Von Nils Lehnebach
Hamburg - Mike Büskens war außer sich, wild mit dem Zeigefinger gestikulierend machte er seiner Unzufriedenheit Luft. Gerade hatte Schiedsrichter Christian Dingert einen Handelfmeter gegen die Mannschaft des Fürther Trainers gepfiffen, eine Fehlentscheidung. Doch Büskens' Proteste blieben ohne Wirkung, Offenbachs Thomas Rathgeber verwandelte sicher zur Führung.
In der Nachspielzeit erhöhte Lars Bender für den Drittligisten, der nächste Favoritensturz war perfekt: Nach Hoffenheim scheiterte auch Bundesliga-Aufsteiger Greuther Fürth überraschend in der ersten Runde des DFB-Pokals. Auch wegen eines unberechtigten Elfmeters, vor allem aber wegen einer schwachen Leistung.
Mit etwas Abstand gestand das auch Büskens ein: "Wir haben verdient verloren, weil der OFC bissiger war und wir zu viele einfache Fehler gemacht haben." Doch ganz konnte sich der 44-Jährige nicht mit der Fehlentscheidung abfinden, der Frust war zu groß: "Wir sind aber nicht die Einzigen, die sich an die Nase packen müssen. Diese Woche hatten wir eine Regelschulung vom DFB. Da hat man uns gezeigt, wann es ein Elfmeter ist und wann nicht. Deshalb war ich ein wenig überrascht."
Doch der Elfmeter-Fauxpas konnte nicht über die eigene desolate Leistung hinwegtäuschen. Der Zwei-Klassen-Unterschied war in Offenbach nicht zu erkennen, insbesondere die Abwehr offenbarte große Schwächen. Auch im Spiel nach vorne fehlte es an Ideen und Durchsetzungsvermögen. Zwei Chancen von Sercan Sararer (3./21.) - mehr war von den Gästen lange nicht zu sehen.
In der zweiten Hälfte offenbarte Fürth zudem, dass es seinem Kader an der notwendigen Breite fehlt. Die eingewechselten Abdul Rahman Baba, Kingsley Onuegbu und Thanos Petsos konnten keine Impulse setzen. Zudem schwächte sich die Mannschaft unnötig selbst, Verteidiger Edgar Prib sah wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte, Baba flog nach einer Tätlichkeit vom Platz.
Auch in der Bundesliga droht ein holpriger Start
Es ist der erste Dämpfer für die zuletzt so erfolgsverwöhnten Fürther. Im vergangenen Jahr hatte der Club, nach zahlreichen gescheiterten Anläufen schon als die "Unaufsteigbaren" verschrien, endlich die Meisterschaft der zweiten Liga gewonnen - und das ziemlich überzeugend. Vereinspräsident Helmut Hack hatte gejubelt: "Das ist eine neue Dimension in unserer Vereinsgeschichte."
Auch im DFB-Pokal der vergangenen Saison begeisterte der Club und besiegte die Bundesligisten Nürnberg und Hoffenheim. Erst im Halbfinale scheiterte Fürth unglücklich am späteren Double-Sieger Borussia Dortmund. Nun sollte der positive Trend fortgesetzt werden. Fehlanzeige. "Jeder, der gedacht hat, dass das bei uns alles so weitergeht, hat gemerkt: Das ist Utopie", sagte Kapitän Mergim Mavraj nach der Pokalpleite.
Und es könnte noch schlimmer kommen: Auch in der Bundesliga droht angesichts des schweren Auftaktprogramms ein Fehlstart. Am kommenden Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) geht es zum Auftakt gegen Rekordmeister FC Bayern. Es folgen Partien gegen Mainz, Schalke und Wolfsburg.
Für die Offenbacher hingegen war es nach dem schwachen Saisonstart in der dritten Liga mit vier Niederlagen aus fünf Partien ein Befreiungsschlag. "Das ist ein Wahnsinnsgefühl", sagte Offenbachs Torschütze Bender. "Man hat gesehen: Jeder hat gewollt, jeder hat für jeden gekämpft, jeder ist für jeden gelaufen."
Befreit war auch Trainer Arie van Lent, der zuletzt unter Druck gestanden hatte. "Das war ein schöner Abend, der mir sehr guttut", sagte er. Schon vor der Partie hatte sich der Niederländer mit der möglichen Sensation beschäftigt. Als er nach dem Saisonziel im DFB-Pokal gefragt wurde, antwortete er nicht frei von Ironie: "Endspiel." Jetzt fehlen nur noch vier Überraschungen.
Kickers Offenbach - SpVgg Greuther Fürth 2:0 (1:0)
1:0 Rathgeber (28., Handelfmeter)
2:0 Bender (90.+1)
Offenbach: Wulnikowski - Stein, Stadel, Husterer, Dziwniel - Feldhahn, Mehic - Reinhardt (80. Bender), Rathgeber (88. Kleineheismann), Hahn - Fetsch
Fürth: Grün - Nehrig, Kleine, Mavraj, Prib - Fürstner, Tyrala (78. Petsos) - Sararer, Mikkelsen - Asamoah (67. Onuegbu), Nöthe (58. Baba)
Schiedsrichter: Dingert
Zuschauer: 7620
Rote Karte: Baba nach einer Tätlichkeit (88.)
Gelb-Rote Karte: Prib wegen wiederholten Foulspiels (55.)
Gelbe Karten: / - Nehrig, Sararer
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