Sicherheitsbedenken DFB und Polizei setzen Alkoholverbot beim Pokalfinale durch

Berlin wird am Samstag zum Hochsicherheitsgebiet. Außer dem DFB-Pokalfinale zwischen dem BVB und Bayern München sorgt ein A-Jugend-Spiel für ein hohes Sicherheitsrisiko. Der Verband reagiert mit einer drastischen Entscheidung.

Aus Berlin berichtet

Olympiastadion in Berlin (Symbolbild): Angst vor der "Fraktion abenteuerlustig"
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Olympiastadion in Berlin (Symbolbild): Angst vor der "Fraktion abenteuerlustig"


Die Konstellation ist für Sicherheitsbeauftragte haarsträubend: Am Samstagabend treffen mit Borussia Dortmund und dem FC Bayern München nicht nur die beiden derzeit besten deutschen Mannschaften aufeinander, sondern auch zwei Traditionsklubs, die zahlreiche Fans in die Hauptstadt locken werden. Zugleich sind es zwei Vereine, deren Ultras sich - freundlich formuliert - nicht mögen. Beim vergangenen Champions-League-Finale in in London prügelten die einzelnen Gruppen in Stadionnähe aufeinander ein, es flogen Steine und Metallstangen.

Dies alleine reicht der Berliner Polizei aus, um am Samstag mit einem Aufgebot von 1100 Beamten Präsenz zu zeigen. Der DFB unterstützt die Einsatzkräfte mit über 1200 privaten Ordnungskräften. Zudem fordert der Verband derzeit weitere Gastordner an.

Dass ein solcher Sicherheitsaufwand notwendig wird, liegt aber nicht allein an dem Finale zwischen BVB und FCB (ab 20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD und Sky). Den Sicherheitsexperten macht auch ein A-Jugend-Spiel Kopfzerbrechen: Am Samstagmorgen trifft der SC Freiburg im Berliner Amateurstadion am Wurfplatz, etwa 500 Meter vom Olympiastadion entfernt, ausgerechnet auf den FC Schalke 04.

"Zu so einem Spiel werden zahlreiche Fanfreunde anreisen"

Borussia Dortmund und die Schalker sind sich in tiefer Abneigung verbunden. Und dass die Schalker Fans und die Anhänger des FC Bayern sich nicht erst seit dem Transfer von Torwart Manuel Neuer gegenseitig abstoßen, ist ebenfalls eine Binse. Schalker und Münchner sind sich seit Jahrzehnten nicht grün, auch weil die Schalker eine lange Fanfreundschaft mit dem 1. FC Nürnberg verbindet. Die Nürnberger und die Münchner wiederum pflegen in Süddeutschland ungefähr ein so gesundes Verhältnis zueinander wie die Schalker und Dortmunder im Ruhrpott.

Während der gewöhnliche Fußballfan über solche "Feindschaften" lachen kann, diese mit ein wenig gegenseitiger Frotzelei ehrenwert pflegt, sieht die verquere Logik mancher Ultras völlig anders aus. In Internetforen drohen sich die einzelnen Parteien bereits seit Tagen gegenseitige Schläge an, es wird von "Vergeltung" für die Ausschreitungen der BVB-Ultras beim Revierderby auf Schalke gesprochen. "Für die 'Fraktion abenteuerlustig' ist bei diesem Finale alles dabei. Ich verspreche jetzt schon, dass es in der gesamten Stadt zu Jagdszenen kommen wird", sagt ein hochrangiges Mitglied der Dortmunder Ultra-Szene.

Die Schalker haben derzeit, so sagt es die Berliner Polizei, etwa 1500 Karten für das A-Jugend-Endspiel geordert. "Wir erwarten aber mehr Menschen aus Gelsenkirchen, darunter auch zahlreiche Ultras", sagt Heiko Homolla, Sprecher der Berliner Polizei, SPIEGEL ONLINE. Und die Schalker kündigen an, nicht alleine zu kommen: "Zu so einem Spiel werden zahlreiche Fanfreunde anreisen", sagt ein Mitglieder der Ultras Gelsenkirchen. Hinter der Formulierung "Fanfreunde" verstecken sich Ultras aus Nürnberg, Mazedonien und Holland. Aber auch Hooligans der Gelsenszene, die samt ihrer Nachwuchsschlägergarde den Weg nach Berlin suchen werden. Der harte Hooligankern aus Dortmund ist bereits seit Donnerstagabend in der Hauptstadt.

Keiner will draußenbleiben müssen

"Die Fans rivalisieren, stehen sich aber nicht feindschaftlich gegenüber. Wir erwarten, dass sich alle Fans ihrer Gastrolle in unserer Hauptstadt bewusst sind und dass sie dieser gerecht werden", sagt der DFB-Sicherheitschef Hendrik Große Lefert SPIEGEL ONLINE. Es ist eine Einordnung über das Beziehungsverhältnis der Ultras, die kaum ein Fanexperte teilen würde. Der DFB nehme, so Große Lefert weiter, die Drohgebärden zwischen den einzelnen Lagern zwar wahr, prüfe diese aber zunächst gemeinsam mit der Polizei auf ihren "Wahrheitsgehalt und die daraus resultierenden Risiken".

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE gab es zwischenzeitlich sogar die Überlegung, das A-Jugend-Finale in diesem Jahr in Frankfurt oder Mainz austragen zu lassen. Damit wäre die problematische Konstellation der Fans, die auch auf den Anreisewegen nach Berlin Schwierigkeiten bereiten könnte, ein wenig entschärft. Der DFB entschied sich dagegen, weil man den A-Jugendlichen dieses große Event nicht verwehren wollte.

Stattdessen fand der Verband gemeinsam mit der Berliner Polizei eine Lösung, die wohl für große Verärgerung sorgen wird: "Aufgrund der Erfahrungen des Pokalendspiels von 2012 haben wir gemeinsam mit dem DFB vereinbart, auf den Alkoholausschank im Olympiastadion zu verzichten. Auch im Public-Viewing-Bereich wird es ausschließlich Light-Beer geben", sagt Polizeisprecher Homolla SPIEGEL ONLINE. 2012 seien zu viele zu stark alkoholisierte Fans im Stadion angekommen und hätten daraufhin teilweise randaliert. Das Alkoholverbot ist ein Novum bei DFB-Pokalendspielen.

Die gemäßigte Ultrafraktion des BVB reagiert auf eine andere Art: Alle schwarz-gelben Fans sind eingeladen, sich um 11 Uhr an der Berliner Gedächtniskirche zu versammeln. Dort wolle man sich gemeinsam, und im Schutze der Gruppe, auf das Finale einstimmen. "Wir wollen alle ins Stadion kommen und dieses Spiel sehen. Keiner will wegen irgendwelcher Scharmützel draußen bleiben müssen", sagt ein BVB-Ultra. Die Dortmunder Fans werden anschließend mit Sonderzügen zum Stadion fahren.

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Malone81 16.05.2014
1. Konsequente Umsetzung!
Man hätte der Vollständig halber noch erwähnen sollen, dass dieses Verbot natürlich nur für den "Pöbel" gilt. Auf den Business-Seats und in den Logen werden selbstredend alkoholische Getränke serviert...
sebastian.teichert 16.05.2014
2.
Es ist doch auch nur der Pöbel der sich nicht benehmen kann bzw. in dem fall wirklich die Unterschicht! Wenn man die, die festgenommen werden einen Großteil der kosten aufbrummen würde, würden sich auch alle Benehmen. Ich glaube nicht das die meisten da 100.000 Euro oder mehr haben! Kann doch nicht sein, dass die Allgemeinheit für so welche hirnlose Irren ewig Aufkommen muss!
xaka 16.05.2014
3. Keine Bierdusche ...
Zitat von Malone81Man hätte der Vollständig halber noch erwähnen sollen, dass dieses Verbot natürlich nur für den "Pöbel" gilt. Auf den Business-Seats und in den Logen werden selbstredend alkoholische Getränke serviert...
Gilt das auch für die Spieler und Trainer?
Mieze Schindler 16.05.2014
4. Endlich lernen die Fußballfunktionäre einmal etwas!
Alkoholverbot hätte man schon lang machen sollen. Wer unbedingt Bier beim Fußball braucht, kann vor dem TV sitzen. Die Spieler trinken schließlich auch Wasser.
Sundown 16.05.2014
5.
Zitat von sebastian.teichertEs ist doch auch nur der Pöbel der sich nicht benehmen kann bzw. in dem fall wirklich die Unterschicht! Wenn man die, die festgenommen werden einen Großteil der kosten aufbrummen würde, würden sich auch alle Benehmen. Ich glaube nicht das die meisten da 100.000 Euro oder mehr haben! Kann doch nicht sein, dass die Allgemeinheit für so welche hirnlose Irren ewig Aufkommen muss!
Wirklich schön, wenn man etwas Besseres ist, nicht wahr? Warum sollte man einem "Festgenommenen" (womit ja keineswegs irgendeine Schuld nachgewiesen wäre) die Kosten des Einsatzes aufbrummen? Ist das Ihr Rechtsverständnis? Die Polizei sichert den öffentlichen Raum, das ist ihr Auftrag. Trotzdem sehe ich ein Alkoholverbot als zwar traurig, aber sicher nicht verkehrt an. Die Wirksamkeit ist natürlich fraglich, weil es ja nicht für die ganze Stadt gilt - wenn man aber angetrunken nicht ins Stadion kommt, wird man sich den übermäßigen Genuss vielleicht überlegen. Bitter, dass wieder einmal alle für die Verfehlungen weniger Einschränkungen in Kauf nehmen müssen.
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