Wolfsburg-Sieg in Offenbach: Durch die Hintertür ins große Geschäft

Aus Offenbach berichtet Frank Hellmann

DFB-Pokal: Kickers-Serie gestoppt Fotos
Getty Images

Der Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals hat für den VfL Wolfsburg höchsten Stellenwert: Er könnte helfen, eine durchwachsene Bundesliga-Saison zu kaschieren - und vielleicht wieder ins internationale Geschäft einzusteigen. Manager Klaus Allofs geht es dabei vor allem um das Image des Clubs.

Alexander Madlung und Naldo besitzen imposante Oberkörper. Womöglich ist dies noch der intensiven körperlichen Ertüchtigung unter ihrem früheren Trainer Felix Magath zuzuschreiben, zumindest hatten die beiden langen Innenverteidiger des VfL Wolfsburg keine Probleme damit, sich am Dienstagabend nach dem hart erkämpften 2:1-Sieg rasch ihrer Trikots zu entledigen. Als sie dann in ihren giftgrünen Unterhemden im Kabinengang standen, nahmen sich die großen Männer noch einmal in den Arm. "Haben wir doch gut gelöst", sagte Madlung. Die Erleichterung war ihnen anzusehen.

Erleichterung - das war so etwas wie das Wort des Abends aus Wolfsburger Sicht. "Bis auf die erste Minute war das sehr konzentriert. Wir wussten ja, dass das kein Spaziergang wird", sagte Manager Klaus Allofs anschließend. Immerhin hatte Drittligist Kickers Offenbach schon dreimal in dieser Saison vermeintliche Pokal-Spaziergänge jäh beendet. Jeweils mit 0:2 gingen nacheinander Greuther Fürth, Union Berlin und Fortuna Düsseldorf in die Knie. Doch nun ist Schluss mit den Offenbacher Überraschungen. "Wir haben alles abgerufen und an die tollen Pokalauftritte angeknüpft", sagte der neue OFC-Trainer Rico Schmitt, "doch das vierte Wunder konnten wir nicht schaffen."

Der VfL wünscht sich gegen Freiburg ein Heimspiel

Sein Team scheiterte an einer Wolfsburger Mannschaft, die sich auf dieses K.-o.-Spiel eingeschworen hatte wie auf keine andere Auseinandersetzung. Mittelstürmer Bas Dost erklärte: "Mein Teamkollege Patrick Helmes hat mir erzählt, was in Berlin abgeht - da müssen wir hin. Und Diego und Naldo haben mit Bremen schon den Pokal gewonnen, das wollen wir nachmachen." Der Niederländer brachte damit auf den Punkt, warum Wolfsburg an diesem Abend zur Stelle gewesen war: Es war eine Frage des Willens. Erst Ivica Olic mit einem kuriosen Treffer zum 1:0 (50. Minute), dann Dost nach Kombination über Diego und Marcel Schäfer (71.) stellten die Weichen zum Weiterkommen.

"Das war Hand, Bauch, Brust - aber Hauptsache, der Ball geht rein und wir sind im Halbfinale", sagte Olic nach der Partie. Am liebsten wäre ihm jetzt ein Heimspiel gegen den SC Freiburg, der mit viel Glück Mainz 05 aus dem Wettbewerb warf. Denn sie alle wissen in Wolfsburg: Nur mit einem Pokalcoup - möglicherweise reicht schon der Einzug in ein Endspiel gegen Dortmund oder Bayern, um sich für die Europa League zu qualifizieren - lässt sich die durchwachsene Bundesligasaison noch retten.

"Es ist ein langer Weg"

Doch dem erst seit Jahresanfang tätigen Dieter Hecking gefällt so eine Formulierung nicht. "Wir müssen nichts kaschieren. Das sind zwei unterschiedliche Wettbewerbe. Wir sind insgesamt auf einem guten Weg, aber in der Bundesliga fehlen uns noch die Ergebnisse. Die Mannschaft wächst jedoch Woche für Woche besser zusammen", sagte der VfL-Trainer.

Hecking hat es tatsächlich geschafft, das fragile Wolfsburger Gebilde zu stabilisieren; die 4-2-3-1-Formation hat eine defensive Denke verinnerlicht, in der auch Feingeister wie Diego oder Vieirinha sich für keinen Weg zu schade sind.

Der 48-jährige Fußballlehrer hat nun den Pokalsieg als Ziel ausgerufen: "Wenn man ein Halbfinale spielt, will man nach Berlin. Und dort will ich nicht die Stadt angucken, sondern den Cup gewinnen."

Sein neuer Vorgesetzter Allofs sieht das ähnlich: "Wenn man international nicht dabei ist, ist der DFB-Pokal eine tolle Sache." Er liebäugelt damit, durch die Hintertür zur internationalen Spielberechtigung zu kommen, nach der bekanntlich auch die VW-Manager im VfL-Aufsichtsrat verlangen.

Und um noch etwas geht es Allofs: um Image und Sympathie. "Wenn wir ausgeschieden wären, hätte das unser Image wieder schlagartig verschlechtert. Auch in dieser Hinsicht war es ein kleiner Schritt nach vorn." Ähnlich wie zuvor in Bremen möchte der 56-Jährige in Wolfsburg ein nachhaltiges sportliches Fortkommen entwickeln. Doch er weiß: "Das war ein kleiner Schritt nach vorne. So etwas ist kein Sprint, sondern ein langer Weg."

Kickers Offenbach - VfL Wolfsburg 1:2 (0:0)
0:1 Olic (50.)
0:2 Dost (71.)
1:2 Stadel (81.)
Offenbach: Wulnikowski - Ahlschwede, Kleineheismann, Stadel, Stein - Mehic (64. Bäcker) - Matthias Schwarz (79. Avdic), Feldhahn, Fetsch, Reinhardt - Rathgeber (64. Vogler)
Wolfsburg: Benaglio - Hasebe, Naldo, Madlung, Marcel Schäfer - Polak, Josue (87. Kjaer) - Vieirinha (90.+1 Träsch), Diego, Olic (76. Rodriguez) - Dost
Schiedsrichter: Stark
Zuschauer: 18.700

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insgesamt 7 Beiträge
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1. nun mal langsam
hinzkunz001 27.02.2013
Zitat von sysopDer Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals hat für den VfL Wolfsburg höchsten Stellenwert: Er könnte helfen, eine durchwachsene Bundesliga-Saison zu kaschieren - und vielleicht wieder ins internationale Geschäft einszusteigen. Manager Klaus Allofs geht es dabei vor allem um das Image des Clubs. DFB-Pokal: VfL Wolfsburg gewinnt gegen Kickers Offenbach - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/dfb-pokal-vfl-wolfsburg-gewinnt-gegen-kickers-offenbach-a-885786.html)
das geht nur wenn Wolfsburg im HF nicht auf bayern oder Dortmund trift.
2.
jewast 27.02.2013
Zitat von sysopManager Klaus Allofs geht es dabei vor allem um das Image des Clubs.[/url]
Image? Diese Betriebssportgruppe hat doch kein Image, noch nicht mal ein negatives... Genauso die Leverkusener und Sinsheimer.
3. Dr.
Redigel 27.02.2013
Zitat von sysopDer Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals hat für den VfL Wolfsburg höchsten Stellenwert: Er könnte helfen, eine durchwachsene Bundesliga-Saison zu kaschieren - und vielleicht wieder ins internationale Geschäft einszusteigen. Manager Klaus Allofs geht es dabei vor allem um das Image des Clubs. DFB-Pokal: VfL Wolfsburg gewinnt gegen Kickers Offenbach - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/dfb-pokal-vfl-wolfsburg-gewinnt-gegen-kickers-offenbach-a-885786.html)
Jetzt dreht man in Wolfsburg und in den Medien wieder völlig durch... Nirgendwo liegt Anspruch und Realität soweit auseinander, wie bei diesem Verein.
4. Glückwunsch Vfl
helmstedter 27.02.2013
super gekämpft, verdient gewonnen Neid muß man sich halt schwer erarbeiten. So ist es eben im Profigeschäft. Wer den kommerziellen Fußball nicht sehen will, kann ja gerne von den guten alten Zeiten weiterträumen.
5. mehr erwartet
scrambledex 27.02.2013
eine truppe mit diesem etat schafft mit ach und krach ein 2:1 gegen einen drittligisten?!?!? dafür war die leistung echt schwach....
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