Herthas Stadionpastor Als Otto Rehhagel einmal in die Kapelle kam, den Psalm 23 aufsagte und wieder ging

Im Pokalhalbfinale ist Hertha gegen Dortmund Außenseiter. Aber: Göttlicher Beistand ist nah - in der Stadionkapelle von Pastor Bernhard Felmberg.

Getty Images

SPIEGEL ONLINE: Herr Felmberg, Hertha BSC stand ja erst einmal im Finale des DFB-Pokals in Berlin, 1992/1993 und verlor damals...

Berhard Felmberg: ...gegen Leverkusen! Und noch nicht mal die erste Mannschaft, sondern die Bubis, die Amateure . Ulf Kirsten hat das Siegtor geschossen. Reden wir nicht davon, wir haben damals sehr gelitten.

SPIEGEL ONLINE: Braucht Hertha göttlichen Beistand, um an diesem Mittwoch (20.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD und Sky) gegen den BVB ins Finale einzuziehen?

Felmberg: Gottes Segen brauchen wir alle! Es ist einfach eine schöne Situation für den Verein, weil es viel besser läuft, als man vor der Saison gedacht hätte. Das Halbfinale gegen Dortmund ist die erste kleine Ernte und ein Vorgeschmack auf ein mögliches Finale. Hertha ist ja eigentlich bekannt dafür, im DFB-Pokal früh auszuscheiden. Ich hoffe einfach, dass die Jungs noch hinreichend Kraft haben, den Dortmundern mindestens Paroli zu bieten.

SPIEGEL ONLINE: Wird es zum Halbfinale einen Gottesdienst geben? Und wie ist es mit dem Pokalfinale?

Felmberg: Beim Halbfinale gibt es wie bei jedem Bundesligaspiel eine Dreiviertelstunde vor Anpfiff eine ökumenische Andacht in der Kapelle. Da werden am Mittwoch auch die "Biene Majas", die Schwarz-Gelben kommen, darauf freuen wir uns schon. In die Andachten kommen immer Fans der Gast- und der Heimmannschaft. Vor dem DFB-Pokalfinale findet ein Gottesdienst zur Mittagszeit in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche statt. Jedes Jahr predigt da jemand anders und der Gottesdienst ist mit 300 bis 500 Menschen gut besucht.

SPIEGEL ONLINE: Was ist das Besondere an der Kapelle?

Felmberg: Reizvoll für die Besucher ist, dass die Kapelle nur wenige Meter vom Spielfeld entfernt ist und sich im Top-Secret-Bereich des Stadions befindet. Für 20 Minuten werden vor jedem Spiel so die Karten-Kategorien durchbrochen. Im Gottesdienst sitzt dann der Hertha-Präsident neben einem Fan aus der Ostkurve, das ist einzigartig. In zehn Jahren hatten wir 13.000 Gottesdienstbesucher und 600.000 Leute haben die Kapelle besichtigt.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht ihre Arbeit als Stadionpastor aus?

Felmberg: Wir veranstalten vor jedem Heimspiel einen Gottesdienst. Taufen und Trauungen feiern wir regelmäßig an Wochenenden. Auch Beerdigungen kommen vor. Wie viel Kontakt wir zu den Spielern haben, ist unterschiedlich. Bei manchen haben wir die Kinder getauft, stehen zum Gespräch bereit, tauschen uns aus, beten zusammen. Den Gottesdienst vor einem Spiel besuchen unsere natürlich nicht - da stehen sie ja schon auf dem Platz und machen sich warm. Dafür sind wir dann im Spielertunnel, geben den Hertha-Spielern die Hand und wünschen ihnen Gottes Segen.

Fotostrecke

10  Bilder
Carsten Ramelow: Zweiter Sieger

SPIEGEL ONLINE: Gibt es besondere Erlebnisse mit Spielern oder Fans, die Ihnen im Gedächtnis geblieben sind?

Felmberg: Auf jeden Fall die WM 2006, die Begegnungen mit Nationalspielern wie Christoph Metzelder oder Sebastian Kehl. Oder als Otto Rehhagel versuchte, Hertha vor dem Abstieg zu retten. Da kam er irgendwann in die Kapelle, sagte einmal den kompletten Psalm 23 auf und ging wieder. Oder Pál Dárdai, den ich schon als Spieler kennengelernt habe und der mal gefragt hat, warum die Bibelverse an den Wänden nicht auch ins Ungarische übersetzt sind. Sollten wir tatsächlich nächste Saison international spielen, werde ich unseren Leitvers "Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele?" (Matthäus 16,26) vielleicht nochmal auf Ungarisch auf der Kapellenwand verewigen lassen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind Stadionpastor, sind sie auch wirklich begeisterter Hertha-Fan?

Felmberg: Ja. Ohne eine innere Beziehung zu diesem Verein geht das nicht. Diese muss genauso vorhanden sein wie der Wunsch, das Wort Gottes im Stadion zu verkünden. Kirche und Sport in Beziehung zu setzen, das ist mein Antrieb. Mein katholischer Kollege und ich machen das ja im Ehrenamt in der Regel nach einer intensiven Arbeitswoche. Uns trägt die Begeisterung! Andererseits: Wer an diesem Ehrenamt keinen Spaß hat, ist selbst schuld.

SPIEGEL ONLINE: Was ist Ihnen wichtiger, das Weiterkommen im Pokal oder in der kommenden Saison international zu spielen?

Felmberg: Eigentlich lautet mein Vers: Hauptsache, sie spielen nächstes Jahr international. Aber wir haben noch ein paar schwere Spiele. Der Verein hat viel durchgemacht und jetzt stehen wir gefühlt seit Dutzenden Wochen auf Platz drei oder vier. Wir können total happy sein über die bisherige Saison. Aber ich hoffe trotzdem, dass die Spieler den Drive haben, noch einen oben drauf zu setzen. Es wäre großartig, wenn sich die Mannschaft mit einem Sieg gegen Dortmund noch richtig beschenken könnte.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Tipp für das Spiel?

Felmberg: Hertha gewinnt 2:1.



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.