Leipzig gegen Wolfsburg Duell der Konzerne

RB Leipzig gegen VfL Wolfsburg: Im DFB-Pokal treffen die zwei umstrittensten deutschen Klubs aufeinander. Mit der Marktmacht von Red Bull und VW im Rücken haben beide Vereine große Ziele. Nicht nur im Pokal.

RB-Trainer Beierlorzer: Durchmarsch noch nicht abgeschrieben
Bongarts/Getty Images

RB-Trainer Beierlorzer: Durchmarsch noch nicht abgeschrieben

Von Ullrich Kroemer, Leipzig


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Leipzigs Interimstrainer Achim Beierlorzer hob eine Augenbraue und lächelte, als er vor dem DFB-Pokal-Achtelfinale zwischen RB Leipzig und VfL Wolfsburg (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf das erste Aufeinandertreffen beider Klubs angesprochen wurde.

Bei der DFB-Pokal-Premiere von RB Leipzig 2011 hatte der damalige Regionalligist die 3:2-Sensation geschafft. Felix Magath war da noch Wolfsburger Trainer und Manager. Bei den Leipzigern saß Peter Pacult auf der Trainerbank. Der Red-Bull-Verein hatte gerade die Sportdirektoren Dietmar Beiersdorfer und Thomas Linke verschlissen und mühte sich in der viertklassigen Regionalliga; Wolfsburg hatte sich von Manager Dieter Hoeneß getrennt und war gerade als 15. dem Abstieg entronnen.

Das ist nur dreieinhalb Jahre her, doch die Situationen und Protagonisten scheinen einer anderen Fußballepoche zu entstammen.

Die Gäste aus Niedersachsen sind heute die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga; der Parvenü aus Leipzig polarisiert wie kein zweiter Fußballverein hierzulande. Dass beide Konzernklubs derzeit mehr Erfolg haben als 2011, hat nicht ausschließlich mit Geld zu tun. Beiden stand es schon damals ausreichend zur Verfügung. Es geht auch zurück auf strategische Aufbauarbeit von Mannschaften und Strukturen.

"Da gibt es schon Parallelen", sagt Rangnick

Zwar entzünden sich an den konzerngelenkten Klubs heftige Fandebatten - im Falle Leipzigs sogar mit Demonstrationen und Boykotten. Doch die Erfolge, die sich auch dank der cleveren Klubentwicklungen einstellten, geben den Machern beider Vereine recht. "Beide Mannschaften legen ihren Fokus stark auf die Offensive, da gibt es schon Parallelen", sagt Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick.

Am Wochenende boten beide Klubs spektakuläre Torfestivals: Beim 3:2 der Leipziger gegen Union Berlin fielen fünf Treffer in einer knappen halben Stunde. Die Wolfsburger schossen in den letzten zwei Auswärtsspielen in der Bundesliga jeweils fünf Tore. Für das Pokalduell rechnet sich Beierlorzer selbstbewusst eine "50-50-Chance" aus. "Auch Wolfsburg agiert nicht komplett fehlerfrei. Es ist eine sehr, sehr gute Mannschaft, aber keine Übermannschaft", sagte der 47-Jährige.

"Wir wollen variabel spielen, mal tief stehen, sie dann wieder hoch anlaufen, um sie dort treffen, wo sie es am wenigsten erwarten." Doch nicht nur, was die offensive Ausrichtung angeht, auch hinsichtlich Struktur und Entwicklung weisen beide Klubs Gemeinsamkeiten auf.

Rangnick und Allofs stehen für den Erfolg

Der Amtsantritt von Ralf Rangnick im Juli 2012 war der eigentliche Startschuss des Projektes Rasenballsport Leipzig. Nur wenige Monate später wechselte Klaus Allofs als Geschäftsführer Sport nach Wolfsburg. Danach pirschten sich die "Wölfe" über die Platzierungen elf und fünf aktuell auf Tabellenposition zwei.

Beim Zweitliga-Achten RB Leipzig ist die dritte Aufstiegsfeier in Serie zwar aktuell unwahrscheinlich. Doch ganz abgeschrieben hat Rangnick den historischen Durchmarsch noch nicht. Erst am Wochenende rechnete der 56-Jährige vor, dass der Aufstieg bei neun Siegen aus den verbleibenden elf Ligaspielen noch möglich sei.

Auch die Vehemenz, mit der beide Teams derzeit an die Spitze drängen, eint die Klubs. Wolfsburg investierte durch die Verpflichtung von Weltmeister André Schürrle allein im Winter 35 Millionen Euro. Leipzig gab in der Winterpause 10,7 Millionen Euro für die schwedischen beziehungsweise israelischen Nationalspieler Emil Forsberg und Omer Damari aus. Die Top-Transfers der 2. Liga.

Dazu drängen beide Konzerne gleich mit mehreren Klubs in den Wettbewerb. Red Bull unterhält mit den Filialen Leipzig, Salzburg, Liefering, New York und Brasilien ein ganzes Klubkonglomerat. VW ist über die Tochter Audi auch beim FC Bayern München und Zweitliga-Spitzenreiter FC Ingolstadt beteiligt. Und auch personell gibt es zwischen den Klubs Verbindungen: Leipzigs Sportkoordinator Frank Aehlig und Salzburgs Geschäftsführer Jochen Sauer waren bereits in leitender Funktion beim VfL tätig.

Unter diesen Voraussetzungen ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis RB Leipzig auf Augenhöhe mit Wolfsburg agiert. Die Gastgeber hoffen, dass ihnen das zumindest für einen Pokalabend bereits heute gelingt. So wie 2011, doch nicht nur Achim Beierlorzer weiß: In den dreieinhalb Jahren seither hat sich fast alles verändert.

Zusammengefasst: RB Leipzig und der VfL Wolfsburg - die beiden Achtelfinalgegner im DFB-Pokal haben vieles gemeinsam. Beide werden von Großkonzernen gesteuert und finanziert. Wolfsburg ist schon da, wo Leipzig gerne sein möchte.

Fotostrecke

16  Bilder
DFB-Pokal-Analyse: Wie sich der BVB in Dresden durchsetzte

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kerckhofs 04.03.2015
1. man kann nur hoffen,
dass sich ein grosses Loch auftut und das Stadion grossräumig verschluckt...
clauebers 04.03.2015
2.
ich oute mich an der stelle mal als einer dieser "unechten" fussballfans, den es primär um schöne spiele geht, nicht um den verein dahinter. und dabei ist es mir total egal, wo der verein sein geld her hat, denn es ändert ja nichts an der sportlichen leistung. je mehr vereine an der spitze stehen, um so lustiger. und um ganz ehrlich zu sein, sind mir mehr oder weniger schweigende investoren manchmal auch lieber als die teilweise furchtbaren äusserungen von so manchen etablierten verein (nicht nur auf die beiden top vereine der letzten jahre bezogen). aber das ist nur meine persönliche meinung. so jetzt darf mir gerne jeder mitteilen, wo und warum ich falsch liege oder ähnliches
neu-stuttgarter 04.03.2015
3. Unterschied
Na ja, einen wichtigen Unterschied sollte man nicht außer acht lassen: In Leipzig steht (abgesehen von einigen unverbesserlichen Lok- oder Chemie-Fans) eine ganze Region hinter dem anstehenden Bundesliga-Fußball. In Wolfsburg interessiert das niemanden. So sind die Zuschauerzahlen bei Leipzig in der zweiten Liga mit 25.500 nur unwesentlich hinter den Wolfsburgern in der ersten Liga (27.700). Bei dem hoffentlich bald anstehenden Aufstieg werden es dann in Leipzig wohl locker Richtung 40.000 Zuschauer gehen. Auf geht's Rasenballer, die VW-Konzernbubis haut ihr weg.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.