DFB-Pokal-Krawalle: Dresdner und Dortmunder Rechtsextreme arbeiteten zusammen

Von , Dortmund

Die Ausschreitungen beim Pokalspiel zwischen Dortmund und Dresden waren heftig. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE planten Rechtsextreme aus beiden Städten die Randale teilweise gemeinsam - sie hatten sich sogar zuvor zur Auslosung gratuliert.

Pokalrandale: Krawallnacht in Dortmund Fotos
Getty Images

Die Reaktion kam schnell. Die Aussagen waren eindeutig. "Macht alles mobil, was zu euch steht", hieß es in einer E-Mail, die wenige Tage nach der Auslosung der Zweitrundenpartien des DFB-Pokals verschickt wurde. Darunter war auch die Partie Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden (2:0). Die Fans der Clubs gratulierten sich gegenseitig zur für sie erfreulichen Paarung.

Es sei endlich wieder an der Zeit "zu zeigen, wer Deutschland wirklich ist", frohlockte etwa ein gewisser "Schorsch". Dieser ist nach Einschätzung eines Dortmunder Ermittlers ein einflussreicher Vertreter des Nationalen Widerstands Ruhrgebiet (NW).

Mitglieder des Netzwerks, das zudem eine Art Koordinierungsstelle rechtsextremer Gruppen aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist, hatten anscheinend sehr früh die Idee, das Pokalspiel für ihre Zwecke zu nutzen. Es sollte die Stärke der rechtsextremen Szene demonstrieren.

In einer E-Mail, die SPIEGEL ONLINE einsehen durfte, schrieb "Schorsch", er könne "bis zu 2000 Karten für das Spiel beschaffen". Die E-Mail stammt vom 11. August, fünf Tage zuvor waren die Pokalduelle gezogen worden. Die Nachricht ging an "Wilhelmi".

Der Hooligan, mehrfach vorbestraft und führender Kopf in Dresdens rechter Szene, antwortete nur knapp eineinhalb Stunden später. "Kannst du buchen, 2000 kriegen wir locker hin", meldete "Wilhelmi" um 13.36 Uhr zurück.

"Herz und Fäuste schlagen für den Verein"

"Wilhelmi" gehört der "Faust des Ostens" (FdO) an, einer offen rechtsmilitanten Gruppierung von Fans des Zweitligisten Dynamo Dresden. Die braune Truppe gilt als eine der Nachfolgegruppen des "Assi-Pöbel". Der rechtsnationale Mob war vor Jahren in regelmäßigen Abständen durch gewalttätige Aktionen aufgefallen. Die FdO (Leitspruch: "Herz und Fäuste schlagen für den Verein") wurde Mitte 2010 gegründet.

Die rechten Hooligans gehen offenbar kaum weniger rücksichtslos vor als ihre Vorgänger. Zu Beginn dieser Saison soll die FdO sogar auf Fans des eigenen Vereins losgegangen sein, Mitglieder der Dynamo-Gruppe "Solo Ultra" kassierten Prügel. Die Dresdner Polizei rechnet 30 bis 60 Personen zur FdO. "Aber wie die Netzwerke dahinter aussehen, vermag bislang niemand zu sagen", so ein Beamter.

Nach Nordrhein-Westfalen gibt es anscheinend sehr gute Kontakte. Hier hat die Polizei in den vergangenen Jahren 4000 bis 5000 Verfahren aufgrund rechtsextremer Straftaten eingeleitet. Dortmund ist ein Zentrum rechter Gewalt. In den Stadtteilen Dorstfeld und Brechten haben sich einschlägige Vereine und Gruppierungen eingenistet. Sie beschmieren Wände mit Parolen wie "Brechten gehört den Rechten".

Mitglieder der berüchtigten "Borussenfront" mit dabei

Zudem gibt es eine Verbindung zwischen rechtsradikalen Gruppen und dem Dortmunder Fußball. In den achtziger Jahren hatte die Borussia schwer mit der gewalttätigen, rechtsradikalen "Borussenfront" zu kämpfen, die nicht nur im Stadion, sondern auch außerhalb immer wieder für Krawalle und Übergriffe sorgte. Etliche Mitglieder der "Borussenfront", darunter der ehemalige Anführer Siegfried B. ("SS-Siggi"), gehören auch dem NW an.

Die "Borussenfront" ist bereits vor Jahren aus dem Stadion des BVB verdrängt worden, sie agitiert nun auf Fußballplätzen unterklassiger Dortmunder Vereine. Drei ehemalige Mitglieder der "Borussenfront" sollen, so schreibt es "Schorsch" am 21. August an "Wilhelmi", die "Karten für das Spiel aus Holland besorgen". Der BVB stellte Dynamo zwar ein offizielles Auswärtskontingent von 9000 Tickets zur Verfügung, die Polizei in Dortmund zählte aber am Abend des Pokalspiels etwa 12.000 mitgereiste Dynamo-Fans.

Vieles deutet darauf hin, dass die restlichen, ausnahmslos unpersonalisierten Karten über den Schwarzmarkt in die Hände der Krawallmacher gerieten. "Mir waren etliche der Fans in Dortmund völlig unbekannt", sagt Christian Kabs, ein Mitarbeiter im Dresdner Fanprojekt. An einzelne mitgereiste Mitglieder der FdO könne er sich jedoch erinnern.

"Die Busse sind schon gebucht"

Die FdO-Anhänger, so schreibt "Wilhelmi" am 28. August, werden mit "einigen alten Freunden kommen. Die Busse sind schon gebucht." Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sollen sechs Reisebusse mit Dresdner Kennzeichen am späten Abend des 24. Oktobers, einen Tag vor dem Spiel, in Brechten eingetroffen sein. Am Spieltag selbst fuhren überdurchschnittlich viele Zuschauer per S-Bahn aus dem Dortmunder Norden zum Hauptbahnhof und von da aus zum Stadion.

Im Stadion waren Plakate mit Runenschrift zu sehen. Mittlerweile gibt es auch mehrere Zeugen, die rassistische Gesänge und Äußerungen beim Auftritt der Dynamo-Anhänger gehört haben wollen. In einer E-Mail vom 18. Oktober, also eine Woche vor dem Spiel, schrieb "Wilhelmi": "Wir danken euch. Nun ist es Zeit sich zu bekennen."

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollten der Staatsschutz Dortmund und der Verfassungsschutz Sachsen nichts zu möglichen Ermittlungen aufgrund rechtsradikaler Vorfälle während des Pokalspiels sagen. Wie allerdings Oberstaatsanwältin Ina Holznagel bestätigte, werde weiterhin wegen "Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz, schweren Landfriedensbruch, Widerstandshandlungen und Körperverletzung" ermittelt.

Zum Auftritt der mitgereisten Dresdner Stadionbesucher sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Wenn vor einigen hundert Jahren Dschingis Khan hier durchgezogen wäre, hätte es nicht anders ausgesehen." Der Sachschaden betrug insgesamt 150.000 Euro.

Anschließend gab es eine Debatte über Gewalt im Fußball, in der teilweise sehr undifferenziert über Ultras und Hooligans debattiert wurde. Die allermeisten Ultras, die sich als Bewahrer einer anti-kommerziellen Fußballkultur sehen, lehnen Gewalt ab.

Dynamo Dresden ist mittlerweile aufgrund der Vorfälle in Dortmund vom DFB-Pokal der kommenden Saison ausgeschlossen worden. Der Club hat jedoch Berufung gegen die Entscheidung eingelegt.

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insgesamt 52 Beiträge
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1. Wohl ein Beweis,
Stompf 01.12.2011
daß den Vereinen die Hände gebunden sind und die Bestrafung die Falschen trifft.
2. .
unrunzel 01.12.2011
---Zitat--- "Wilhelmi" gehört der "Faust des Ostens" (FdO) an, einer offen rechts-militanten Gruppierung von *Fans* des Zweitligisten Dynamo Dresden ---Zitatende--- könnt ihr ma aufhöhren, diese chaoten als fans von der SGD zu betiteln! wie Stompf geschrieben hat, was kann ein verein dagegen setzen? interessanterweise warte ich schon seit tagen auf eine antwort vom dfb, was denn ihrer meinung nach vereine gegen diese lästigen subjekte tun können. sinnlos abstrafen und die keule schwingen, das können die feinen herren aus frankfurt, aber diese eine frage beantworten........
3. ..
L0k3 01.12.2011
Solche Idioten gehören rücksichtslos aus den Stadien geknüppelt. Gewalt scheint die einzige Sprache zu sein den diese Primaten verstehen ergo sollte man dann auch so mit ihnen sprechen. Eventuell kapieren sie es dann einmal das kein normaler Mensch etwas mit ihnen zu tun haben will. Weder im Stadion noch auf der Straße.
4. T.i.t.e.l.
Freemedia 01.12.2011
Zitat von unrunzelkönnt ihr ma aufhöhren, diese chaoten als fans von der SGD zu betiteln! wie Stompf geschrieben hat, was kann ein verein dagegen setzen? interessanterweise warte ich schon seit tagen auf eine antwort vom dfb, was denn ihrer meinung nach vereine gegen diese lästigen subjekte tun können. sinnlos abstrafen und die keule schwingen, das können die feinen herren aus frankfurt, aber diese eine frage beantworten........
Ausschließlich personalisierte Eintrittskarten verkaufen (auch Auswärtskontingente), Stehplätze abschaffen, die Kurvenplätze nur an Familien mit Kindern vergeben, Alkoholausschank pro Person limitieren (ist ja keine große Sache bei einer personalisierten Eintrittskarte), offensichtlich Alkoholisierten den Zutritt zum Stadiongelände verweigern... Ach, da könnten die Vereine so viel machen, sie wollen es nur nicht. Nicht dass ich mir all das wünsche, aber es sind Möglichkeiten, die den Vereinen fraglos offen stehen.
5. .
unrunzel 01.12.2011
Zitat von FreemediaAusschließlich personalisierte Eintrittskarten verkaufen (auch Auswärtskontingente), Stehplätze abschaffen, die Kurvenplätze nur an Familien mit Kindern vergeben, Alkoholausschank pro Person limitieren (ist ja keine große Sache bei einer personalisierten Eintrittskarte), offensichtlich Alkoholisierten den Zutritt zum Stadiongelände verweigern... Ach, da könnten die Vereine so viel machen, sie wollen es nur nicht. Nicht dass ich mir all das wünsche, aber es sind Möglichkeiten, die den Vereinen fraglos offen stehen.
das sehe ich anders, die vereine setzen auf kommunikation, ich persöhnlich finde diesen weg langfristig sehr gut, familienblocks gibt es meines wissens in fast allen stadien (1./ 2.liga) personalisierte eintrittskarte und stehplätze ist wieder so eine sache, warum sollen fans bestraft werden und ihnen der fussball genommen werden? das problem wird damit nicht gelöst, es wird nur in untere ligen verlagert (siehe england). ich habe derzeit auch keine lösung parat, deshalb ja meine anfrage bei den weisen aus frankfurt.....
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