Pokal-Halbfinalist Wolfsburg: Die grauen Wölfe

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Bongarts/Getty Images

Der VfL Wolfsburg tritt sportlich auf der Stelle - trotz des Geldes vom Großsponsor VW. Der Verein ist in der Liga nur Mittelmaß, die Aussichten, das Pokalfinale zu erreichen, sind angesichts des übermächtigen Gegners FC Bayern gering. Dem VfL droht die nächste verschenkte Saison.

Der Frühling ist auch in Wolfsburg angekommen, die dazu passende Aufbruchstimmung hat er nicht mitgebracht. Der VfL steht am Abend im Pokal-Halbfinale beim FC Bayern München (20.30 Uhr ARD, Liveticker SPIEGEL ONLINE), es ist für den Verein das wichtigste Spiel des Jahres, aber selbst die treuen Wolfsburger Lokaljournalisten diskutieren vor der Partie in München nur die Höhe eines Bayern-Sieges.

Wenn es tatsächlich so kommt, wie alle erwarten, dann ist es für den VfL Wolfsburg, diesen ambitionierten Bundesliga-Verein, wieder eine verschenkte Saison gewesen. Die vierte nacheinander.

Trainer Dieter Hecking und Manager Klaus Allofs sprechen vor der Partie beim Überteam der Saison tapfer von "unserer kleinen Chance, die es in jedem Spiel gibt" (Hecking) und davon, "dass wir uns nicht einreden lassen, gar nicht erst nach München hinzufahren" (Allofs). Beide sind lang genug im Geschäft, um zu wissen, wie klein die Chance ist, in München, bei dem unersättlich wirkenden FC Bayern dieser Saison, zu gewinnen. Sie ist minimal. Oder wie Hecking sagt: "Es ist klar: Wir werden die Bayern nicht 4:0 weghauen." Es wird womöglich eher umgekehrt laufen.

Für die Ansprüche des Großsponsors zu wenig

Hecking ist seit Januar im Amt, Allofs seit November. Der Trainer war bis dahin in Nürnberg verantwortlich, der Manager in Bremen. Ihre Verpflichtungen mitten in der laufenden Spielzeit, weg von der Liga-Konkurrenz, waren Aufreger. Es waren fast die einzigen großen Schlagzeilen, die der VfL in dieser Saison verursacht hat. Das Team krebst auf Platz 13 der Tabelle herum, zuletzt war man immerhin fünfmal ungeschlagen, davon spielte der Club allerdings viermal Unentschieden. Für den Großsponsor Volkswagen und dessen Ansprüche ist das alles viel zu wenig.

Es ist gerade vier Jahre her, da spielte der VfL auch im April gegen die Münchner, der glorreiche FC Bayern wurde dabei in der Liga 5:1 nach Hause geschickt. Der VfL hatte sich in jenem Frühjahr in einen Rausch gespielt, ein Rausch, der ihn bis zur Deutschen Meisterschaft trug. Der Trainer hieß Felix Magath, er hatte damals eine Mission: Magath war zuvor in München entlassen worden. Er wollte es allen und vor allem den Bayern zeigen. Mit diesem persönlichen Antrieb beseelte er einen Verein, der bis dahin wenig Seele hatte.

Seitdem haben sie in Wolfsburg vieles versucht, um den Erfolg von damals zu wiederholen. Sie haben von da an sieben Trainer verpflichtet, unterschiedliche Typen wie Armin Veh, Steve McClaren und Pierre Littbarski waren darunter. Sie haben den Meistercoach Magath zurückgeholt. Sie haben Unsummen für neue Spieler ausgegeben, Profis im Dutzend neu verpflichtet, ganze Kader ausgetauscht. Von der Elf der April-Gala 2009 gegen die Bayern sind heute nur noch Torwart Diego Benaglio und Marcel Schäfer im Aufgebot. Man muss sagen: Funktioniert hat das alles nicht.

2000 Wolfsburg-Fans begleiten die Mannschaft

Hecking und Allofs stehen in der Branche durch ihre ruhige Art für Seriösität. Beim VfL will man damit das Signal aussenden, dass die unruhigen Zeiten der vergangenen Jahre vorbei sind. Sportlich hat es das Team allerdings noch kaum weitergebracht. Der Club steckt im Graubereich der Liga fest. Er ist derzeit tatsächlich das unansehnliche Werksteam, für das ihn viele Fußballfans in Deutschland ohnehin halten.

Dabei spielen im Team echte Bundesliga-Stars wie der Brasilianer Diego, der einst Bremen verzückte. Wie der Dauerrenner Ivica Olic, der in Hamburg und München Publikumsliebling war. Wie die frühere Tormaschine Patrick Helmes. In Wolfsburg ist ihr Glanz matt geworden.

Am Dienstag werden 2000 Wolfsburg-Fans die Mannschaft nach München begleiten, "das verdient Erwähnung und zeigt, dass wir unsere Anhänger eben doch mobilisieren können", sagt Allofs. Zu Bremer Zeiten wäre er nachhaltig irritiert gewesen, wenn nur 2000 Werder-Fans zu einem Pokal-Halbfinale mitgereist wären. Aber in Wolfsburg liegen die Dinge anders.

Der Verein kann sich noch so sehr bemühen, er kann ein schmuckes Stadion hinsetzen, er kann sich intensiv um den Nachwuchs und den Frauenfußball kümmern - die Fanbasis nachhaltig und deutschlandweit zu verbreitern ist ihm nicht gelungen. Die Menschen in der Region hatten ihr Fußballherz ohnehin längst an Hannover 96 und Eintracht Braunschweig verschenkt, als der VfL Wolfsburg auf der großen Bühne auftauchte. Der VfL bleibt so etwas wie die Dame ohne Unterleib.

Der Fernsehsender Sky misst im Anschluss an jeden Bundesliga-Spieltag die TV-Quoten der von ihm live ausgestrahlten Bundesliga-Partien. Der VfL Wolfsburg hat es dabei am vergangenen Wochenende zum dritten Mal nacheinander auf Werte unterhalb der Messbarkeitsgrenze von 5000 Zusehern geschafft. Gegen Nürnberg, in Leverkusen, gegen Hoffenheim. Offiziell werden diese Werte dann mit 0,00 Zuschauern angegeben.

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