Schalkes Pokal-Aus Neuer Trainer, alte Probleme

Es sollte alles besser werden beim FC Schalke - denkste! Auch unter dem neuen Trainer Jens Keller spielte die Mannschaft schwach, war verunsichert und schied im Pokalachtelfinale gegen Mainz aus. Daran hatte auch der Coach mit seiner Aufstellung Schuld.

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Von , Gelsenkirchen


Für Jens Keller war es ein unglücklicher Zufall, dass er bei seinem ersten Spiel als Cheftrainer des FC Schalke 04 ausgerechnet Thomas Tuchel begegnete. Der Coach von Mainz 05 war zuletzt immer wieder als möglicher S04-Trainer zur kommenden Saison gehandelt worden, bestritt Kontakte nach Gelsenkirchen aber vehement. Dennoch verkörpert der 39-Jährige nach wie vor die Sehnsucht vieler Menschen im Umfeld des Revierclubs nach einer echten Erneuerung bei Schalke.

Trainer bei S04 ist aber erst einmal Keller, und der verbarg seine Enttäuschung und seine wahren Gedanken nach der 1:2-Niederlage im Pokalachtelfinale gegen Mainz hinter einer Mauer bekannter Fußballerphrasen. In der ersten Halbzeit habe er "die Verunsicherung" seines Teams gesehen, sagte Keller. Später habe man "den Jungs angemerkt, dass sie unbedingt gewinnen wollten".

Tuchel hingegen sparte sich Phrasen, er lieferte eine messerscharfe Fachanalyse, nachdem er sich wieder beruhigt hatte. Der Mainzer Trainer war in der zweiten Halbzeit von Schiedsrichter Marco Fritz auf die Tribüne geschickt worden, weil er sich über ein übles Foul von Schalkes Jermaine Jones an Marco Caligiuri aufgeregt hatte. Nach dem Spiel aber sprach er ruhig und deutlich. Die Journalisten aus dem Revier, die sich zuletzt an der Widerborstigkeit des Huub Stevens abarbeiten mussten, lauschten staunend über so viel durchdachte Klarheit.

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DFB-Pokal: Auch Keller bringt S04 kein Glück
Entscheidend für den Erfolg sei die Umstellung auf eine Mittelfeldraute gewesen, so Tuchels Analyse. "Weil wir die Flanken nicht verhindert haben. Also haben wir gesagt, dann können wir auch eine Raute spielen, dann sind die Flanken zwar noch schwerer zu verhindern. Aber dann wissen wir wenigstens, dass die Flanke kommt", erklärte Tuchel. "Im Umkehrschluss haben wir so drei Konterspieler auf dem Platz. Der Laufweg von Nicolai Müller war dann der Laufweg einer breiten Spitze in die Schnittstelle."

Müller war es dann auch, der in der 82. Minute nach einem langen Ball von Jan Kirchhoff zum 2:1 traf. So, wie es sich Tuchel mit seiner Umstellung vorgestellt hatte. Die Idee seines Gegenübers Keller, den offensiven Mittelfeldspieler Tranquillo Barnetta rechts in der Abwehrkette aufzubieten, erwies sich hingegen als Eigentor: Der Schweizer begünstigte durch Nachlässigkeiten beide Gegentreffer. Vor dem 0:1 versäumte es Barnetta, mit dem Torschützen Caligiuri mitzulaufen (30.), vor dem 1:2 ließ er Müller entwischen.

"So was darf nicht passieren. Der Ball war gefühlte zehn Sekunden unterwegs", sagte Keller zum 1:2. Seine Mannschaft hatte zwar gekämpft und mit einer Energieleistung Klaas-Jan Huntelaars das 1:1 erzwungen (75.), war spielerisch jedoch weit entfernt vom Niveau der ersten Hinrunden-Hälfte. Für den Moment hat der Trainerwechsel noch nicht den erhofften Befreiungseffekt bewirkt.

Ehemalige Leistungsträger wie Roman Neustädter, der sich nach seinem Länderspieldebüt Mitte November von einem brillanten Strategen in einen völlig verunsicherten Fehlpassproduzenten verwandelt hat, befinden sich in einer ungebremsten Abwärtsspirale. Jermaine Jones ist nur noch ein Schatten jener gefürchteten Instanz, die das Mittelfeld an guten Tagen mit seiner energischen Präsenz beherrschen kann. Julian Draxler wirkt müde und verletzte sich auch noch am Knie. Wie lange er ausfällt, steht noch nicht fest.

All das sorgte dafür, dass die Stimmung von Schalkes Manager Horst Heldt nicht die beste war. "Die Veränderungen, die stattgefunden haben, möchte ich nicht kommentieren, weil ich nicht möchte, dass das Alte mit dem Neuen verglichen wird", sagte Heldt zum missglückten Trainerdebüt Kellers. Dieser eher komplizierte Satz ist bezeichnend für die Komplexität der Schalker Krise.

Schalke 04 - FSV Mainz 05 1:2 (0:1)
0:1 Marco Caligiuri (30.)
1:1 Huntelaar (75.)
1:2 Nicolai Müller (82.)
Schalke: Hildebrand - Barnetta, Höwedes, Metzelder, Christian Fuchs - Jones, Neustädter (67. Holtby) - Farfan, Draxler (57. Obasi) - Marica, Huntelaar
Mainz: Wetklo - Pospech, Svensson (80. Kirchhoff), Noveski, Zabavnik (8. Diaz) - Baumgartlinger, Polanski - Nicolai Müller, Marco Caligiuri - Szalai, Parker (70. Soto)
Schiedsrichter: Fritz
Zuschauer: 54.202
Gelbe Karten: Jones - Caligiuri



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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
narro 19.12.2012
1. ... das hätte Stevens besser gemacht.......!!!
Jens Keller schon für den Pokalspiel zu holen war ein erneute riesen Fehler von Heldt.............! Heldt müsste .....wenn ER das überhaupt kann.....den Sauladen endlich in Ordnung bringen , oder sein Hut nehmen .....!!
narro 19.12.2012
2. ... das hätte Stevens besser gemacht.......!!!
Jens Keller schon für den Pokalspiel zu holen war ein erneute riesen Fehler von Heldt.............! Heldt müsste .....wenn ER das überhaupt kann.....den Sauladen endlich in Ordnung bringen , oder sein Hut nehmen .....!!
pefete 19.12.2012
3. Liebe/r Munster
Der Jahrhundertrainer, der die Jungs in die CL gebracht und gehalten hat, musste gehen. Mit neuem Trainer und den selben Spielern haben sie zu Hause versagt. Noch Fragen?
konib 19.12.2012
4. alte Probleme?
Oh ja, es war alles so schlecht in der Hinrunde. Ungeschlagener Erster in der Gruppenphase der Ch. League, bester Saisonstart seit langem, einen Punkt hinter den internationalen Plätzen, im Achtelfinale des DFB Pokals. Bei Schalke gehen mal wieder Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Wer auf drei Hochzeiten tanzt und nicht der FC Bayern ist, kann auch mal schwächeln. Aber dann lieber die Mannschaft noch mehrverunsichern indem man den Trainer entlässt. Ja, vielleicht doch die alten Probleme auf Schake, nämlich sich den Realitäten zu stellen.
schalkefan 19.12.2012
5. Der Fisch stinkt vom Kopf an
Die Mannschaft ist am auseinanderbrechen. Notwendige Ruhe hätte die vorzeitige Verlängerung von Verträgen mit Huntelaar bzw. Holtby gebracht. Das ist Manageraufgabe. Dass man das bis mindestens Winterpause dahintröpfeln läßt ist fahrlässig. Stevens hatte u.a. die Aufgabe die Unruhesituation zu kitten und zu kaschieren. Jetzt ist er ein Bauernopfer. Wenn Heldt es jetzt ernst meint, muß er endlich Perspektiven schaffen und nicht den Verein demontieren. Da war Magath auf jeden Fall der aktivere Manager.
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