Bundesligisten im DFB-Pokal: Und raus bist du

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Die Großen scheitern, die Kleinen kommen weiter - für solche Dramen lieben die Fans den DFB-Pokal. Jetzt mussten sich gleich sechs Bundesliga-Clubs nach der ersten Runde verabschieden. Manche gaben dem Wetter die Schuld, dabei waren die Siege der Außenseiter eine Frage der Einstellung.

DFB-Pokal: Die Schmach der Großen Fotos
REUTERS

Hamburg - Man muss Blamagen auch mal positiv sehen und nicht immer nur meckern. Heiko Westermann ist ein leuchtendes Beispiel für optimistisches Nach-vorne-Denken. Natürlich sei die Pokalpleite beim Karlsruher SC enttäuschend gewesen, sagte der Kapitän des Hamburger SV. Aber: "Wir konzentrieren uns nun auf die Bundesliga." Daran tut der HSV auch gut. Denn die Leistung gegen den Drittligisten KSC lässt vermuten, dass der Club mit der Liga und dem Verbleib in ihr in den kommenden Monaten genug beschäftigt sein wird.

Immerhin: Der HSV darf sich den Spott mit einer ganzen Reihe anderer Clubs teilen. Hoffenheim, Fürth, Frankfurt, Bremen, Nürnberg und eben Hamburg - ein Drittel aller Bundesligisten musste sich schon nach der ersten Runde aus dem DFB-Pokal verabschieden. Das hatte es zuletzt vor 25 Jahren gegeben, in der Saison 1987/1988.

Aber woher kommt das große Favoritensterben in diesem Jahr? Dafür gibt es mehrere Gründe - zumindest nach Ansicht der betroffenen Trainer. "Es war ziemlich heiß, das war ein Problem für uns", sagte Frankfurts Trainer Armin Veh, der mit seinem Team 0:3 beim Zweitliga-Vorletzten Erzgebirge Aue unterging. Allerdings sind hohe Temperaturen eine schlechte Ausrede, wenn der Gegner mit den gleichen Verhältnissen zurechtkommen muss.

"Preußen hatte einen Vorteil, weil sie schon fünf Spieltage hinter sich haben", analysierte Werder-Trainer Thomas Schaaf nach der 2:4-Pleite in Münster. Dass allein der Rhythmus den spielerischen und taktischen Unterschied von zwei Spielklassen kaschieren soll, ist allerdings eine fragwürdige Theorie.

"Uns war klar, dass es nur über den Willen geht"

Treffender klang da schon, was Schaafs Gegenüber Pawel Dotschew zu sagen hatte: "Uns war klar, dass es nur über den Willen geht, das hat die Mannschaft toll gemacht." Oder wie es Havelses Trainer André Breitenreiter nach dem 3:2-Erfolg des Viertligisten gegen den 1. FC Nürnberg ausdrückte: "Meine Spieler waren eigentlich nach 80 Minuten tot. Aber sie haben in der Verlängerung das Allerletzte aus sich herausgeholt."

Der DFB-Pokal ist vor allem eine Frage der Einstellung. Und an der haperte es bei einigen Favoriten am Wochenende offenbar. Es klingt abgedroschen: Aber wer mit 90 Prozent bei einem klassentieferen Club antritt, für den die Partie nicht selten das Spiel des Jahres und der daher bereit ist, sich für den Erfolg zu zerreißen, geht schnell als Verlierer vom Feld. Wolfsburgs Trainer Felix Magath hat das vor dem Sieg seines VfL gegen Sechstligist Schöneberg ganz treffend beschrieben, als er sagte, dass auch ein Amateurclub jederzeit einen Bundesligisten rausschmeißen könne, wenn die Einstellung stimme.

In der ersten Runde erwischte es vor allem Bundesligisten, die sich bei der Einstellung kaum Nachlässigkeiten erlauben können. Weil sie nicht in der Lage sind, diese mit spielerischen Mitteln zu kaschieren. Anders die Top-Clubs der vergangenen Saison. Dortmund, Schalke, Leverkusen, Stuttgart, Hannover, Mönchengladbach: Kein einziger deutscher Europapokalteilnehmer gab sich im DFB-Pokal eine Blöße, im Gegenteil - alle gewannen ihre Duelle souverän. Diese makellose Bilanz kann nur noch der FC Bayern trüben, wenn er am Abend bei Zweitligist Jahn Regensburg (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ausscheiden sollte.

Nun ist diese Sache mit der Einstellung keine wirklich neue Erkenntnis. Sie wird aber immer wichtiger, je professioneller der Sport wird. Viele Drittligisten und sogar ein Teil der Viertligisten sind heute Profiteams, die ebenso täglich trainieren wie Erst- und Zweitligisten. Bei den physischen Eigenschaften - Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit - können nicht wenige Drittligaspieler mittlerweile problemlos mit Bundesliga-Profis mithalten. Den Unterschied im technisch-taktischen Bereich müssen die Außenseiter mit Willen kompensieren.

Nach dem knappen Düsseldorfer Sieg bei Wacker Burghausen sagte Fortunas Sportdirektor Wolf Werner: "Für die Bundesliga war es ein schwerer Tag, deshalb waren wir gewarnt. Um bei einem Drittligisten zu gewinnen, muss man viel investieren." Eben: Alles eine Frage der Einstellung.

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Es ist doch ganz einfach . . .
pseudacacia 20.08.2012
Fussball"profis" trainieren im großen Durchschnitt einfach zuwenig. Einen professionellen Schwimmer, Basketballer, Handballer, Eishockeyspieler, Volleyballer, Leichtathleten, Tennisspieler etc. pp. kann man jederzeit nachts um 3:00 Uhr aus dem Bett schmeissen und die würden immer noch gegen 3. -oder 4.-klassige Gegner gewinnen. Der Aufwand an echter Trainingszeit eines Fussballprofis ist im Durchschnitt einfach mal lächerlich gering. Und die ewige Ausrede über die körperliche Belastung, insbesondere Zweikämpfe, Verletzungen etc . . . - lächerlich, da sollen die mal einen Handballprofi, Eishockeyspieler oder NBA-Basketballer fragen. Diesen Profis erfriert ein Fussballer doch im Rucksack.
2. wie bitte ?
spon-facebook-10000184299 20.08.2012
das wetter war schuld...hatten die Ertsligavereine anderes Wetter als die Vereine aus der 2.,3. und 4. Liga ?? Hatten die vielleicht eingebaut Klimaanlagen..und hatten so einen Vorteil gegenüber den Erstligavereinen..die bei der starken Hitze spielen mussten. Das ist ja so gemein :lol:
3. Dieser Satz
tombik251 20.08.2012
sagt es doch so schön: "Wir konzentrieren uns nun auf die Bundesliga." Mindestens 2/3 aller BL-Niederlagen sind gewollt, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
4.
Goldwin 20.08.2012
Zitat von sysopDie Großen scheitern, die Kleinen kommen weiter - für solche Dramen lieben die Fans den DFB-Pokal. Jetzt mussten sich gleich sechs Bundesliga-Clubs nach der ersten Runde verabschieden. Manche gaben dem Wetter die Schuld, dabei waren die Siege der Außenseiter eine Frage der Einstellung. DFB-Pokal: Sechs Clubs aus Bundesliga scheitern in erster Runde - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,850886,00.html)
Ein Grund für die vielen Niederlagen der Buli-Klubs ist für mich der frühe Saisonstart der unteren Ligen. Die 2, 3 und 4-Ligisten spielen schon wieder eine Weile. Die Mannschaften sind besser eingespielt als die BuLi-Klubs
5. DFB-Pokal -> Europa League
manhattan78 20.08.2012
Zitat von tombik251sagt es doch so schön: "Wir konzentrieren uns nun auf die Bundesliga."
Das ist ja nur eine Phrase, die beim Ausscheiden aus jeglichem Pokalwettbewerb verwendet wird. Aber sicher doch. Der DfB-Pokal ist der kürzeste Weg in die Europa-League. Nach nur 5/6 Siegen ist man dabei. Wieso sollten Mannschaften wie Bremen oder der HSV, die aufgrund ihrer teuren Spielerkader eigentlich permanent auf Einnahmen aus dem europäischen Geschäft angewiesen sind, aber in den letzten Jahren nicht qualifiziert waren, diese Möglichkeit freiwillig abschenken. Auch Mannschaften wie Fürth oder Hoffenheim, die noch nie international dabei waren, haben wohl kaum "absichtlich" verloren. Natürlich ist die Bundesliga das wesentliche. Aber ein zusätzlicher Wettbewerb mit höchstens 6 Spielen verteilt auf 9 Monate kann ja wohl kaum als zusätzliche Belastung angesehen werden.
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1. Runde DFB-Pokal 2012/2013
Freitag 19 Uhr
SG Sonnenhof Großasbach - FSV Frankfurt 1:2
VfB Lübeck - Eintracht Braunschweig 0:3
Freitag 20 Uhr
SV Wilhelmshaven - FC Augsburg 0:2
Samstag 15.30 Uhr
Hallescher FC - MSV Duisburg 0:1
FC Oberneuland - Borussia Dortmund 0:3
SC Victoria Hamburg - SC Freiburg 1:2
SpVgg Unterhaching - 1. FC Köln 1:2
SV Falkensee-Finkenkrug - VfB Stuttgart 0:5
Offenburger FV - FC St. Pauli 0:3
Carl Zeiss Jena - Bayer Leverkusen 0:4
Berliner Athletik Klub 07 - 1899 Hoffenheim 4:0
Alemannia Aachen - Gladbach 0:2
Samstag 18 Uhr
1. FC Heidenheim - VfL Bochum 0:2
Samstag 20.30 Uhr
FC Schönberg 95 - VfL Wolfsburg 0:5
Kickers Offenbach - SpVgg Greuther Fürth 2:0
Sonntag 14.30 Uhr
FC Nöttingen - Hannover 96 1:6
Wormatia Worms - Hertha BSC 2:1
Karlsruher SC - Hamburger SV 4:2
TSV Havelse - 1. FC Nürnberg 3:2 n.V.
FC Hennef 05 - 1860 München 0:6
Sonntag 16 Uhr
VfR Aalen - FC Ingolstadt 3:0
Arminia Bielefeld - SC Paderborn 3:1
Preußen Münster - Werder Bremen 4:2 n.V.
Erzgebirge Aue - Eintracht Frankfurt 3:0
1. FC Saarbrücken - Schalke 04 0:5
Sonntag 18.30 Uhr
Wacker Burghausen - Fortuna Düsseldorf 0:1
Hansa Rostock - 1. FC Kaiserslautern 1:3
Sonntag 20.30 Uhr
SV Roßbach/Verscheid - FSV Mainz 05 0:4
Montag 18.30 Uhr
Chemnitzer FC - Dynamo Dresden 0:3
Rot-Weiss Essen - Union Berlin 0:1 n.V.
SV Sandhausen - Energie Cottbus 3:0
Montag 20.30 Uhr
Jahn Regensburg - FC Bayern München 0:4