Werders Pokalerfolg gegen Hoffenheim Schön war's - und auch wieder nicht

Deutlich defensiver als zuletzt, aber erfolgreich: Bremen bejubelt den ersten Sieg seit mehr als zwei Monaten. Trainer Nouri hilft das allerdings kaum, Ligapunkte müssen her. Hoffnung darauf macht ein Rückkehrer.

Alexander Nouri, Ludwig Augustinsson (r.)
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Alexander Nouri, Ludwig Augustinsson (r.)

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage


Als der Vierte Offizielle Martin Thomsen kurz vor Ende der regulären Spielzeit seine Tafel hochhielt, ging ein lautes Raunen durch das Weserstadion: Vier Minuten Nachspielzeit zeigte der Unparteiische an. Vier Minuten!

Die Werder-Fans mussten also noch zittern, um endlich den zweiten Pflichtspielsieg dieser Saison feiern zu dürfen. Schon zehn Minuten zuvor hatte es die meisten Zuschauer nicht mehr auf ihren Sitzen gehalten. Bremens Anhänger litten mit ihrem Team und unterstützen es durch rhythmisches Klatschen.

Nach dem Schlusspfiff war die Erleichterung dann sowohl bei den Fans als auch bei den Spielern riesengroß. Fast so groß, als hätte Werder nach 2004 mal wieder die Deutsche Meisterschaft gewonnen, doch es war "nur" der schnöde Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale.

"It wasn't pretty", sagte der Schwede Ludwig Augustinsson nach der Partie. Nein, schön anzuschauen war das alles nicht, aber das war wirklich allen Bremern völlig egal. Hauptsache, mal wieder gewonnen. Das Gefühl eines Siegs kannten die Bremer schon gar nicht mehr. Der bis dahin einzige Erfolg in der aktuellen Saison war das Erstrunden-Pokalspiel beim Drittligisten Würzburger Kickers (3:0) Mitte August. In der Bundesliga sind die Werderaner auch nach neun Auftritten immer noch sieglos.

Zugang Belfodil trifft erstmals

Der stark unter Druck geratene Trainer Alexander Nouri versuchte es gegen den Tabellenvierten der Bundesliga mit einer extrem defensiven Aufstellung. Eigentlich untypisch für Werder, aber in dieser Situation heiligte der Zweck die Mittel. Nouri, der zusammen mit dem TSG-Trainer Julian Nagelsmann den Fußballtrainer-Lehrgang erfolgreich absolvierte, baute auf zwei Viererketten. Davor agierten nur noch Kapitän Zlatko Junuzovic und Angreifer Ishak Belfodil.

"Wir wollten von Anfang an kompakt sein und Nadelstiche setzen", sagte Junuzovic nach dem Spiel zur taktischen Marschroute, die vor allem in der ersten Hälfte gut funktionierte. Nach einer halben Stunde gingen die Bremer durch Belfodil in Führung. Der Algerier, der schon fast als Fehlkauf abgestempelt wurde, traf zum ersten Mal - und war überglücklich: "Das war ein großartiges Gefühl, aber da das Tor früh im Spiel gefallen ist, bin ich nicht völlig ausgerastet. Ich wollte weiter konzentriert bleiben und der Mannschaft helfen. Als der Schiedsrichter dann abgepfiffen hat, war ich sehr erleichtert."

Die Erleichterung liegt nah, denn Werders Leistung war auch an diesem Abend nicht wirklich gut. Doch wer sollte es den Bremern verdenken, dass sie sich den Sieg gegen den Europa-League-Teilnehmer mehr erkämpft als erspielt haben? Neben dem großen Kampfgeist und dem Siegeswillen hatte das Team auch das entscheidende Quäntchen Glück: Schiedsrichter Tobias Stieler verwehrte den Gästen gleich zweimal einen Strafstoß. Dazu zeigte Werder-Keeper Jiri Pavlenka zum wiederholten Mal eine starke Leistung und bestätigte in der vierten Minute der Nachspielzeit mit einer tollen Parade gegen Benjamin Hübner seine fantastische Form. Er lenkte den Kopfballaufsetzer des Hoffenheimers spektakulär an die Latte.

"Wäre unangebracht gewesen, zu feiern"

Nach dem hart erkämpften Sieg gegen die TSG Hoffenheim geht es am kommenden Sonntag im Weserstadion gegen den FC Augsburg. Mit neuem Selbstbewusstsein und der Gewissheit, doch noch siegen zu können, wollen die Bremer auch in der Bundesliga endlich den ersten Sieg der Saison holen. Trainer Nouri gibt der Sieg vielleicht bis zum Spiel am Sonntag etwas Zeit zum Durchatmen: "Wir genießen den Moment, aber ab Donnerstag liegt der Fokus voll auf Augsburg." Denn sollten die Bremer erneut nicht gewinnen, steigt der Druck auf Nouri, dem bei einer Heimniederlage dann vermutlich auch der hart erkämpfte Pokalsieg gegen Hoffenheim nichts mehr nützen dürfte.

Hoffnungträger ist nun wieder Max Kruse, der nach langer Verletzung am Wochenende in Köln sein Comeback gefeiert hatte und nun wieder Einsatzzeit bekam. "Für mich war es wichtig, heute wieder 30 Minuten auf dem Platz gestanden zu haben und so Wettkampfpraxis zu sammeln", sagte der 29-Jährige. Aber auch der letztjährige Top-Scorer der Bremer wollte den Pokalerfolg nicht überbewerten: "Wir haben in der Liga noch keinen Sieg geholt und deswegen wäre das heute unangebracht gewesen, zu feiern."

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DFB-Pokal: Werder glücklich, Heidenheim furios

Gegen wen Werder im Achtelfinale des DFB-Pokals antreten darf, werden die Bremer erst am Sonntag nach der Auslosung erfahren. Sicherlich werden sie sich ein Heimspiel wünschen, denn dann kann Werder eigentlich schon für das Viertelfinale planen.

Seit 1988 haben die Bremer in 36 DFB-Pokal-Heimspielen nicht mehr verloren.

insgesamt 7 Beiträge
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Franke aus Hamburg 26.10.2017
1. Also, ich hätte....
... Bremen eine Niederlage gegönnt. Dann hätte sich Werder ganz auf die Liga konzentrieren können. Obwohl, das eine Spiel mehr schadet auch nicht. Mit diesem schwachen Kader und den überforderten Verantwortlichen geht's sicher in Liga zwei.
PeterPan95 26.10.2017
2.
Zitat von Franke aus Hamburg... Bremen eine Niederlage gegönnt. Dann hätte sich Werder ganz auf die Liga konzentrieren können. Obwohl, das eine Spiel mehr schadet auch nicht. Mit diesem schwachen Kader und den überforderten Verantwortlichen geht's sicher in Liga zwei.
Na die Hamburger wissen ja wie das ist mit dem "sich auf die Liga konzentrieren". Was hat denn der HSV gestern so gemacht? Mannschaftsabend im Kino? Zum Spiel: Sicher war das nicht gut. Aber endlich hatte Werder auch mal wieder das Glück was man gegen Hoffenheim, Schalke, Freiburg etc in der Liga nicht hatte und was dort Punkte gekostet hat. Am Sonntag gegen Augsburg nun ähnlich stark kämpfen und dann kommen auch die Tore mal wieder.
fpa 26.10.2017
3. Der Pokaltag gestern - eine Werbung für den Videobeweis
In diesem Spiel ganz besonders. Hoffenheim hat in Bremen zwei glasklare Elfmeter nicht bekommen. Aber auch in Leipzig, Osnabrück und Kaiserslautern. Wo waren die Elfmeter-Fouls wirklich? Die Entscheidungen: Je eher im Strafraum, desto weniger gab es einen Elfmeter. Je weiter draußen, desto klarer und unmissverständlicher wurde der Elfmeter gegeben. Und wenn Keita für diesen Mikro-Zupfer zurecht gelb bekommen haben sollte, dass würde fast jedes Spiel mit 8 gegen 8 beendet werden. usw.
nico.g 26.10.2017
4. Pokalsieger 2017 fehlt noch immer in der Auflistung
Liebes SPON-Team, in der Auflistung der Pokalsieger ist der letzte Titelträger immer noch der FC Bayern 2016, obwohl der BvB 2017 doch auch in die Liste gehört.
werder11 26.10.2017
5. videobeweis
das neue allheilmittel - allerdings ist die handhabung so stümperhaft und ungleichmäßig, daß sie eher den gegenteiligen effekt vermittelt - man hat das feeling, daß da die selben akteure agieren, die ansonsten auf dem platz die haarsträubenden fehler in schöner regelmäßigkeit abliefern - wenn ein nicht erzieltes tor, weil der ball vorbei ging, vom schiri trotzdem gegeben wird und vom dfb ungeahndet als tatsachenentscheidung abgesegnet wird, dann ist das ein skandalöser betrug, genauso wie das handspiel von 96 gegen köln, das ganz deutschland gesehen hatte, nur der schiri nicht!
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