Fehlentscheidung im DFB-Pokalfinale Das Problem heißt Zwayer

Viel wird gesprochen über die Münchner Respektlosigkeit nach dem Pokalfinale. Das größere Ärgernis war jedoch Felix Zwayers Fehlentscheidung in der Nachspielzeit. Der Schiedsrichter stand schon öfter im Fokus.

Felix Zwayer
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Felix Zwayer

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Um sich über das eigene Empörungslevel gewahr zu werden, hilft häufig ein simples Gedankenexperiment: Wie hätte ich reagiert, wenn eine Entscheidung das gegnerische Team betroffen hätte? Wenn Felix Zwayer nicht dem FC Bayern, sondern dem Underdog, der Frankfurter Eintracht, in der Nachspielzeit beim Stand von 1:2 einen solchen Strafstoß verwehrt hätte?

Am Tag danach würde sich die Diskussion wohl kaum um Spaliere, zu früh in die Kabine gestapfte Spieler oder andere mittelgroße Respektlosigkeiten drehen - sondern darum, wie ein Unparteiischer nach mehrfacher Ansicht der Fernsehbilder das Einsteigen von Kevin-Prince Boateng gegen Javi Martínez nicht als elfmeterreif bewerten konnte. Der beteiligte Boateng sah die Sache wie sein Trainer Niko Kovac: Strafstoß, natürlich.

Man hätte gern Felix Zwayer gehört, was ihn zu seiner bemerkenswerten Einschätzung bewogen hat, aber der Berliner schwieg.

Zwayers bemerkenswerter Aufstieg

Es war keine gute Woche für den DFB und seine Unparteiischen. Bereits vor dem Pokalfinale musste sich der Verband erneut mit dem Fall Manuel Gräfe auseinandersetzen. Der in der Schiedsrichteraffäre eingesetzte Gutachter hatte empfohlen, dem deutschen Top-Referee keine Spielleitungen mehr zu übertragen.

Gräfe hatte im vergangenen Jahr mit seinen Angriffen gegen die früheren Schiedsrichter-Chefs Hellmut Krug und Herbert Fandel ein kleines Erdbeben ausgelöst. "Da sind Leute in Positionen gekommen, für die sie einfach nicht gut oder weit genug waren. So etwas geht eben eine Zeit lang gut, wenn man sie intern und extern schützt, aber irgendwann fällt es dann auf", so Gräfes Vorwurf. Als Beispiel nannte er: Felix Zwayer.

Dessen Aufstieg zum Fifa-Referee, obwohl er einst in den Skandal um Robert Hoyzer involviert war, bewertete Gräfe kritisch. "Wie kann so jemand bis in die Spitze der deutschen Top-Schiedsrichter kommen? Kann es vielleicht sein, dass Fandel und Krug dort einen Mann haben wollten, der ihnen zu bedingungsloser Loyalität verpflichtet war?"

Zur Klarstellung: Niemand wirft Zwayer bewusst fehlerhaftes Handeln vor. Umstrittene Leistungen wie im Pokalfinale oder der Achtelfinalpartie zwischen Leipzig und den Münchnern wecken jedoch Zweifel an der Eignung des 37-Jährigen für höchste Aufgaben.

Für Zwayer ist die nationale Saison mit seinem Auftritt im Pokalfinale beendet. Beschäftigungslos ist er im Sommer allerdings nicht: Bei der Fußballweltmeisterschaft in Russland wird er erneut schwierige Entscheidungen treffen müssen. Er ist für das größte Fußballturnier der Welt nominiert - als Videoschiedsrichter.

insgesamt 247 Beiträge
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FalscheVereinsfarbe 20.05.2018
1. Die ersten beide Absätze......
.... geben mir die Hoffnung, dass noch nicht alles verloren ist! Unabhängig davon, dass die Leistung der Frankfurter, im Rahmen Ihrer Möglichkeiten, hervorragend war.
hatschon 20.05.2018
2. Hören sie auf den Schiedsrichter
Schlecht zu machen Herr Fuchs . Versuchen sie sich doch selber mal als Schiedsrichter auf das Resultat bin ich mal gespannt.
Realist111 20.05.2018
3. Dann sollte man ...
... vielleicht auch mal dieser Frage nachgehen ... http://www.kicker.de/news/fussball/dfbpokal/startseite/724271/artikel_warum-bekam-zwayer-nur-eine-einstellung-zu-sehen.html
simsim22 20.05.2018
4. Gräfe hat recht
Gräfe liegt da vollkommen richtig und die Reaktion des DFB sagt ja schon alles. Es gibt viele deutsche Schiedsrichter die in Frage kämen aber schlussendlich läuft es immer wieder auf die selben wie zwayer hinaus und allein seine Rolle im Skandal damals war ein Witz bzw dass er danach noch die Möglichkeit hat so dermaßen hoch und schnell aufzusteigen
dasbeau 20.05.2018
5. Hummels‘ Tor
Ich bin zwar auch der Ansicht, dass das ein Elfer war, aber die Bayern sollen mal schön still sein. Im Finale gegen den BVB haben sie die krasse Fehlentscheidung, als Hummels Kopfball klar im Tor war, gerne mitgenommen. (Stand der BVB damals Spalier? Ich weiß es nicht mehr, glaube aber schon)
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