez (83.)
6:1 Gomez (86.)
Bayern: Neuer - Lahm, van Buyten, Dante, Contento - Javi Martínez, Schweinsteiger - Robben (ab 74. Rafinha), Müller (ab 63. Luiz Gustavo), Shaqiri - Mandzukic (ab 77. Gomez)
Wolfsburg: Benaglio - Fagner (ab 61. Bas Dost), Madlung , Naldo , Rodriguez - Polak (ab 73. Träsch) , Medojevic - Vieirinha , Diego , Hasebe - Olic (ab 73. Helmes)
Schiedsrichter: Kircher
Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)
Gelbe Karte: Schweinsteiger / Naldo, Polak

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 221 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Langweilig
gifmemore 17.04.2013
Überlegenheit mag ja nett sein - zum angucken ist es aber öde - vor allem, wenn man einen spannenden Fussballabend erwartet. Mir ist es gleich wer nun den Pokal gewinnt - ich möchte einfach ein spannendes Spiel sehen. Bei 6:1 ... ist jedwede Spannung dahin. Schade!
2. Wie langweilig
gldek 17.04.2013
Geld schießt in den meisten Fällen eben doch Tore. Der deutsche Fussball wird zur Einverein-Show. Schon nach dem 3:1 war alles klar und ich habe auf einen anderen Kanal umgeschaltet. Der DFB sollte sich was einfallen lassen um wieder Chancengleichheit und Spannung herzustellen.
3. öde
chillipalmer 17.04.2013
Eigentlich will man die Bayern in Berlin gar nicht mehr sehen. Immer das gleiche, wird zunehmend öde. Warum nicht mal Wolfsburg gegen Freiburg!. Bayernspiele zu sehen ist so spannend wie who done it Krimi zu sehen wo man den Täer vorher verrät. Man kann getrost abschalten.
4. Im deutschen Fiussball
eisbaerchen 17.04.2013
Zitat von sysopBeängstigend abgeklärt walzen die Bayern einen Gegner nach dem nächsten nieder. Der VfL Wolfsburg war im DFB-Pokal-Halbfinale dran. Dabei sorgten die Münchner Reservisten für die Glanzlichter der Partie. Das Spiel gegen Barcelona wird nun zum ultimativen Prüfstein. DFB-Pokal: FC Bayern siegt deutlich über VfL Wolfsburg - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/dfb-pokal-fc-bayern-siegt-deutlich-ueber-vfl-wolfsburg-a-894798.html)
bricht die grosse Langeweile aus...was gab es schon für packende Spiele im DFB Pokal zwischen von der Papierform sehr unterschiedlichen Gegnern. Es gibt doch nichts langweiligeres, als wenn die Spielausgänge so klar vorhersehbar sind. ich werde mir die restlichen DFB-Pokalspiele jedenfalls nicht mehr ansehen. Es reicht wenn man dann das Ergebnis zur Kenntnis nimmt. Hoenness und Konsorten haben es durch die brutale finanzielle Übermacht geschafft, dass es sowohl in der Bl als auch im Pokal langweilig wird, herzlichen Glückwunsch dazu...jetzt kann man nur hoffen, dass Bayern wenigstens international eine Rolle spielt (sprich in der CL ins Endspiel kommt), sonst wäre es noch schlimmer...
5. Bin gespannt
tristo 17.04.2013
ob jetzt wieder kommt "die waren erschreckend schwach die Wölfe...". "Unheimlich überlegen" drückt es ganz gut aus. Wolfsburg hat mitgespielt bzw. die Bayern haben sie gelassen. Unheimlich ist, dass die Bayern ohne Probleme 2 Gänge hochschalten können und dann eine Überlegenheit haben, die im Moment nur schwer zu verhindern ist. Und wenn dann noch die Chancen eiskalt genutzt werden, sind sie in dieser Form kaum zu schlagen. Hat man schon gegen Juventus gesehen. Wenn es nötig war, ein wenig Gas gegeben und schon hats gerappelt. Wenn sie auch gegen Barca so effektiv spielen, dann kommt Bayern weiter. Denn die Defensive der Katalanen ist bei weitem nicht so gut wie die Offensive. Und ob sie diesen unbedingten Siegeswillen der Bayern im Moment haben (2 Finals verloren motiviert anscheinend), glaube ich fast nicht.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fußball
RSS
alles zum Thema DFB-Pokal
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 221 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Bayern-Einzelkritik: Zauber-Würfel Shaqiri und Triple-Gomez

Fotostrecke
Wolfsburg-Einzelkritik: Diego trifft und geht auf Tauchstation
Themenseiten Fußball
Tabellen