Paderborns 0:6 gegen Bayern Spiel verloren, Herzen gewonnen

Ein Vorbild für jeden Bundesligisten: Der SC Paderborn hat bei der 0:6-Pleite gegen Bayern München mit viel Mut überzeugt. Sogar Arjen Robben und Jupp Heynckes gerieten ins Schwärmen.

Paderborner Profis verabschieden sich vom eigenen Anhang
REUTERS

Paderborner Profis verabschieden sich vom eigenen Anhang

Aus Paderborn berichtet


Ein Foto mit Mats Hummels, direkt vor der Kabinentür - die Mitarbeiterin des SC Paderborn war glücklich. Das war genau das, was sie sich gewünscht habe, gestand sie ihrem Arbeitskollegen.

Phillip Tietz ist Stürmer des Drittligisten und hatte sich vermutlich gewünscht, ein Tor gegen den FC Bayern zu schießen. Die Chance, die sich ihm in der 80. Minute bot, war größer als die zu einem Trikottausch mit Robert Lewandowski. Doch Tietz schoss aus fünf Metern neben das leere Tor. Er sagte: "Der Pass war nicht zu scharf, ich bin auch nicht ausgerutscht. Ich habe ihn einfach nur nicht reingemacht."

So viel Ehrlichkeit, so selten ist das in der Bundesliga zu hören. Genauso selten sind dort Mannschaften zu sehen, die dem FC Bayern ein würdiger Gegner sein wollen, obwohl sie um ihre deutlich geringeren Möglichkeiten wissen.

Auch damit punktete der SC Paderborn. Er hat 0:6 gegen den Rekordmeister verloren und ist damit im Viertelfinale des DFB-Pokals gescheitert. Aber er bewies den Mut, auch gegen die Übermacht des deutschen Fußballs einfach Fußball zu spielen. Statt sich mit zwei dichten Ketten in der eigenen Hälfte aufzustellen und den Ball nach vorne zu bolzen, versuchte der SCP, mit flachen Pässen das Spiel aufzubauen und vor das Tor des Gegners zu gelangen.

Robben und Heynckes outen sich als Paderborn-Fans

"Die haben das wirklich sehr gut gemacht, Kompliment. Die werden hundertprozentig Meister", sagte Arjen Robben, über dessen Kenntnisse der dritten Liga es allerdings keine gesicherten Erkenntnisse gibt. Bei seinem Urteil darf sich Robben auch auf seinen Trainer berufen. Jupp Heynckes gratulierte auch schon vorzeitig zur Meisterschaft: "Das ist schon guter Fußball, der hier gespielt wird. Nächstes Jahr gucke ich mir das in der zweiten Liga an."

Als der SC Paderborn in seiner einzigen Bundesligasaison vor drei Jahren 0:6 das Heimspiel gegen den FC Bayern verloren hatte, bedankte sich der damalige Trainer André Breitenreiter bei seinem Kollegen Pep Guardiola für das "tolle Erlebnis", was ihm Kritik und Häme einbrachte.

Der aktuelle Trainer Steffen Baumgart ist ein bisschen anders gestrickt.

"Du kriegst 6:0 den Arsch voll. Dass ich damit nicht zufrieden bin, weiß jeder, der mich kennt." Er nahm die Schuld für die konteranfällige Defensive auf sich. "Wenn einer die Mannschaft ins Verderben geschickt hat, dann war ich das", sagte Baumgart. Er habe mutigen Fußball gefordert und ihn auch gesehen: "Die Bayern waren halt unheimlich effizient. Wir hätten aber auch ein Tor verdient gehabt."

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Bayerns Sieg in Paderborn: Münchner Fußballtestspiele

Es wird nun mindestens eine weitere Saison dauern, bis der FC Bayern mal wieder gegen eine unterklassige Mannschaft aus dem Pokal ausscheidet. Zuletzt war das in der Saison 2003/2004 gegen den damaligen Zweitligisten Alemannia Aachen der Fall. In der neunten Saison hintereinander erreichten die Münchner nun das Halbfinale. Wahrscheinlich wird die Reise mit dem Endspiel in Berlin enden - Borussia Dortmund und RB Leipzig hatte das Team bereits in den Runden zuvor ausgeschaltet.

Nachdem Steffen Baumgart eingestehen musste, dass ein Tabellenführer der dritten Liga selbst an einem guten Tag gegen den Meister untergeht, entlarvte er sich als Fan der Münchner: "Ich wünsche den Bayern, dass sie weiter von Sieg zu Sieg eilen."

Am Freitag wird er selbst erfahren, wie es ist, turmhoher Favorit zu sein. Der SC Paderborn empfängt dann Rot-Weiß Erfurt, den Tabellenletzten. Die Fans stimmten sich schon während der Partie gegen die Bayern ein: "Wir holen die Meisterschaft und den Westfalen-Cup - und der Pokal, der ist uns scheißegal."

Und das Foto von Mats Hummels vor der Kabinentür hat der Klub ja auch noch.

SC Paderborn - Bayern München 0:6 (0:3)
0:1 Coman (19.)
0:2 Lewandowski (25.)
0:3 Kimmich (42.)
0:4 Tolisso (55.)
0:5 Robben (86.)
0:6 Robben (88.)
Paderborn: Ratajczak - Boeder, Schonlau, Strohdiek, Herzenbruch - Krauße, Wassey (46. Tietz) - Zolinski, Antwi-Adjej (66. Bertels) - Ritter (74. Klement), Michel
München: Ulreich - Kimmich, Süle, Hummels, Alaba - Vidal - Thomas Müller (32. Tolisso), Rodríguez (67. Rudy) - Robben, Lewandowski, Coman (81. Ribéry)
Schiedsrichter: Schmidt
Gelbe Karten: Zolinski (3) - Hummels, Vidal (3)
Zuschauer: 15.000 (ausverkauft)



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Seite 1
ortibumbum 07.02.2018
1. Lüge......
J. Heynckes geriet ins Schwärmen. Laberei. Gewonnen hat 500 Millionen gegen 3 Millionen, na und. Bei der Verlosung hat Bayern ein Heimspiel, wette 100 Euro. Entweder Heimspiel gegen Bundesliga, oder auswärts gegen 2. und 3. Liga. Es gibt ja noch Leute, die glauben, das sei Zufall. Warum noch diese vielen Spiele; gebt Bayern die Pokale und dann ist gut. Ist schon eine Supertruppe; mal soeben auch Hoffenheim leergekauft; so wie früher Dortmund, oder noch früher Gladbach. Ein probates aber höchst unsportliches Mittel. Dazu der DfB, der schützend die Hand über den Club hält; leider alles Geld gesteuert..... Da hilft auch kein Video Schiedsrichter; soweit es Bayern betrifft sieht er entweder für Bayern hin oder wenn es gegen Bayern wäre, sieht er nichts. Kann ja mal passieren.
spon_12 07.02.2018
2.
"Sogar Arjen Robben und Jupp Heynckes gerieten ins Schwärmen." Da muss Paderborn aufpassen, dass die Bayern nicht wildern. Für alle Fans des Fußballs wünsche ich den Bayern auch in der nächsten Runde eine Mannschaft, die nicht nach 20.00 Uhr spielen darf - damit die ARD ihrer Linie treu bleibt und diese sinnfreien Freundschaftsspiele nicht ins Hauptprogramm packt.
!!!Fovea!!! 07.02.2018
3. Ist das echt ein Artikel wert?
Wer gegen die Bayern spielt, ist doch immer die Mannschaft der Herzen. Während sich andere Bundesligisten mit richtigen Gegnern messen mussten/müssen, bekam der FCB Paderborn zugelost.... So ein Zufall......, oder wollte man Paderborn einen finanziellen Zugewinn zusichern. Jetzt können sich die Erfolgsfans des FCB wieder an den Post abarbeiten. Viel Spaß.
andraschek 07.02.2018
4. Was für ein Blödsinn
Zitat von !!!Fovea!!!Wer gegen die Bayern spielt, ist doch immer die Mannschaft der Herzen. Während sich andere Bundesligisten mit richtigen Gegnern messen mussten/müssen, bekam der FCB Paderborn zugelost.... So ein Zufall......, oder wollte man Paderborn einen finanziellen Zugewinn zusichern. Jetzt können sich die Erfolgsfans des FCB wieder an den Post abarbeiten. Viel Spaß.
und was sagen Sie zu den Spielen gegen Dortmund und Leipzig, mussten die mit den Amatueren antreten?
NauMax 07.02.2018
5.
Zitat von !!!Fovea!!!Wer gegen die Bayern spielt, ist doch immer die Mannschaft der Herzen. Während sich andere Bundesligisten mit richtigen Gegnern messen mussten/müssen, bekam der FCB Paderborn zugelost.... So ein Zufall......, oder wollte man Paderborn einen finanziellen Zugewinn zusichern. Jetzt können sich die Erfolgsfans des FCB wieder an den Post abarbeiten. Viel Spaß.
Klar doch. Bayern hat immer Losglück. Immerhin bekamen sie in der 3. Runde so ein Fallobst wie Leipzig und im Achtelfinale den Absteigskandidaten Borussia Dortmund zugelost.
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