Werders Ujah Ein Tor fürs Lehrbuch

Anthony Ujah war Publikumsliebling in Köln - dann wechselte er zum SV Werder. Beim Sieg im Pokal gegen seinen Ex-Verein war Ujah der Mann des Spiels. Mitspieler vergleichen ihn mit dem legendären Bayern-Torjäger.

DPA

Aus Bremen berichtet


In der Interviewzone des Bremer Weserstadions rollten die Leute vom Fernsehen schon ihre Kabel zusammen, als der Trainer immer noch vor den Reportern stand und Werders Angreifer Anthony Ujah pries, den Torschützen zum 1:0-Erfolg gegen den 1. FC Köln in der zweiten Runde des DFB-Pokals. "Der Junge hat das richtig gut gemacht", sagte der Trainer: "Er ist schwer zu kontrollieren, das ist seine Stärke. Er macht Sachen, die untypisch sind." Der Trainer war Kölns Peter Stöger.

Er kennt Ujahs Vorzüge genau, denn der Angreifer spielte drei Jahre für den FC, zwei davon unter Stöger. Der Stürmer trug mit seinen Treffern entscheidend zur Rückkehr in die Bundesliga im vergangenen Jahr bei und wurde zum Liebling der Kölner Fans. Legendär sind die Bilder, wie er im März beim Torjubel gegen Frankfurt Kölns Geißbock Hennes so rabiat an die Hörner ging, dass sich Tierschützer bei den Kölnern beschwerten. Mit seinem Wechsel zu Werder Bremen brachte er das Publikum gegen sich auf, das ihm bis dahin ergeben gewesen war. Noch während die Saison lief, während er mit dem FC um Tore und Punkte kämpfte, ließ er sich vor einem grün-weißen Schriftzug fotografieren: 100 Prozent Werder.

Die Empörung der Kölner Fans bekam Ujah beim ersten Wiedersehen mit dem ehemaligen Klub zu hören. Aus dem Gästeblock unter dem Dach des Weserstadions erklangen wütende Pfiffe bei jeder Ballberührung des 25 Jahre alten Angreifers. Auch beleidigende Gesänge musste Ujah über sich ergehen lassen, was ihn allerdings nicht berührt habe, wie er nach dem Spiel versicherte: "Ich habe das gehört, aber es ist kein Problem für mich."

Dass ihm das einzige Tor des Abends gelang, dass er die ehemaligen Kollegen aus dem Wettbewerb warf, ist eine Fügung, für die das Wort "ausgerechnet" erfunden wurde. "Es war ein schwieriges Spiel für ihn. Wahnsinn, was er mit seinem Tor geleistet hat", schwärmte Werders Trainer Viktor Skripnik. Fin Bartels, der Vorlagengeber zum entscheidenden 1:0, hatte sich ein noch größeres Kompliment zurechtgelegt: Ujahs Tor erinnere ihn an Gerd Müller.

Ujah kommt in Bremen an

In der Tat würde sich der Treffer aus der 23. Minute in jedem Mittelstürmer-Lehrbuch gut machen. Nach dem Pass von Bartels drehte sich Ujah um seinen Bewacher Frederik Sörensen und schob den Ball aus der Bewegung ins lange Eck. Auf Jubel verzichtete der Torschütze, der angibt, noch immer Fan des FC zu sein. "Innerlich hat er sich sehr gefreut", vermutete Werders Kapitän Clemens Fritz: "Man kann niemandem zum Jubeln verpflichten."

Das Tor gegen den ehemaligen Arbeitgeber war Ujahs dritter Treffer in zwei Spielen, nachdem er zum 3:1-Erfolg gegen seinen anderen Ex-Klub FSV Mainz am Wochenende zwei Tore beigesteuert hatte. Der Angreifer kommt so langsam an bei Werder. Nach dem Sieg gegen Köln wurde Ujah von den Fans in der Ostkurve des Weserstadions geherzt, als habe er dem Verein gerade zum Gewinn der Champions League verholfen - oder zumindest zum Sieg gegen Werders Erzrivalen, gegen den Hamburger SV.

Vor allem dank Ujah erleben die Bremer derzeit einen zarten Aufschwung, nachdem sie zwischenzeitlich fünfmal nacheinander verloren hatten. Für Sportchef Thomas Eichin lautet die Erkenntnis aus den Siegen gegen Mainz und Köln: "Wir haben die Stabilität, um Spiele zu gewinnen. Ob das nun Glück ist oder nicht."

Gegen Köln, das ist Teil der Wahrheit, war auch Glück dabei. In der Schlussphase drängte der FC auf den Ausgleich, scheiterte aber mehrfach an Werders Torwart Felix Wiedwald. Eichin ärgerte sich darüber, dass seine Mannschaft die eigenen Chancen nicht konsequent ausgespielt habe und immer wieder in Konter geraten sei. "Das darf uns am Wochenende nicht passieren", sagte Eichin. Dann ist Borussia Dortmund im Weserstadion zu Gast.

Werder Bremen - 1. FC Köln 1:0 (1:0)
1:0 Ujah (23.)
Bremen: Wiedwald - Gebre Selassie, Galvez, Vestergaard, Sternberg - Bargfrede - Fritz, Junuzovic (81. Fröde) - Grillitsch (86. Pizarro) - Bartels, Ujah (90. Lukimya).
Köln: Horn - Risse, Sörensen, Heintz, Hector - Lehmann, Vogt (73. Finne) - Nagasawa, Zoller (15. Svento) - Osako (84. Jojic), Modeste.
Schiedsrichter: Brych (München)
Zuschauer: 40.052
Gelbe Karte: Modeste



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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
alaba27 29.10.2015
1. Mann oh Mann
Da wird der Rekord des Bombers ja bald geknackt. Schade, dass er nicht mehr spielt, er könnte sich bei dieser Tor Maschine so einiges abgucken. Und wer war eigentlich Maradona ? *Ironie off* Lässt doch mal die Kirche im Dorf, wie ein Ex-Kanzler so schön sagte. Nur weil er mal trifft, ist er noch lange kein Wunderstürmer. Dafür spricht auch seine "sensationelle" Torquote.
brokerbundfuture1 29.10.2015
2. ein wirklich schönes Tor
spielerisch gesehen ein tolles Tor, schnell sofort und ohne die Bewegung zu stoppen, das macht einen sehr guten Stürmer aus. Da hat Bremen wohl mal Glück mit einem Neuzugang, allein nur einer kann Bremen nicht wieder ganz nach vorne spielen. Und wenn man sich die Chancen von Köln ansieht, dann war das alles sehr glücklich verlaufen für Werder. Wir werden es sehen, ob die Werderaner in der Liga halbwegs im Spiel bleiben, mehr ist nicht drin.
jujo 29.10.2015
3. ...
Zitat von alaba27Da wird der Rekord des Bombers ja bald geknackt. Schade, dass er nicht mehr spielt, er könnte sich bei dieser Tor Maschine so einiges abgucken. Und wer war eigentlich Maradona ? *Ironie off* Lässt doch mal die Kirche im Dorf, wie ein Ex-Kanzler so schön sagte. Nur weil er mal trifft, ist er noch lange kein Wunderstürmer. Dafür spricht auch seine "sensationelle" Torquote.
Solche "Wunder" gibt es jeden Spieltag, leicht übertrieben, im Dutzend!
krumpf 29.10.2015
4.
Zitat von alaba27Da wird der Rekord des Bombers ja bald geknackt. Schade, dass er nicht mehr spielt, er könnte sich bei dieser Tor Maschine so einiges abgucken. Und wer war eigentlich Maradona ? *Ironie off* Lässt doch mal die Kirche im Dorf, wie ein Ex-Kanzler so schön sagte. Nur weil er mal trifft, ist er noch lange kein Wunderstürmer. Dafür spricht auch seine "sensationelle" Torquote.
Nun, es geht ja in dem Artikel eigentlich nur um die Rolle, die Ujah für Bremen spielt (und spielen könnte). Und momentan ist er ja für Werder wirklich wichtig, 6 Tore aus 12 Pflichtspielen sind ja auch keine so schlechte Quote, insbesondere, wenn man bedenkt, dass Werder im Schnitt eigentlich nur ein Tor pro Spiel erzielt. Auch der Kommentar von Bartels ist keine Majestätsbeleidigung gegenüber Gerd Müller, sondern einfach nur ein Lob für ein wirklich schönes Tor von Ujah.
tmhamacher1 29.10.2015
5. Abwehrfehler
Es war ein schönes Tor, vor allem der ansatzlose Schuss war sehenswert - aber in erster Linie war es eine schwache Leistung von Sörensen, der sich nach Strich und Faden vernaschen gelassen hat.
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